In Geschäften mit diesem Aufkleber sollen sich Kinder im Notfall sicher fühlen.
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In Geschäften mit diesem Aufkleber sollen sich Kinder im Notfall sicher fühlen.

Notinseln Bad Vilbel

Zum Glück wenig gefragt

Die "Notinseln" sind seit vier Jahren eine Anlaufstelle für Kinder in Bad Vilbel. Drei bis fünf Kinder pro Jahr kommen in die Notinseln – ohne große Not.

Von Nina Nickoll

Die "Notinseln" sind seit vier Jahren eine Anlaufstelle für Kinder in Bad Vilbel. Drei bis fünf Kinder pro Jahr kommen in die Notinseln – ohne große Not.

Im September 2013 wird das Projekt „Notinseln“ vier Jahre alt – und bisher musste noch keine Insel Jugendamt oder Polizei rufen. Dass im letzten Jahr nur fünf Kinder in der Kernstadt eine Notinsel aufgesucht haben, werten die gleichberechtigten Projektpartner, die evangelische Christuskirchengemeinde und der Lions Club als Erfolg.

Die Inseln sind 35 Einrichtungen in der Kernstadt, auf dem Heilsberg, in Massenheim und Gronau. Sie sind an einem Sticker mit blauer Schrift und drei Kindern zu erkennen, „wo wir sind, bist Du sicher“ steht am unteren Rand. Unter den Notinseln in Bad Vilbel sind Friseure, Apotheken, Autohäuser, Metzger, Supermärkte, der Dottenfelderhof und auch der Privatradiosender Hit Radio FFH ist eine Insel. Bei ihnen gibt es Zuflucht, wenn Kinder den Bus verpasst haben, ein Pflaster, wenn sie gestürzt sind.

Abschreckende Wirkung

Kornelia Schäfer, die seit eineinhalb Jahren den Lions Club im Projekt vertritt, hat letztes Jahr beim Großteil der teilnehmenden Geschäfte nachgefragt, wie viele Kinder warum Zuflucht bei ihnen gesucht hätten: „Ein Kind hat bei einem Friseur bei Regen auf seine Mutter gewartet, ein Kind hatte den Bus verpasst und von einem Restaurant aus seine Mutter angerufen“, sagt Schäfer. Seit Beginn des Projektes hätten jährlich zwischen drei und fünf Kindern Notinseln aufgesucht.

Auch der zweite Projektpartner, Pfarrer Klaus Neumeier von der evangelischen Christuskirche, ist zufrieden mit dem Projektverlauf. Dass so wenige Kinder die Notinseln bisher aufsuchten, zeige, dass sie auch eine abschreckende Wirkung auf Täter hätten, so Neumeier.

Es sei aber wichtig, immer wieder auf die Notinseln aufmerksam zu machen, sagt Neumeier. Am Weltkindertag im September zum Beispiel: Vorletztes Jahr gab es ein Fest im Kurpark, 2012 einen Malwettbewerb mit Preisverleihung. Anfang des neuen Schuljahres werden in den ersten Klassen Info-Flyer verteilt, sagt Schäfer. Einige Grundschulen und Kindergärten machten Ausflüge bei denen Kinder die Notinsel-Aufkleber in der Stadt suchen müssten.

Gut für's Image

Zum unterstützenden Netzwerk der Notinseln gehören der Deutsche Kinderschutzbund und der Gewerbering Bad Vilbel, die Kita Arche Noah, die Kinderbürgermeisterin und die städtische Jugendpflege. Über den Gewerbering konnte das Projekt einige Geschäfte dazugewinnen. „Für einen teilnehmenden Laden macht es einen guten Eindruck, sich für Kinder einzusetzen und zu engagieren“, erläutert Schäfer die Motivation der Partner. Vor ihrer Aufnahme mussten sie Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählt, dass sie vom Fußweg aus gut sichtbar und erreichbar sind, tagsüber lange Öffnungszeiten haben, Kinder müssen auch ohne Klingeln ins Gebäude kommen können, weil sonst die Hemmschwelle der Kinder, dort Hilfe zu holen, zu groß sei, so Schäfer. Und es müssen immer mindestens zwei Mitarbeiter im Geschäft sein, damit sich einer vollständig auf das Kind konzentrieren kann, gleichzeitig aber der Betrieb nicht gestört wird.

Bei Thomas Kahler, Leiter der Efzet-Jugendzentren in Bad Vilbel und Dortelweil, gehen täglich Kinder und Jugendliche ein und aus. Bisher habe ihn noch niemand, der in einer Notsituation war, wegen des Notinselstickers aufgesucht, sagt Kahler. Jugendliche, die vor einer Schlägerei flohen, seien auch früher schon ins Efzet geflohen.

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