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Im Schmuckhof des Badehauses 2 reitet eine bekrönte Meerjungfrau auf einem Delfin.

Bad Nauheim

Denkmalpflege stimmt Plänen für Therme zu

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Mit oder ohne Sprudelhof? Das war lange Zeit die Frage. Nun scheint klar: Die geplante Therme in Bad Nauheim kann mit der historischen Kuranlage verbunden werden.

Das Badehaus 2 der historischen Sprudelhof-Kuranlage in Bad Nauheim lässt sich aus Sicht der Landesdenkmalpflege in eine künftige Therme integrieren. Der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Markus Harzenetter, hält die entsprechenden Sanierungs- und Umbaupläne für durchdacht. Das bestätigt eine Sprecherin der Behörde. Das Architekturbüro aus Fulda, das die Sanierung des Badehauses im Auftrag des Landes plant, stellte die Pläne kürzlich in der kommunalen Lenkungsgruppe für den Therme-Neubau vor. Der Gruppe gehören die hauptamtliche Magistratsspitze, Mitarbeiter der Verwaltung und Vertreter aller Fraktionen des Stadtparlaments an.

Die Stadtverordneten hatten im Oktober 2016 mehrheitlich beschlossen, die Therme am Park neu zu bauen und sie an das Badehaus 2 anzubinden. Die Anbindung soll dem Beschluss zufolge aber erst erfolgen, wenn der „autarke“ Neubau in Betrieb gegangen ist. Das soll im dritten Quartal 2020 geschehen. Derzeit sind in dem Badehaus das Theater Alte Feuerwache (TAF) und die städtische Spielstätte untergebracht. Etwa 18 Millionen Euro haben die Stadtverordneten für den autarken Neubau veranschlagt. Wie teuer die Anbindung und die Arbeiten im Badehaus werden können, ist unklar. In einigen Wochen wolle die Stadt im Lenkungsausschuss dazu Zahlen vorlegen, sagt CDU-Fraktionschef Manfred Jordis.

Die Pläne der Fuldaer Architekten sehen für den Westteil des Badehauses Räume für Therapie- und Heilmittelanwendungen vor. Im Ostteil, in dem der Sauna- und Wellnessbereich vorgesehen ist, kann der 400 Quadratmeter große sogenannte Behälterraum zum größten Teil zurückgebaut werden. In den Kesseln lagerte früher solehaltiges Heilwasser. Lediglich vier der 16 Behälter sollen laut Frank Thielmann, Vorstand der Stiftung Sprudelhof, erhalten bleiben. Die Stiftung ist Eigentümerin des Jugendstilensembles.

Bis zum Neubau werden noch einige Monate vergehen

„Es entsteht dort somit ein Neubaubereich, in den sogar die Sauna integriert werden kann“, schwärmt die CDU in Bad Nauheim. Unter dem Behälterraum könne ein Keller geschaffen werden, in dem viel Technik für die Sauna Platz habe. Die komplette Badelandschaft soll sich indes im Neubau befinden. Da dort die Sauna entfallen kann, ist es möglich, einen kleineren Neubau zu errichten und Flächen für künftige Erweiterungen sowie für zusätzliche Parkplätze übrig zu behalten.

Eine Einigung habe man ferner über einen Verbindungsgang zwischen dem Neubau und dem Badehaus erzielt, äußert die Sprecherin der Landesdenkmalpflege. Geklärt seien Eingriffe in den Bodenbelag und die mögliche Zusammenlegung von Räumen. Als „Tabuzone“ gilt indes das prunkvolle Fürstenbad. Dort legten sich im vergangenen Jahrhundert die Mächtigen und Reichen in das kohlensäurereiche Heilwasser.

Aus Sicht der Denkmalpflege steht den geplanten Eingriffen in das Badehaus nichts mehr im Wege. Das ist ein wichtiger Schritt. In einem Brief an die Erste Stadträtin Brigitta Nell-Düvel (Grüne) hatte Landesdenkmalpfleger Harzenetter im August 2015 klargemacht, wie vorsichtig man bei der Integration des Badehauses in den Therme-Komplex sein müsse: „Das Badehaus 2 weist im Vergleich zu den anderen Häusern die qualitativ und quantitativ am besten erhaltene Ausgestaltung auf und erfordert einen besonders schonenden Umgang.“ Die kleinteilige Raumstruktur solle „erlebbar“ bleiben.

Bis der Therme-Neubau beginnen kann, werden noch einige Monate vergehen. Denn das seit Ende 2015 geschlossene alte Thermalbad steht noch. Das Kreisbauamt hat den Abriss noch nicht genehmigt. Erst danach könne man die entsprechenden Arbeiten ausschreiben, sagt Nell-Düvel. Im April hatte die Grünen-Politikerin geäußert, dass das Gebäude noch in diesem Jahr abgerissen werden solle. Das dürfte nun schwer werden. Wie ein Kreissprecher mitteilt, hat die Stadt erst vor einer Woche ein Gutachten über den Lärm und die Erschütterungen, die beim Abriss zu erwarten sind, eingereicht.

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