Wölfersheim

Eine kaum vermeidbare Kollision

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Abschlussbericht zum Zusammenstoß zweier Flugzeuge vor sechs Jahren. Acht Menschen kamen ums Leben.

Der Flugzeugzusammenstoß im Dezember 2012 bei Wölfersheim-Melbach (Wetteraukreis), bei dem acht Menschen, darunter vier Kinder, ums Leben kamen, war laut Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) kaum vermeidbar gewesen. Über sechs Jahre wurde zum Unfallhergang ermittelt. Mutmaßlich haben die Piloten ihren Kollisionskurs wegen der ungünstigen Sichtverhältnisse nicht oder zu spät wahrgenommen.

Warum die beiden einmotorigen Propellermaschinen am 8. Dezember 2012 um 16.04 Uhr in gut 1000 Meter Höhe nordöstlich von Wölfersheim kollidierten, war zunächst ein Rätsel. Die mit einer 33 Jahre alten Pilotin und drei Personen besetzte DR 400-180 Regent war im Anflug auf den Flugplatz Reichelsheim. Die Piper PA 32-301 Saratoga, in der fünf Personen saßen und die von einem 40-Jährigen gesteuert wurde, war auf dem Weg nach Aschaffenburg. Beide Piloten galten als erfahren, sie hatten Hunderte Flugstunden und Landungen absolviert. Die Flugzeuge befanden sich auf Sichtflug im nicht kontrollierten Luftraum E, sie unterstanden somit nicht der Aufsicht der Deutschen Flugsicherung in Langen.

Der Flugverlauf wurde mit Radarspuren und GPS-Daten ermittelt. Danach flogen die Piper und die DR 400, mit jeweils knapp 170 Kilometern in der Stunde seitlich aufeinander zu. Es soll die Situation einer stehenden Peilung bestanden haben, bei der die Flugzeuge scheinbar ohne Vorwärtsbewegung aufeinanderer zukommen.

Mit den Radar- und GPS-Informationen stellten Experten des BFU und der TU Darmstadt auch die letzten Minuten bis zur Kollision am Computer und im Simulator mit Probanten nach. Am 8. Dezember 2012 herrschte gute Sicht, aber die Sonne stand tief und blendete vermutlich den Piper-Piloten. Hinzu kam, dass die DR 400 für den 40-Jährigen unterhalb der Horizontlinie flog. Das heißt, optischer Hintergrund der DR 400 war nicht der Himmel, sondern vermutlich der Taunushöhenzug, von dem sie sich bei Gegenlicht schlecht abhob. Wegen der Annäherung der Piper von hinten links, konnte nach Auffassung der BFU die Pilotin der DR 400 das andere Flugzeug wiederum nicht rechtzeitig wahrnehmen und ausweichen.

Um die Chance einer Kollisionsvermeidung herauszufinden, wurden die letzten Flugminuten mit 17 Besatzungen in einem Simulator der TU entsprechend den ermittelten Sichtbedingungen nachgestellt. „Alle Besatzungen im Simulatorversuch nahmen den Konfliktverkehr wahr, bevor er den eigenen Flugweg unmittelbar vor dem eigenen Flugzeug kreuzte. Jedoch geschah dies in Zeitintervallen zwischen 22 und 2 Sekunden“, heißt es im Bericht. Der Durchschnittswert lag bei 9,2 Sekunden.

Ein Pilot war Diabetiker

Nicht nur die Frage von Erkennung und Zeit bis zum Aufprall beschäftigte die Ermittler, sondern auch, wer laut Luftverkehrsordnung ausweichen musste. Die Ausweichpflicht hätte laut Bericht bei dem 40-Jährigen gelegen, da seine Piper das überholende Flugzeug gewesen sei. Beide Flieger hatten keine Kollisionswarngeräte an Bord, was bei diesen Flugzeugtypen nicht Pflicht ist und dem Bericht zufolge in diesem Fall das Unglück kaum verhindert hätte.

Der anfängliche Verdacht, dass gesundheitliche Probleme des Piper-Piloten die Ursache gewesen seien, hat sich nicht erhärtet. Der Mann litt an Diabetes Typ I. Als insulinpflichter Diabetiker galt er damit als fluguntauglich. „Die BFU geht davon aus, dass der Luftfahrzeugführer aufgrund der engmaschigen und rigorosen Kontrolle der relevanten Stoffwechselparameter zum Zeitpunkt des Unfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit hierdurch nicht relevant gesundheitlich eingeschränkt war“, heißt es im Abschlussbericht.

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