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Eindrucksvoller Zugang: Das Jerusalemer Tor in Büdingen.

Altstadt Büdingen

Autos müssen draußen bleiben

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Mehr Platz für Fußgänger: Die Büdinger Altstadt soll an Wochenenden wieder autofrei sein.

Schon im kommenden Jahr könnte die historische Altstadt von Büdingen an den Wochenenden wieder autofrei sein. Damit geht eine 15 Jahre alte kurios anmutende Regelung zu Ende, auf die sich die Stadt auf Forderung des Landes Hessen einlassen musste. Damit Altstadtbewohner mit ihrem Fahrzeug künftig nicht außen vor bleiben, soll zur Ein- und Ausfahrt moderne Technik installiert werden. Auch für den Handel in der autofreien Zone soll es eine Lösung geben, damit dieser am Samstag keine Umsatzeinbußen erleidet, sagt Bürgermeister Erich Spamer (FWG).

Trutzige Wehrtürme und breite Stadtmauern fassen die oft Jahrhunderte alten Fachwerkhäuser, die Marienkirche und das Schloss ein. Die gepflasterten Gassen, zumeist schmal und einst geschaffen für Menschen, Handwagen und Pferdefuhrwerke, sind auch heute noch eng. Der Autoverkehr der Gegenwart setzt hingegen den Flaneuren und den Altstadtbewohnern zu – in der  Fülle und mit Krach. 

Das Stadtparlament hat nun einen Grundsatzbeschluss gefasst, die Altstadt wieder autofrei zu machen. „Es war eine meiner ersten Amtshandlungen vor 15 Jahren, die Durchfahrt zu eröffnen“, sagt Erich Spamer. Das war die Kröte, die die damalige Stadtregierung und -spitze schlucken musste, um das Geld für die Altstadtsanierung vom Land Hessen zu bekommen, genauer für die historisch anmutende Pflasterung der Gassen. Immerhin 660 000 Euro gab es dafür aus Wiesbaden. Die Stadt musste im Gegenzug auf die Dauer von 15 Jahren die Straße „Altstadt“ als „verkehrswichtige Straße“ freigeben, die durch ein Stadttor hinein und durch ein anderes hinaus führt. „Die Frist läuft im April 2019 aus“, sagt Spamer nicht ohne Zufriedenheit.  

Smartphone steuert versenkbare Poller 

Eine autofreie Altstadt, zu der auch die historische Vorstadt gehört, beschäftigt die Fraktion schon länger. Bürgermeister Spamer hat sich bereits nach einer Lösung für die Bewohner innerhalb der Stadtmauer umgesehen. Wohlwissend, dass man die auswärtigen Autofahrer mit Schildern kaum zurückhalten kann. In Eltville ist er fündig geworden. „Dort wird die Zufahrt über versenkbare Poller ermöglicht, die per Smartphone gesteuert werden“, sagt Spamer. In Büdingen werden die Altstadtbewohner voraussichtlich einen Chip zur Ein- und Ausfahrt erhalten – auf Widerruf. Die Stadt behält sich vor, den Chip einzuziehen, sollte jemand den elektronischen Schlüssel missbrauchen, um etwa unberechtigte Fahrzeuge hinein zu lassen, so Spamer.

Ob auch Motorrädern die Einfahrt verwehrt wird, soll noch geprüft werden. Wegen des Lärms, den Biker erzeugen, will Spamer ein Verbot am Wochenende nicht ausschließen. Die Kosten für den Einbau der Poller etwa in der Obergasse, der Mühltorbrücke und am Jerusalemer Tor sowie am Schlossplatz werden mit 40 000 Euro angegeben. Laut Erich Spamer ist der Betrag im Haushalt 2019 eingesetzt worden, der zurzeit beraten wird.

Eine offizielle Befragung der Altstadtbürger ob des autofreien Wochenendes gab es nicht. „Ich gehe davon aus, dass die Bevölkerung dort begeistert ist“, sagt Spamer. Die Fraktion der Grünen, die schon seit Jahren für dieses Vorhaben eintritt, sah sich jüngst durch eine nicht-repräsentative Umfrage der CDU im historischen Quartier bestätigt. Gespräche sollen laut Bürgermeister noch mit den Geschäftsleuten erfolgen. „Früher war die Altstadt ab 14 Uhr am Samstag gesperrt, die Ladenöffnungszeiten sind heute länger“, erklärt er. Denkbar wäre daher, dass die Poller erst ab 16 Uhr hochfahren. Besucher der Gastronomie oder des 50er-Jahre-Museums müssen ihr Fahrzeug am Wochenende vor der Stadtmauer abstellen. „Es gibt außerhalb viele Stellplätze, von denen man in zwei, drei Minuten in die Altstadt laufen kann“, sagt Spamer.

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