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Eigentum verpflichtet

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Von: Martin Brust

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Martin Brust
Martin Brust © FR

Noch im August gab es Lob und Dank für die Mitarbeiter von Pfleiderer - wie ihnen das Unternehmen dankt, erfahren sie keine drei Monate später: Das Werk in Nidda soll geschlossen werden, 145 Menschen ihre Arbeit verlieren.

„Mit der Verstetigung der positiven Entwicklung sollte die Talsohle durchschritten sein. Für die damit verbundenen Leistungen gebührt allen unseren Mitarbeitern großer Dank“, sagte Hans Overdiek, Vorstandsvorsitzender von Pfleiderer, am 19. August.

Die Überschrift der Pressemeldung lautete: „Bessere Kapazitätsauslastung ermöglicht Preisanpassungen.“ In Westeuropa seien die Preise für unbeschichtete Platten erhöht worden – Überkapazitäten führen zu sinkenden Preisen.

Nicht einmal drei Monate später sehen die 145 Mitarbeiter in Nidda, wie Pfleiderer ihnen dankt: Ihr Werk soll geschlossen werden. Die Aufträge werden künftig in Brandenburg erledigt, wo die Löhne niedriger sind. Pfleiderer verweigert Angaben zur Auslastung seiner Werke, weil das Wettbewerbern bei der Preisgestaltung helfen könnte. Da darf sich der Konzern nicht wundern, wenn er von Beschäftigten, Gewerkschaften, Lokalpolitik und Medien kritisiert wird.

Ganz besonders hart trifft die Entscheidung die Stadt Nidda und die gesamte Region, denn dort, zwischen Wetterau und Vogelsberg, sind die Jobs rar. Und nicht nur Pfleiderer sorgt für sinkende Stellenzahlen. Auch mit dem Amtsgericht ziehen Jobs aus Nidda weg und mit Bosch Thermotechnik aus dem benachbarten Hirzenhain.

Vielleicht sollten Deutschlands Manager öfter mal wieder ins Grundgesetz schauen. In Artikel 14 heißt es: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

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