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Das moderne Skateboarding ist in Kalifornien erfunden worden.

Bad Nauheim

Kurstadt will Skater anlocken

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Die Skater-Anlage im Goldsteinpark soll einen neuen Maßstab im Rhein-Main-Gebiet setzen. Die SPD drängt auf konkrete Pläne.

Bald ein Jahr ist es her, dass sich Bad Nauheims Stadtverordnete unerwartet für eine Skateanlage und damit gegen einen Greifvogelpark in einem Naherholungsgebiet nordöstlich des Bahnhofs entschieden haben. Beides zugleich hatte der Wetteraukreis aus Natur- und Artenschutzgründen im Goldsteinpark nicht zugelassen. Der Jugendbeirat der Wetterauer Kurstadt forderte den Skatepark schon vor einigen Jahren, der Lions-Club „Hessischer Löwe Bad Nauheim“ will das nötige Geld dafür besorgen. 

Dabei stellen sich der Beirat und der Lions-Club ein große Anlage vor mit etwa 30 Hindernissen, nicht nur für Skateboarder, sondern auch für Inliner und BMX-Fahrer. Eine Fläche von bis zu 1000 Quadratmetern und eine „Bowl“ soll sie haben. Es wäre eine Anlage, die im Rhein-Main-Gebiet ihresgleichen suchen würde, sagt Gordon Kirstein vom Lions Club. Der nächste von der Qualität vergleichbare Skatepark wäre die „North Brigade“ in Köln. 

Seit dem Beschluss des Stadtparlaments am 23. November 2017 herrschte mehr oder weniger Ruhe, Ein Konzept zur Finanzierung, der Gestalt und dem Betrieb des geplanten Skateparks sei vom Lions-Club noch nicht eingereicht worden, sagt Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos). Nun kommt wieder Bewegung in die Sache. Die SPD drängt darauf, konkrete Pläne und Finanzierungsmodelle für den Skatepark vorgelegt zu bekommen. Die Partei hat angekündigt dem „vermeintlichen Stillstand“ eine Frist zu setzen. In der Stadtverordnetenversammlung am 22. November will sie beantragen, dass dem Parlament bis März 2019 ein Konzept vorzustellen sei. „Sollte dies nicht möglich sein, soll über die Nutzung neu entschieden werden“, teilt die SPD mit.

Die Partei hatte vor einem Jahr zusammen mit FDP, Grünen, einigen CDU-Stadtverordneten und einer fraktionslosen Stadtverordneten für den Skatepark gestimmt, nachdem es in der vorangegangenen Bauausschuss-Sitzung noch eine Mehrheit für den Greifvogelpark gegeben hatte. Für die Greifvogelfreunde Bad Nauheim kommt nach wie vor kein anderes Areal außerhalb des Goldsteinparks in Frage. Sollte es weiterhin nicht anders gehen, als die Vögel im Garten eines Vereinsmitglieds im Stadtteil Wisselsheim zu halten, müsse man die Aktivitäten wie Besuche in Altersheimen, Kindergärten und Schulen sowie Flugschauen reduzieren, sagt Vereinsvorsitzender Stefan Zwätz. Noch haben die Hobby-Falkner die Hoffnung nicht aufgegeben. Sie hoffen, dass die Stadtverordneten ihre Entscheidung von vor einem Jahr nochmal revidieren. 

Der Lions-Club will mit dem Skatepark nicht nur eine Anlage für Jugendliche schaffen, die auf Brettern und Rollen stehen. Das Ganze solle sich zu einem neuen Treffpunkt von jungen Leuten entwickeln, „die sich keinem regulären Vereinssport zugehörig fühlen“. Geplant sei, die Anlage auf der geschotterten Fläche im Goldsteinpark zu errichten, sagt Kirstein. Es müsse nun geklärt werden, wie groß und welche Qualität sie haben könne. Klar ist: Für 100 000 Euro, wie sie im Moment auf der Homepage des Lions-Clubs genannt sind, ließe sich nur ein kleiner Skatepark realisieren, der weit von den erhofften 1000 Quadratmetern entfernt wäre. 

Damit sie zu einem Premium-Standort werden kann, müssten die „Löwen“ ein Vielfaches dieses Betrages akquirieren. In einer Fundraising-Aktion wollen sie ein oder mehrere Unternehmen für das Vorhaben gewinnen. Man habe schon drei größere an der Angel, sagt Kirstein. Bauherr, Eigentümer und Betreiber des Skateparks wäre die Stadt. Eine solche Anlage sei wie ein Spielplatz zu behandeln und müsse genauso gewartet und gepflegt werden.

Esra Edel gefallen die Skatepark-Pläne. Ein zusätzlicher Platz, an dem sich Jugendliche tagsüber aufhalten könnten, täte der Stadt gut, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins für Jugendkultur und Jugendarbeit in Bad Nauheim. Es sei durchaus eine Überlegung, neben der Anlage auch ab und an Konzerte zu veranstalten. So ließen sich Synergieeffekte für den Skatepark erzielen. 

Dass es seit dem Votum der Stadtverordneten für die Anlage nicht merklich vorangegangen sei, könne man nicht dem Lions-Club anlasten, betont Gordon Kirstein. Schließlich habe man erst Ende April, also fünf Monate nach der Entscheidung, die Zustimmung von der Stadt erhalten, die Pläne für den Goldsteinpark weiterzuführen und zu konkretisieren. Bis dahin hatte die Stadt noch einmal beim Wetteraukreis nachgehakt, ob sich dort nicht doch beides, Skatepark und Greifvogelpark, realisieren lasse, wie Kreß bestätigt. „Leider ohne anderes Ergebnis“.

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