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Unternehmer Jörg-Peter Schultheis will ein Buch über seinen Weg bis zum Spring Park Valley in Bad Vilbel schreiben.

Bad Vilbel

Details zum "Spring Park Valley"

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Investor Jörg-Peter Schultheis will gemeinsam mit einer Berliner Unternehmensgruppe eine in Europa einzigartige Smart City schaffen. Der FR erzählt er neue Details.

Ein Büro- und Arbeitsquartier der Zukunft soll es werden, eines, das in Europa seinesgleichen sucht, mit einem Investitionsvolumen von mehreren Hundert Millionen Euro. Um weitere Infos zum „Spring Park Valley“ preiszugeben, hat Unternehmer Jörg-Peter Schultheis das Steigenberger-Hotel an der Kaiser-Friedrich-Promenade in Bad Homburg gewählt. Ín der Nähe hat der 53-Jährige, den Freunde auch „JP“ nennen, sein Büro. Es gebe keinen besseren Standort als Bad Vilbel für das intelligente, vernetzte und nachhaltige Städtekonzept, schwärmt er.

Herr Schultheis, Anfang März haben Sie Ihre Pläne für eine Smart City im Quellenpark in Bad Vilbel vorgestellt. Es soll ein einzigartiges Projekt sein, das namhafte Unternehmen, Universitäten und Start-ups anzieht. Was macht es so besonders?
Es dreht sich um die Frage, wie der Mensch in Zukunft sein will, und um einen veränderten Arbeitsbegriff. Der Fokus liegt nicht mehr darauf, etwas tun zu müssen. Am Arbeitsplatz der Zukunft ist man, um seine Energie herauszulassen, um die Themen zu entwickeln, die einen bewegen. Im Spring Park Valley werden dazu mehrere Tausend Menschen die Möglichkeit haben. Es gibt in ganz Europa kein vergleichbares Projekt, nicht in München, nicht in Paris und nicht in London.

Wie wird das Arbeiten dort konkret aussehen?
Mitarbeiter verschiedener Firmen werden sich in acht Themen-Gebäuden bewegen, treffen und kennenlernen. So kann aus einer mittelmäßigen Idee eine richtig gute werden. Alle sind über eine Cloud miteinander verbunden, in die sie unter anderem über eine App auf ihrem Handy gelangen. Hunderte von Entwickler aus den Innovationsabteilungen unterschiedlicher Unternehmen werden so auf Augenhöhe miteinander kommunizieren können. Auch junge Leute, die sich nicht an eine große Marke verkaufen, aber mit ihrem Spirit innovative Produkte vorantreiben wollen, sind gefragt.

Was verbirgt sich hinter den Themen-Gebäuden?
Jedes Gebäude soll eine bestimmte Stimmung, ein Gefühl bedienen. Zum Beispiel wird ein Haus der Quiet Dome sein. In diesem Gebäude ist man komplett entschleunigt. Darin funktioniert kein Mobiltelefon. Der Anspruch ist, ein Gebäude komplett leise zu machen mit einer digitalen Bibliothek. Dort wird gelesen, und man darf sich leise unterhalten. Es gibt ja sieben andere Gebäude, in denen man Gas geben kann.

Zum Beispiel?
Das komplette Gegenteil ist der Grazy-and-Chaos-Dome. Darin sollen die Entwickler ihren Gedanken freien Lauf lassen. Das wird von der Gestaltung eine Herausforderung. Dann gibt es einen Welcome-Dome, wo alle ankommen. Dieses Gebäude soll gemütlich sein und das Gefühl hervorrufen, zu Hause zu sein. Das Konzept geht von der Gefühlswelt des Nutzers aus. Ein anderes Gebäude ist der Colour-Dome. Da ist alles voller Farben. Ein Meeting-Raum in knallgelb. Wenn jemand nach Blau ist, arbeitet er eben in einem blauen Raum.

Im Spring Park Valley sollen sich Arbeiten, Freizeit und Wohnen vermischen. Wie?
Jeder kann seine Liebsten jederzeit auf dem Gelände treffen. Im Spring Park Valley muss man nicht von 8 bis 18 Uhr arbeiten. Ich möchte, dass die Inspiration, die Kraft, die einen antreibt, Partner und Familie, immer in der Nähe sein können. Jeder hat 40 kreative Minuten am Tag. Wenn ich als Unternehmer die von meinen Mitarbeitern bekomme, ist alles gut.

Im März sagten Sie, sie könnten noch keine Unternehmen nennen, die sich an dem Projekt beteiligen wollen. Und jetzt?
Immer noch nicht. Aber weiterhin haben mehrere Firmen für insgesamt 30 000 der 141 000 Quadratmeter Nutzfläche mündlich oder schriftlich Interesse bekundet haben. Dass es zieht, zeigen die Partner, mit denen wir das Spring Park Valley verwirklichen. Das Beratungsunternehmen Drees und Sommer ist mit an Bord, vier große Bauunternehmen, das Darmstädter Ingenieurbüro Planquadrat.

Warum nennen Sie keine Unternehmen, die im Spring Park Valley tätig werden wollen? Das interessiert einige Menschen.
Das ist dem Umstand geschuldet, dass ich dafür von den Unternehmen noch keine Freigabe habe. Aus Datenschutzgründen kann ich die Namen nicht einfach nennen. Mit einer solchen Aktion würde ich die Firmen vergraulen. Es sind tolle Partner, deren Innovationsabteilungen genau so etwas suchen, am Standort Frankfurt und in einem solchen Quartier. Die wollen nicht in ein Gebäude in irgendeinem Gewerbegebiet.

Wann werden Sie denn erste Namen nennen können?
Ende des Jahres, schätze ich. Ich muss mich noch mit den interessierten Unternehmen abstimmen. Sie können sicher sein, dass es sie gibt. Sie sind für die Finanzierung des Projektes schließlich immens wichtig. Für die Banken muss das Ganze glaubhaft sein.

Warum ausgerechnet Bad Vilbel?
Weil es an diesem Standort funktioniert. Die Nähe zum Flughafen, die Lage an der S-Bahn, die auf vier Gleise ausgebaut wird. Nirgendwo sonst in der näheren Umgebung könnte so etwas entstehen. Auch nicht in Eschborn. Dort müsste man theoretisch erst man eine Menge Altlasten abreißen, um so etwas zu realisieren.

Wie finanzieren Sie ein solches Mega-Projekt?
Grundstücke und erste Bauschritte werden aus dem Kapital bezahlt, das wir als Gesellschaft haben. Das ist eine Summe von etwa 150 Millionen Euro. Weitere 400 Millionen laufen über eine strukturierte Finanzierung mit Finanzpartnern. Wir kalkulieren angesichts der steigenden Baukosten mittlerweile eher mit 800 statt 600 Millionen Euro Investitionsvolumen.

Welche Rolle spielt Cesa?
Cesa hat Partner im Hintergrund, die Prozesse der digitalen Transformation fördern wollen. Ohne sie könnten wir die Fläche nicht von der Stadt kaufen. Gemeinsam haben wir die Cesa Spring Park GmbH gegründet, an der ich beteiligt bin. Cesa-Chef Achaz von Oertzen ist Mehrheitsgesellschafter. Ich bin Projektleiter und Initiator des Ganzen.

Wie wird es jetzt weitergehen?
Ich muss mich gedulden und schauen, wie das Bebauungsplanverfahren weitergeht. Der B-Plan sollte spätestens im Januar oder Februar fertig sein, er muss auf unsere Bedürfnisse angepasst werden. Anschließend können wir mit der Erschließung beginnen. Im Frühjahr 2020 sollen die Bauarbeiten beginnen. Nach zwei Jahren werden die ersten Gebäude eröffnet, nach vier Jahren soll das Spring Park Valley fertig sein.

Vor vier Jahren hatten Sie sich schon für Flächen im Quellenpark beworben und wollten das Silicon Valley of Europe realisieren, ein Projekt, das noch größere Ausmaße als Ihr aktuelles hat. Wieso klappte das damals nicht?
Als ich vor vier Jahren erstmals einen Anlauf unternommen habe, war es noch weitaus schwieriger, Partner zu finden. Da war die Welt noch viel analoger. Auch die Sichtweise auf den Standort hat sich geändert. Die Investoren begreifen, dass es sich lohnt, das Frankfurter Umland mitzuentwickeln. Sie verstehen, dass diejenigen, die dort arbeiten werden, einen neuen Spirit in die Region bringen. Das führt dazu, dass auch die Finanzwelt sagt: Das Ding ist cool.

Interview: Andreas Groth

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