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Seit 9. Dezember hält zwölf Mal am Tag ein ICE in der Wetterauer Kreisstadt Friedberg.

Friedberg

Kreistag kritisiert ICE-Verbindung

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Seit Anfang Dezember hält ein ICE in Friedberg. Das sorgt für gemischte Gefühle. Aufpreiskarten von RMV-Kunden gelten nur für eine Übergangsfrist. Es fehlt zudem an Fahrradstellplätzen.

Eine Begrüßung des ICE hat es in Friedberg nicht gegeben. Denn der Intercity-Express, der seit 9. Dezember anstelle des IC in der Wetterauer Kreisstadt hält, sorgt für gemischte Gefühle. Aufpreiskarten von RMV-Kunden, mit denen diese den IC nutzen konnten, gelten im ICE nach einer Übergangsfrist vom 1. April 2019 an nicht mehr. Auch die geringere Zahl an Fahrradstellplätzen sorgt für Kritik, unter anderem im Kreistag.

Dieser hat am Mittwoch Landrat Jan Weckler (CDU) einstimmig beauftragt, als Vertreter in der Gesellschafterversammlung des RMV auf gleichbleibende Konditionen zu drängen. „Insbesondere sollen die Zuschlagsbedingungen, mit denen RMV-Kundinnen und -Kunden den IC bisher nutzen konnten, auch künftig für die Nutzung der ICE-T-Züge gelten“, heißt es im Antrag, den die Grünen einbrachten. „Auch sollen die Fahrradstellplätze im bisherigen Umfang erhalten bleiben.“

Die Deutsche Bahn hatte zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember die zum Teil mehr als 40 Jahre alten Intercity-Züge der Linie 26, die zwischen Karlsruhe und Hamburg beziehungsweise Stralsund verkehrten und außer Bensheim, Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Marburg und Kassel auch Friedberg ansteuerten, durch modernere ICE ersetzt – abgesehen von einem verbleibenden Zugpaar. 

Dabei handelt es sich um Züge der ICE-T-Flotte, die einst für kurvenreiche Strecken konzipiert wurden. Der Fahrtverlauf und der Zweistundentakt bleiben unverändert. Erste Abfahrt eines ICE in Friedberg, dem Knotenpunkt im Wetterauer Bahnverkehr, ist um 6.42 Uhr nach Süden und um 7.14 Uhr nach Norden. Sechs Mal sind sie pro Richtung unterwegs. 

Aufpreiskarten zu RMV-Zeitkarten könne man in den ICE nicht akzeptieren. Auf der Strecke zwischen Karlsruhe und Hamburg gehe man weiterhin von einer sehr hohen Auslastung aus, insbesondere in den Pendlerzeiten morgens und abends, teilt die Deutsche Bahn als Begründung mit. Die modernen ICE-Züge mit mehr Komfort in Form von Ruhebereichen, Bordbistro und WLAN wolle man in erster Linie den Kunden mit ICE-Ticket vorbehalten. Zudem partizipiere man nicht an der Aufteilung der Fahrgelderlöse der Verbund-Fahrkarten. 

Wer dennoch den ICE bis nach Frankfurt nutzen will, muss deutlich mehr zahlen. Eine Bahn-Monatskarte Friedberg–Frankfurt plus Ergänzungskarten für den jeweiligen Stadtverkehr ist monatlich bis zu 55 Euro teurer. Bei der Fahrzeit würde man dadurch indes nicht viel gewinnen: Der Regionalexpress bringt einen in derselben Zeit von Friedberg nach Frankfurt. Eine Ausnahme gibt es für Studierende der Uni Marburg und der Evangelischen Hochschule Darmstadt. Sie können auf der Strecke zwischen Heidelberg und Kassel auch ICE nutzen, weil sie laut Bahn vor allem zu weniger frequentierten Tageszeiten unterwegs sind. 

„Das kann nicht im Interesse des Kreises und der Region sein“, meinen die Grünen und erhalten dafür die Zustimmung der übrigen Kreistagsabgeordneten. „Fahrgäste, die heute bereit sind, mehr für diese Züge zu zahlen, könnten das künftig nicht mehr tun und würden auf die Regionalzüge ausweichen, die besonders in den Hauptverkehrszeiten ohnehin schon an der Kapazitätsgrenze sind.“ Hinzu komme die Frage nach genügend Fahrradstellplätzen. Anstatt 16 wie bislang gibt es in den ICE nur drei – und das auch erst ab Mitte 2019, weil nachgerüstet werden muss. 

Für Friedbergs Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) ist denn der ICE-Halt auch keine große Sache. Dass die Nutzung des Schnellzuges gegen Aufpreis nicht möglich ist, sei „schade“, aber entspreche dem Geschäftsmodell. Die Stadt werde dagegen nicht protestieren.

Ein Bahn-Sprecher sagte am Donnerstag, man schließe nicht aus, dass es weitere Gespräche mit dem RMV über das Thema geben werde. „Im Moment sehen wir keine Notwendigkeit.“

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