Friedberg

Familienklassen bei Verhaltensproblemen

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Kreis weitet das Schulprojekt aus

Im Wetteraukreis soll es mehr Familienklassen geben, teilt Kreissozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch (SPD) mit. Anlass sind die sehr zufriedenstellenden Erfahrungen an der Wölfersheimer Jim-Knopf-Grundschule, die vor drei Jahren modellhaft im Kreis die Familienklasse einführte. „Häufig haben Schulschwierigkeiten direkt mit der familiären Situation des Kindes zu tun“, erläutert die Dezernentin. Bis zu sieben weitere Familienklassen sollen vom neuen Schuljahr an eingerichtet werden können. Das Geld hierzu kommt vom Land und vom Kreis.

Die 2004 eröffnete Jim-Knopf-Schule im Wölfersheimer Ortsteil Södel hat sich früh darauf festgelegt, mehr als schulisches Wissen zu vermitteln. Sie gehört zu den wenigen musikalischen Grundschulen. Nach dem Unterricht gibt es das große freiwillige Angebot aus Chorgesang, Geige, Cello oder Flöte. Musik als Mittel, auch den Umgang miteinander zu lernen und sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, greift bei einigen der gut 360 Schüler dennoch nicht. Die Schule wollte vor drei Jahren neue Wege gehen, verhaltensschwierigen Schülern zu helfen, sagt Claudia Zaborowski, Rektorin der Jim-Knopf-Schule. Vorbild seien hierbei die Familienklassen an Schulen im Lahn-Dill-Kreis gewesen.

„In der Familienklasse unterstützen wir Kinder im sozialen und emotionalen Bereich“, sagt Zaborowski. Jeden Donnerstagvormittag sitzen die betroffenen Kinder, in der Regel vier bis acht aus verschiedenen Klassen, samt ihren Eltern im Unterricht, separat von den übrigen Klassen. „Die Eltern sehen, wie ihr Kind im Unterricht mitarbeitet, und lernen, wie sie es unterstützen können“, sagt Zaborowski.

Die Struktur bestehe in der Vermittlung des normalen Lernstoffs plus einer Einheit Familientraining. Sie erhalten Anleitung von einem Multi-Familien-Trainer und einem Förderschullehrer aus dem regionalen Beratungs- und Förderzentrum Butzbach.

Drei bis sechs Monate dauert die Familienklasse. Die Teilnahme ist freiwillig und für Kinder ab der ersten Klasse möglich. „Wer mitmacht, verpflichtet sich, die Familienklasse bis zum Ende durchzuziehen“, sagt Zaborowski. „Ideal ist es, wenn beide Elternteile anwesend sind.“ In der Regel komme einer, meist die Mutter, manchmal auch eine Bezugsperson wie die Oma. Fünf Stunden am Vormittag dauert die Familienklasse; da müsse bei berufstätigen Eltern auch der Arbeitgeber mitspielen, sagt Zaborowski.

Ein Aufwand, der sich offenbar lohnt. „Zu 90 Prozent verbessert sich das Verhalten der Schüler“, heißt es. Durch das gemeinsame Erleben in der Familienklasse stärke sich auch die Eltern-Kind-Bindung. Der Erfolg spiegele sich positiv in der schulischen Leistung wider. „Die Familienklasse wird gut angenommen, sie ist zu einem vollwertigen Baustein der Schule geworden.“ Alle Eltern haben die Möglichkeit, zu hospitieren. Die Normalität dieser Klasse betont Zaborowski: „Kinder und Eltern werden nicht stigmatisiert.“

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