+
In einem Teil des Quellenparks soll Europas größtes Innovationsquartier entstehen.

Stadtentwicklung in Bad Vilbel

Weiter Skepsis beim "Spring Park Valley"

  • schließen

Der Bad Homburger Unternehmer Jörg-Peter Schultheis stellt die Pläne für das "Spring Park Valley" vor, der im Quellenpark entstehen soll. Im Bauausschuss will er immer noch keine Nutzer nennen.

Es war ein Abend der Widersprüche und verpassten Chancen. Drei Stunden lang stellten der Bad Homburger Unternehmer Jörg-Peter Schultheis und die beteiligten Ingenieurbüros am Dienstag im Bad Vilbeler Rathaus die Pläne für ihr Spring Park Valley vor. „Europas größtes Innovationsquartier“ soll in Kooperation mit der Berliner Unternehmensgruppe Cesa im Baugebiet Quellenpark auf 90 000 Quadratmetern entstehen. Es ist ein Projekt wie keines, das es bisher in Bad Vilbel gegeben hat. Doch offenbar sehen längst nicht alle Stadtverordneten darin einen Anlass, kritisch nachzufragen. Fast die gesamte CDU im Bauausschuss hüllte sich vorgestern während der Fragerunde zu dem Smart-City-Quartier in Schweigen. 

Einzig der Ausschussvorsitzende Jens Völker hakte aus den Reihen der CDU ein ums andere Mal energisch nach. Was er vom Spring Park Valley und seinem Initiator Schultheis hält, war unschwer herauszuhören. Doch auch bei anderen hat es Schultheis angesichts der Geschichte des Quellenparks und seiner eigenen nicht leicht. Anfang 2014 scheiterte in dem Baugebiet westlich der Bahnlinie und östlich der B3 das Großprojekt, ein chinesisches Handelszentrum anzusiedeln. Im Herbst 2009 verzichtete Radeberger trotz fortgeschrittener Planungen darauf, dort eine neue Konzernzentrale zu bauen. Große Vorhaben in dem insgesamt 80 Hektar großen Gebiet sind seitdem heiße Eisen, zumindest in der Wahrnehmung vieler.

Die Chance, Sorgen vor einem abermaligen Scheitern auszuräumen, verpasste Schultheis. Auch bei Nachfragen zu seinen Leistungen als Unternehmer blieb er vage. Er habe einmal ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitern gehabt, eines für „Import-Export“ und ein weiteres an die Metro verkauft. Konkreter wurde er nicht. SPD-Mann Klaus Arabin hatte wissen wollen, wie man Vertrauen zu jemandem haben könne, der bislang noch kein Vorhaben in dieser Größenordnung realisiert habe. Dass der Ausschuss mehrheitlich einer Änderung des Bebauungsplanes nach den Wünschen des Investors zustimmte und die Offenlegung der Unterlagen beschloss, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch viel Aufklärungsarbeit beim 800-Millionen-Projekt zu leisten ist. 

Gleichwohl stellte Schultheis neue Einzelheiten vor. So sollen außer den Arbeitsräumen, die sich in futuristischen Gebäuden mit viel Glas und Bepflanzung befinden, auch 200 Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen und weitere 1000 Appartements in einem Boardinghouse entstehen. Ein Mobilitätskonzept soll künftigen Ansprüchen Rechnung tragen. Autoverkehr werde es innerhalb des Quartiers nicht geben. Geplant sind ein Carsharing mit rund 200 Fahrzeugen, etwa 1500 moderne Fahrradstellplätze, „größtenteils geschützt innerhalb der Gebäude mit entsprechendem Komfort wie Umkleiden und Duschen“ sowie ein intelligentes Parkraumkonzept mit digitaler Bewirtschaftung. Das, meinen die Ingenieure von IMB Plan in ihrer Verkehrsuntersuchung, werde dafür sorgen, dass durch das Spring Park Valley nicht ganz so viel neuer Verkehr auf die jetzt schon vollen Straßen Bad Vilbels kommt. Gleichzeitig räumen sie ein, dass es so viele zusätzliche Autos sein werden, dass sich Pendler aus angrenzenden Orten nach der Eröffnung einen anderen Weg suchen würden als den durch Bad Vilbel. 

„Intelligentes Patensystem“

Übersehen wird man das neue Quartier nicht. Dafür sorgen seine drei höchsten Gebäude, die bis zu 55 Meter hoch sein werden. Johannes Wolf vom Büro GPM, das eine Landschaftsbildanalyse angefertigt hat, sagte, die Gebäude seien eine „neue Qualität in der Stadtstruktur Bad Vilbels“. Die Kritiker schreiben diesen neuen Details wenig Bedeutung zu. Sie interessiert, welche „Innovatoren“ und Start-ups einziehen werden und zu welchem Preis. Der, verriet Schultheis, werde bei etwa 25 Euro pro Kopf und Quadratmeter liegen. Ein zehnköpfiges Start-up in 20 Quadratmetern liege so bei 5000 Euro Miete im Monat. Dass sich diesen Betrag kein neu gegründetes Unternehmen werde leisten können, wisse er, sagt Schultheis. Ziel sei es, dass größere Unternehmen, die dort ebenfalls sein würden, hier einen Großteil übernähmen. „Ein intelligentes Patensystem“, so der Bad Homburger Investor. 

Unter den interessierten Unternehmen sollen sich renommierte Namen befinden. „Wer wird der Ankermieter sein?“, wollte der FDP-Stadtverordnete und Bad Vilbeler Bauunternehmer Thomas Reimann wissen. Eine Antwort könne das Vertrauen in das Projekt stärken. Firmen, entgegnete Schultheiß, könne er noch nicht nennen. Es gebe aber für 60 000 der 141 000 Quadratmeter Nutzfläche Interessenbekundungen. Auf Nachfrage äußerte Schultheis gestern, er wolle Namen nennen, wenn die Änderung des Bebauungsplanes beschlossen sei. Damit rechne er im Februar. Die Stadtverordneten müssen sich also noch gedulden. 

Seit kurzem hat das geplante Spring Park Valley eine Homepage: springparkvalley.com.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare