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Der parteilose Bürgermeister von Rosbach, Thomas Alber, muss mit großen Widerstand kämpfen.

Wetterau

Verhärtete Fronten in Rosbach

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Der Rosbacher Bürgermeister Thomas Alber will nun doch bis zum Ende seiner Amtszeit weitermachen. Doch neuer Ärger ist schon programmiert.

Was sich dieser Tage in Rosbach vor der Höhe im Wetteraukreis abspielt, hat das Zeug zu einer Posse. Ein Bürgermeister, der mangelnde Unterstützung durch das Stadtparlament beklagt und deshalb vorzeitig und nach nicht mal einer Amtszeit das Handtuch werfen wollte. Ein Parlament, das ihm den Abwahlwunsch verwehrt. Persönliche Angriffe führender Kommunalpolitiker.

All das macht es schwer vorstellbar, dass die Rosbacher Politik in nächster Zeit in ruhigeres Fahrwasser geraten wird. Den Auftakt zu diesem unschönen Schauspiel markierte die Ankündigung von Rathauschef Thomas Alber (parteilos), nicht noch einmal als Bürgermeister zu kandidieren. Er sei jemand, der etwas gestalten, bewegen und entwickeln wolle, sagte er Anfang Juni in einem Interview mit der „Wetterauer Zeitung“. Oft habe er sich aber mit den Fraktionen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verständigen müssen. „Das ist mir zu wenig.“

Tatsächlich gab es in den vergangenen Monaten immer wieder großen Widerstand gegen Pläne von Alber, der im Wahlkampf 2012 vor allem von der SPD unterstützt wurde und seit März Bürgermeister der 12 000-Einwohner-Stadt ist. Mal ging es um eine deutliche Erhöhung der Kita-Gebühren, mal um den geplanten Abriss einer Kita, gegen den eine Bürgerinitiative unlängst genügend Unterschriften für einen Bürgerentscheid gesammelt hat.

Es gibt Widerstand gegen die von Alber favorisierte Erweiterung eines Gewerbegebietes an der A5 um insgesamt 32 Hektar. Der Plan, das frühere Rathaus von Ober-Rosbach zu verkaufen, wurde heftig kritisiert.

Immer wieder gab es auch kritische Stimmen aus dem Pro-Alber-Lager, das aus einem losen Bündnis von SPD, Freien Wählern (FW) und der Wählergemeinschaft Stimme für Rosbach/Rodheim besteht und im Stadtparlament über eine Mehrheit von einer Stimme verfügt.

Dass Alber auf dieser Grundlage nicht mehr weitermachen möchte, mag man verstehen. Dem Wunsch des 47-Jährigen aber, sich schon vor Ablauf der Amtszeit zurückzuziehen und die Bürgermeisterwahl um etwa ein Jahr, auf den 24. September 2017 vorzulegen, will die Mehrheit der Stadtverordneten indes nicht folgen. Eine Zweidrittelmehrheit, die es bräuchte, damit Alber ohne einen anschließenden Bürgerentscheid auf das Amt verzichten könnte, ist ausgeschlossen.

Es genügte schon, dass CDU und SPD ein solches Prozedere nicht mittragen wollten. Während sich die SPD demonstrativ hinter Alber stellt, weil es nichts gebe, dass eine Abwahl rechtfertige, so Rosbachs SPD-Sprecher Herbert See, äußerte CDU-Fraktionschef Jörg Egerter, eine Abwahl gehe zulasten des Steuerzahlers, weil der Bürgermeister so „unmittelbare Versorgungsansprüche“ hätte. Der Bürgermeister solle stattdessen um seine Entlassung aus dem Beamtenverhältnis bitten.

Das wäre eine gewaltige Zumutung. Damit würde er auf einen Großteil seiner Pensionsansprüche verzichten. Laut dem Kommunalrechtsfachmann Gerhard Bennemann sänken diese um knapp die Hälfte. „Ich würde so Versorgungsansprüche aus 28 Jahren als Beamter verlieren“, sagt Alber.

Neben FDP und Grünen ist es in Rosbach vor allem die CDU, die die Politik und die Amtsführung von Thomas Alber kritisiert. Für die Rosbacher SPD-Vorsitzende Eleonore Dietz liegen die Gründe dafür bei der Bürgermeisterwahl 2012, als sich Alber gegen CDU-Chef Henrik Schnabel und den Grünen-Fraktionsvorsitzenden Peter Scholz durchsetzte. In der Stichwahl hatten sich FDP und Grüne hinter Schnabel gestellt. Doch Alber setzte sich mit 56,3 Prozent der Stimmen durch.

Diese Niederlage wirke bis heute nach, meint Dietz. CDU und Grüne gäben sich als „beleidigte Leberwürste“. Eine konstruktive Zusammenarbeit sei insbesondere mit CDU-Fraktionschef Jörg Egerter kaum möglich.

Ähnlich äußert sich auch der Rathauschef selbst über Schwarz-Grün. Er spricht von „beleidigten Wahlverlierern“, wenngleich es einige Stadtverordnete bei der CDU gebe, mit denen man gut zusammenarbeiten könne. CDU und Grüne hätten sich schon vor der Wahl gut verstanden, entgegnet Egerter.

Tatsächlich fallen in den Gesprächen mit der einen wie der anderen Seite häufig die Namen der Führungspersonen, die eine gedeihliche Kooperation bei wichtigen Themen erschwerten. Die Fähigkeit aufeinander zuzugehen, scheint in der Wetterau-Kommune erheblich gestört zu sein. In der Zeit von Albers Vorgänger Detlef Brechtel klappte dies besser, der schaffte es auf insgesamt über zweieinhalb Jahrzehnte als Bürgermeister.

Bürgermeister Alber sieht sich nun falsch verstanden. Die Abwahl sei nur ein Vorschlag gewesen. „Es war nicht mein Wille, es war ein Angebot.“ Dass sich die Wogen in den nächsten Tagen glätten werden, ist nicht zu erwarten. Alber hat angekündigt, beim Gewerbegebiet „Dickmühle“ weiterhin an einer Erweiterung um insgesamt 32 Hektar festhalten zu wollen. Neuer Streit ist hier programmiert. Am 27. Juni sollen die Stadtverordneten darüber abstimmen.

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