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Energiewende auf dem Dorf

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Ortsvorsteher Valentin Schwarz, Stefan Leiß und Björn Pfeiffer (v. l.) werben für das Nahwärmenetz als Alternative zur eigenen Heizung. potengowski © Red

Ortenberg - Als in Bergheim erstmals Teile der Bevölkerung über ein Nahwärmenetz nachgedacht haben, gab es viele Skeptiker. Inzwischen hat sich das Energiedorf zu einem Erfolgsmodell entwickelt, das stetig optimiert wird. Grund genug für eine Initiative im benachbarten Bleichenbach, an einem eigenen Nahwärmenetz zu arbeiten.

Noch ist die Interessengemeinschaft (IG) Dorfwärme Bleichenbach eine kleine Gruppe. Ohne eine formelle Organisationsstruktur treffen sich seit einigen Wochen regelmäßig sieben Personen und arbeiten an Konzepten, wie auch in ihrem Dorf ein Nahwärmenetz gebaut werden könnte.

„Egal mit wem du dich unterhältst, du kommst automatisch bei jedem längeren Gespräch auf das Thema Energie“, stellt Stefan Leiß, ein Mitglied der Gruppe, den aktuellen Bezug fest. Dazu hat natürlich auch der Erfolg der Genossenschaft im benachbarten Bergheim die Gruppe motiviert, die sich im Frühjahr zum ersten Mal getroffen hat.

Die Voraussetzungen sind nicht ungünstig. Wer durch Bleichenbach fährt, sieht, dass wie damals in Bergheim umfangreiche Straßen- und Kanalsanierungen überfällig sind. Wenn man den Bau des Nahwärmenetzes damit koordinieren kann, könnte ein großer Teil der Kosten für die Erdarbeiten gespart werden.

Etwa 1500 Einwohner, die in 650 Haushalten leben, hat Bleichenbach. Wichtiger ist für Björn Pfeiffer eine weitere Zahl: 450 Wohngebäude, die potenziell an ein Nahwärmenetz angeschlossen werden könnten, gibt es in dem Dorf.

Anfang November hat die IG Dorfwärme ein erstes Informationsflugblatt an alle Haushalte verteilt. „Damit die Leute wissen, dass da etwas im Gange ist und sich nicht eine neue Heizung bestellen“, erläutert Pfeiffer. „Der eine Flyer und die Veröffentlichung auf der Homepage (www.bleichenbach.de) waren unheimlich wichtig“, ergänzt Leiß. Seitdem werden die Mitglieder der Gruppe immer wieder im Dorf auf das Projekt angesprochen.

MACHBARKEITSSTUDIE

Die Erstellung der Machbarkeitsstudie möchte die IG Dorfwärme Bleichenbach über Spenden finanzieren. Dazu hat sie im Internet eine Crowdfunding-Plattform eingerichtet. Über den Link www.viele-schaffen- mehr.de/Projekte/dorfwaerme- bleichenbach.de können Spenden überwiesen werden. ten

Ein zweites Informationsblatt soll in diesen Tagen verteilt werden. Damit wird auch zu einer Informationsveranstaltung für Montag, 19. Dezember (19 Uhr), ins Feuerwehrhaus eingeladen. „Da sind wir sehr gespannt auf die Resonanz und wie viele Leute kommen“, erklärt Pfeiffer.

Mit dem Informationsblatt wurde auch ein Erhebungsbogen verteilt. Damit sollen die Bleichenbacher eine Rückmeldung geben, wer Interesse hat, sich an das Nahwärmenetz anschließen zu lassen. „Wir wünschen uns, dass möglichst viele Erhebungsbögen mit einem Ja zurückkommen“, erklärt Valentin Schwarz, Ortsvorsteher des Ortenberger Stadtteils. „Wir sind aber dankbar für jeden Bogen, den wir mit einer definitiven Antwort bekommen.“ Denn dadurch lassen sich Rückschlüsse auf den Energiebedarf und die Rentabilität des Netzes ziehen.

Bis Ende Januar möchte die IG Dorfwärme alle Erhebungsbögen wieder eingesammelt haben. „Im Sommer soll die Machbarkeitsstudie abgeschlossen sein, damit wir konkret werden“, nennt der Ortsvorsteher die nächste Wegmarke. Bis dahin müssten sich aber noch mehr Bürger an der IG beteiligen, mahnt er. „Wir sind mit sieben Leuten ein harter Kern. Die Zahl muss massiv wachsen, um das, was an Arbeit auf uns zu kommt, zu bewältigen.“

Die Chancen für die Realisierung eines Nahwärmenetzes sieht die Gruppe als sehr gut an. „Ich denke, wenn man so ein Beispiel wie Bergheim vor der Tür hat, ist das ein großer Vorteil“, meint Björn Pfeiffer. Eine Delegation des Energiedorfes werde auch bei der Informationsveranstaltung Mitte Dezember sein. Deren Berichte über die inzwischen mehr als zehn Jahre lange positive Entwicklung des Pilotprojekts im Stadtgebiet Ortenberg werde motivierend wirken.

Welche Organisationsform für das Nahwärmenetz gewählt wird, ist noch nicht entschieden, erklärt Pfeiffer. Für wahrscheinlich hält er eine Genossenschaft wie in Bergheim. „Das ist eigentlich das übliche Modell.“

Nebensächlich ist diese Frage indes nicht. In Wallernhausen gab es insgesamt zu wenig Bereitschaft, eine Genossenschaft zum Bau eines Nahwärmenetzes zu gründen. Für ein vom Energieversorger Ovag betriebenes Netz, das der Versorger in mehreren Informationsveranstaltungen vorstellte, gab es bisher jedoch ebenfalls kein ausreichendes Interesse.

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