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Bad Nauheim

Eine Empfehlung aus der Matrix

  • Andreas Groth
    VonAndreas Groth
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Der Magistrat will das Salinengelände für drei Millionen Euro verkaufen. Das höchste Angebot liegt bei drei Millionen Euro.

Wie geht es weiter mit der Alten Saline in Bad Nauheim? Das ist eine umstrittene Frage in der Kurstadt. Nach Prüfung der fünf Konzepte, die verschiedene Bewerber am 12. März bei der Stadt eingereicht hatten, hat der Magistrat nun eine Empfehlung abgegeben. Er schlägt den Stadtverordneten vor, das 15 000 Quadratmeter große Grundstück an das Architektur- und Ingenieurbüro Raab und Schmale aus Bad Nauheim zu verkaufen.

Mit drei Millionen Euro hatte das Büro am meisten geboten. Die Auswahl des Magistrats erfolgte nach zwölf Kriterien. Dabei ging es mitunter um die städtebauliche Qualität, Parkmöglichkeiten, Auswirkungen auf den Einzelhandel, die Nutzung des Salinengebäudes und der Schreinerei, ökologische Aspekte sowie den Kaufpreis. Auch hinsichtlich dieser Kriterien legten Raab und Schmale laut Bürgermeister Armin Häuser (CDU) das kreativste und wirtschaftlichste Konzept vor.

Es sieht eine Bebauung des Grundstücks mit Stadthäusern und unterschiedlich großen Eigentumswohnungen vor. Unter den Neubauten soll eine Tiefgarage entstehen, weitere Stellplätze sind südlich des Areals sowie vor dem Salinengebäude geplant. In diesem hat der favorisierte Investor eine Ausstellungshalle mit Werkstatt für Oldtimerfahrzeuge und ein kleines Salzmuseum, das an den ursprünglichen Zweck des Gebäudes erinnern soll, geplant.

Von zwei auf drei Millionen

„Wir haben keine engen Vorgaben gemacht“, sagte Häuser gestern. „Wir haben der Kreativität viel Spielraum gelassen.“ So wollte die Stadt die historisch gewachsene U-Bebauung gewahrt wissen und die Bausubstanz der alten Saline wie der Schreinerei weitestmöglich erhalten. Außerdem musste es ein Nutzungskonzept für das Salinengebäude geben und ein Preis genannt werden.

An der Entscheidungsfindung des Magistrats übt die Opposition massive Kritik: „Das war ein völlig intransparentes Verfahren. Ich habe so was noch nie erlebt“, sagt Jürgen Burdak vom Bürgerbündnis 3B. Burdak, der selbst Architekt ist, moniert nicht nur, dass der Magistrat den Stadtverordneten den Katalog mit den Bewertungskriterien nicht von Anfang an vorgelegt habe. Auch fragt der Stadtverordnete, wer denn überhaupt die Investorenangebote ausgewertet habe.

„Hat das Herr Patscha (Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, Anm. d. Red.) alleine gemacht?“ Burdak findet, die Stadt hätte eine ausgewogene Jury bestellen sollen. Und wie komme es, dass die Stadt bei so wenigen Vorgaben schließlich in der Bewertungsmatrix alle möglichen Punkte bewertet habe?

Besonders mysteriös kommt es Burdak aber vor, dass Raab und Schmale bei der Präsentation ihres Angebots im Ausschuss versehentlich eine Folie auflegten, auf der ein Kaufpreis von zwei Millionen Euro zu lesen gewesen sei, diesen nun aber ohne erkennbaren Grund auf drei Millionen angehoben habe. „Hatten sie womöglich Kenntnis von anderen Angeboten?“, fragt Burdak.

Eine lernende Verwaltung

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Gottfried Krüger, findet die Empfehlung des Magistrats „in Ordnung“. Seine Fraktion werde sich nicht gegen den Beschlussvorschlag des Magistrats stellen. „Das Verfahren, so wie es gelaufen ist, hat Mängel gehabt“, sagt auch er. So hätten dem Ausschuss alle Konzepte auf einmal präsentiert werden müssen und nicht in zwei Durchgängen. Dass die Wohnbebauung in Raabs und Schmales Entwurf dominiere, heißt er gut. „Wohnungen sind gefragt in Bad Nauheim.“ Ob Gastronomie an dieser Stelle von Erfolg gekrönt gewesen wäre, bezweifelt Krüger indes.

Der Bürgermeister gibt zu, dass die Präsentation der Angebote „etwas misslich“ verlaufen sei – und will es beim nächsten Mal besser machen. „Wir sind eine lernende Verwaltung“, sagt er.

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