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Teilnehmer der Mahnwache am 18. April in Friedberg zur Reaktorkatastrophe von Fukushima.
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Teilnehmer der Mahnwache am 18. April in Friedberg zur Reaktorkatastrophe von Fukushima.

Interview zu Atom-Protesten

„Ein schrecklicher Irrweg“

Der Sprecher des Friedberger Aktionsbündnisses, Hans-Dieter Wagner, spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über Tschernobyl und die Risiken der Atomkraft.

Herr Wagner, wie haben Sie den 26. April 1986, den Tag der Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren, erlebt?

Das war eine ziemliche Umbruchphase für meine Frau und mich. Wir waren gerade erst nach Friedberg gezogen und steckten mitten in den Hochzeitsvorbereitungen. Ich kann mich an keinen genauen Zeitpunkt erinnern, es hat wohl etwas gedauert, bis wir erfuhren, was passiert war. Aber die Nachricht über den GAU sickerte ja ohnehin erst Tage später durch.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Wir waren extrem beunruhigt, vor allem, als deutlich wurde, dass die radioaktive Wolke auch über Deutschland ziehen würde. Es wurden Spielplätze gesperrt, man sollte sich nicht mehr im Freien aufhalten. Das war schon eine bedrückende, aber auch unwirkliche Situation.

Hatten Sie sich zuvor schon mit dem Thema Atomkraft befasst?

Ich bin in Rheinhessen mit Blick auf Biblis aufgewachsen und habe den Kraftwerkbau mitverfolgt. Meine Einstellung zur Kernenergie war damals schon kritisch.

Gab es nach Tschernobyl Protestaktionen in der Wetterau?

Die gab es wohl, aber wegen meiner turbulenten privaten Situation habe ich das nicht so wahrgenommen. Ich selbst war damals jedenfalls nicht demonstrieren.

Jetzt tun Sie es aber. Wie das?

Wegen der eklatanten Fehlentscheidung der Regierung zur Laufzeitverlängerung. Das ist eine Provokation, die man sich nicht gefallen lassen darf. Der Ausstieg aus dem Ausstieg widerspricht schließlich der Überzeugung der Mehrheit der Bevölkerung.

Also haben Sie das Friedberger Aktionsbündnis initiiert.

Meine Frau und ich haben zunächst Freunde angesprochen, aber auch die Parteien. Mitte Dezember 2010 sind wir dann erstmals auf die Straße gegangen, als die Castortransporte nach Lubmin rollten. Mit zwei Mahnwachen, teilweise im Schneesturm, wollten wir darauf aufmerksam machen.

Seit dem gibt es das Bündnis?

Im Prinzip waren die Castortransporte nach Lubmin und zuvor nach Gorleben die Auslöser. Unser konstituierendes Treffen war dann aber erst im Januar.

Was ist das Ziel des Bündnisses?

Wir wollen die Anti-Atom-Bewegung in der Republik stärken. Die Wetterau war in diesem Sinne lange ein weißer Fleck.

Und dann kam Fukushima.

Die Ereignisse in Japan haben natürlich eine starke Dynamik erzeugt. Das Interesse an unseren Aktionen ist stark gestiegen und zu unseren Mahnwachen kommen bis zu 130 Personen. Selbst nach sechs Mahnwachen jeweils in Friedberg und in Bad Nauheim bröckeln die Teilnehmer immer noch nicht weg. Daran sieht man, wie viele Menschen dieses Thema umtreibt. Hinzu kommen Hunderte, die in unseren Mailverteiler aufgenommen werden wollen.

Welche Alternativen sieht das Aktionsbündnis zur Atomkraft?

Es muss ein rascher Umstieg auf Erneuerbare Energien erfolgen. Dies wird kein leichter Weg, aber er ist machbar, wie unterschiedliche Institute inzwischen aufgezeigt haben. Unser Bündnis hat gerade erst begonnen zu arbeiten. Wir werden in Zukunft auch die Energieversorgung in der Wetterau diskutieren. Ein Schwerpunkt wird sicher die Windkraft sein.

Gegen die gibt es aber leider auch viele Vorbehalte.

Keine Technologie ist so risikoreich wie die Kernenergie. Sie ist eine zivilisatorische Sünde, ein schrecklicher Irrweg, den man möglichst schnell verlassen muss. Wir hinterlassen bereits jetzt tausenden Generationen lebensbedrohlichen Atommüll, das ist ein Verbrechen an der Menschheit.

Interview: Meike Kolodziejczyk

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