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Wegen der Hitze und Trockenheit erwarten Landwirte Ausfälle bei der Getreide-Ernte.

Dottenfelderhof in Bad Vilbel

Suche nach Saatgut für trockene Zeiten

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Der Dottenfelderhof in Bad Vilbel arbeitet seit Jahren daran, Getreide zu züchten, das besser mit Dürre zurechtkommt

Die Kartoffeln haben recht gut durchgehalten“, sagt Hartmut Spieß. Diese Einschätzung trifft der Leiter der Forschungs- und Zuchtabteilung des Bad Vilbeler ökologisch-dynamischen landwirtschaftlichen Betriebs Dottenfelderhof nicht für das Getreide. „Beim Weizen erwarten wir evidente Ausfälle“, sagt er. Für Zahlen sei es noch zu früh, da das Ende der heißen Trockenperiode nicht absehbar sei. 

Laut Spieß wird der Ernteverlust bei Öko-Bauern vermutlich nicht höher oder sogar geringer als bei den konventionell arbeitenden Kollegen ausfallen. „Ein gut mit Humus versetzter Boden, wie es im ökologischen Anbau sein sollte, kann lange und viel Wasser speichern.“ Der mit einer Dürre oft einhergehende starke Schädlingsbefall werde durch eine „vielfältige Fruchtfolge“ gut abgewehrt. Auf dem Dottenfelderhof werden bis zu zwölf Fruchtfolgen angewendet. 

Die Klimaveränderung verlangt aber auch trockenheitsresistente Pflanzen. In der Zuchtabteilung des Hofes wird seit rund zehn Jahren versucht, durch Einkreuzen von Pflanzen aus wärmeren Regionen das hiesige Getreide dürreresistenter zu machen. Hierzu erhielt Spieß etwa Saatgut aus Afghanistan und Iran. Ein langwieriger Prozess, nicht zuletzt ob der hierzulande vorgeschriebenen Sortenzulassung, ohne die Saatgut nicht in den Handel gebracht werden darf. 

Angemeldet sind bereits sogenannte Evolutionsramsche, die auch „Populationen“ genannt werden. Diese Vielliniensorten seien ertragsstabiler und widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Schädlingen, so Spieß. Überdies könnten sie sich im Gegensatz zu einer reinen Linie an die Umweltbedingungen des Standortes mit der Zeit anpassen. Bisher konnten Populationen von Selbstbefruchtern wie Weizen, Gerste und Hafer nicht zugelassen werden, da sie nicht dem Saatgutverkehrsgesetz entsprechen, das eine hinreichend homogene Sorte fordert. Zurzeit laufen Versuche im Rahmen einer EU-Verordnung. 

Die konventionellen Bauern fordern wegen der Dürre eine Saatgutbehandlung durch die sogenannte Genschere. Der Europäische Gerichtshof hat Ende Juli die CRISPR/Cas-Methode, bei der der Pflanze kein fremdes Erbgut eingebaut wird, als Gentechnik nach den EU-Richtlinien bewertet. 

Ähnlich wie im Wald werden sich auch auf den Feldern andere Arten etablieren, die vor vielen Jahren ob der kühleren Witterung in Hessen eher rar waren wie Soja oder Hirse, die heißes Klima besser überstehen, so Spieß. Er sieht zudem Politiker und Konsumenten in der Pflicht. Es sei nicht vertretbar, dass etwa immer mehr Äcker unter Neubaugebieten und Straßen verschwänden. Dies gefährde überdies die Selbstversorgung einer Region, sagt der habilitierte Argrarexperte. Und: „Die Menschen müssen viel weniger Fleisch essen. Der weltweite Viehfutteranbau belastet das Klima wie das Methan in der Gülle.“ Die Regulierung sieht er nur über den Fleischpreis, auch zur Verbesserung des Tierwohls. Gewiss ist für Spieß, dass der Sommer 2018 die Agrarpreise steigen lassen wird. 

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