Friedberg

Der Bürger auf dem roten Sofa

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Das Beteiligungsprozess zum Stadtentwicklungskonzept läuft an.

Die Stadt Friedberg bittet ihre Bürger auf die rote Couch. Nicht zum Ausruhen, sondern um zu erfahren, was aus Sicht der Befragten nicht so gut läuft in der Stadt und vor allem, was sich besser machen lässt. Am kommenden Montag ist offizieller Starttermin für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek). Aus dem vielfältigen Beteiligungsprozess, der über mehrere Stufen läuft und alle Bevölkerungsgruppen sowie Gewerbetreibende einbeziehen will, soll bis Sommer 2020 ein fertiges Konzept entstehen. Begleitet wird das Projekt vom Planungsbüro Firu aus Kaiserslautern.

„Friedberg kann nicht punktuell, sondern muss als Ganzes weiterentwickelt werden“, sagt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) bei der Vorstellung. Die großen Themen lauten Altstadt, Verknüpfung der fünf Stadtteile mit der Kernstadt, bezahlbarer Wohnraum, steigende Einwohnerzahl, wirtschaftlicher Wandel, Bahnhof oder die Entwicklung der Technischen Hochschule Mittelhessen, die in Friedberg eine Dependance mit mehr als 5500 Studenten betreibt.

In das Konzept soll zudem das 74 Hektar große ehemalige Kasernengelände Ray Barracks aufgenommen werden. Die künftige Bebauung des Areals ist noch weitgehend offen. Die US-Armee verließ es 2007, seitdem ist es im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Das Stadtparlament hatte 2018 die Option auf einen Erstzugriff beschlossen. Ob davon letztlich Gebrauch gemacht wird, hängt von einem Gutachten über die Boden- und Gebäudebelastung ab, das die Bima als Noch-Besitzerin erstellt.

Mit dem Isek sieht Antkowiak auch ein anderes langjähriges, vieldiskutiertes Thema auf die Zielgerade einbiegen: die Sanierung und Umgestaltung der Einkaufsmeile Kaiserstraße. Antkowiak verspricht sich eine tragbare Lösung für alle, von Geschäftsinhabern bis Flaneuren. Isek werde die verschiedene Interessengruppen zusammenbringen. „Es wird zu einem echten Prozess des Aushandelns kommen“, dessen Ergebnis dann von einer Mehrheit getragen werde, sagt Antkowiak.

Dass das Partizipationsangebot der Stadt nicht ins Leere laufen wird, davon ist Antkowiak überzeugt. Dass die Bevölkerung mitmache, habe sich bei der Modernisierung des Wetteraumuseums gezeigt, das Antkowiak als ein vorgezogenes Isek-Projekt bezeichnet.

Die Firu wird mit vier Leuten an dem Projekt arbeiten, zu dem es auch eine Beauftragte bei der Stadt gibt. Zur Aufgabe der Firu zählt etwa eine Bestandanalyse von der Wohnungssituation bis zum Stadtklima, das Herausarbeiten von Alleinstellungsmerkmalen der Stadt (außer der einstigen Anwesenheit von Elvis) oder die Gespräche auf dem roten Sofa. Auch wird sie „Akteure identifizieren, die Aufgaben übernehmen können“.

„Alle Wünsche der Bürger werden erst einmal aufgenommen, sortiert und dem großen Ganzen untergeordnet“, sagt Projektleiterin Sabine Herz. Sie hofft, dass mit einer ausreichenden Erläuterung des Prozesses beim Bürger die Einsicht entsteht, dass nur realisierbare Maßnahmen in das Konzept Eingang finden und nicht Unbezahlbares.

Zur Verwirklichung der Projekte soll soweit wie möglich die finanzielle Förderung von Bund und Land in Anspruch genommen werden, sagt Herz. Laut Bürgermeister Antkowiak gibt es für das Isek keinen speziellen Investitionsetat, lediglich einen Posten Stadtentwicklung mit einem Betrag in Höhe von 250.000 Euro. Die Stadtverordneten müssen die jeweiligen Projektausgaben beschließen. Die Konzeptergebnisse sollen dennoch nicht lange nur auf Papier existieren. „Die Projekte werden zügig umgesetzt“, verspricht Antkowiak.

Partizipation

Das rote Sofa bildet den Auftakt der Bürgerbeteiligung. Gespräche auf dem roten Sofa sind hierzulande seit 1991 durch die Live-Talksendung des Norddeutschen Rundfunks ein Begriff. Das Friedberger Sofa wird zu den Bürgern kommen.
Die ersten Interviews werden bei der Großveranstaltung „Friedberg spielt“ am 4. August geführt. Danach wandert das Sitzmöbel ins Ockstädter Schwimmbad und auf den Marktplatz in Dorheim. Die Zeiten und weitere Standorte gibt die Stadt noch bekannt. Ein Internetseite ist in Vorbereitung.
Nur für Jugendliche soll es im November im JUZ „Junity“-Gespräche geben.
In Arbeitsgruppen, in denen sich Bürger einbringen können, werden die Ergebnisse aus der Bestandsanalyse und den Befragungen etwa zu Handlungsfeldern, Leitbild und Ziele zusammengebracht, mit dem Ergebnis eines Projekt- und Maßnahmenkonzepts.
Ein Bürgerforum ist für Frühjahr 2020 geplant. Die Endabstimmung zum Konzept ist für Mitte 2020 terminiert. sun
www.friedberg-hessen.de

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