Bad Vilbel

Brachland wird naturnahe Wiese

Der Verein Naturfreunde startet am Waldrand ein Projekt zur mehr Artenvielfalt.

Der Betrachter muss beim Eckgrundstücks zwischen Stadtwald und Kleingartenanlage Hainwinkel derzeit reichlich Phantasie aufbringen, um den Ist-Zustand mit der Vision auf den frisch aufgestellten Info-Tafeln überein zu bringen. Auf dem Areal am „Wanderweg 1“ wurde dieser Tage landschaftsbaulich Tabularasa gemacht, Büsche auf Stock gekappt und einige Bäume gefällt. Etwas Streuobstgehölz, eine Esche und eine Schwarzdornhecke bestimmen nun die Szene. Auf 3800 Quadratmetern werden die Naturfreunde Bad Vilbel eine naturnahe Wiese entstehen lassen, um den Artenreichtum in dem Übergangsgebiet von Forst und Flur zu fördern. Der Mensch soll dabei nicht ausgesperrt werden.

„Der erste Eingriff sieht rabiat aus, aber es war einfach notwendig“, sagt Sabine Mahr, Projektleiterin von den Naturfreunden. Das Gelände war sich selbst überlassen, eine starke Verbuschung entwickelte. Nach den nun beendeten Vorarbeiten sollen Bäume gesetzt, auch Streuobstsorten, und Blühstreifen auf insgesamt 90 Quadratmeter angelegt werden. Hierzu wird Saatgut für Pflanzen aus der Region gesät. Zwar könnte sich die Fläche auch von allein regenerieren, mit der Einsaat werde dieser Prozess unterstützt, so die Biologin.

Anders ist es bei den unerwünschten Brombeeren. Dieses und anderes Gestrüpp sollen künftig Ziegen erst gar nicht wieder aufkommen lassen. Die Tiere werden auf dem Gelände weiden. Ein Zaun wird noch gezogen. „Die Zaunmaschen werden jedoch groß genug sein, dass kleines Wild durchpasst, um das Areal als Lebensraum zu nutzen“.

Durch ein Gatter können Besucher Abschnitte auf einem Pfad erkunden, etwa die Blühwiesen oder den Steinhaufen, auf dem Reptilien wie Zauneidechse sich sonnen können. Überdies wird naturnahen Imkerns in Theorie und Praxis gezeigt. Das Interesse scheint schon jetzt groß zu sein. Die Plastikbox mit den Flyern an den Info-Schilder ist jedenfalls schon leer.

Die Idee zu dem Wiesenprojekt entstand durch Beobachtung. „Die Wiese liegt auf dem Weg zu unserem Vereinshaus“, sagt Norbert Nakoinz, Vorsitzender der Naturfreunde. Man sah wie das Gelände verbuschte und somit seine Funktion als Ort für eine Biodiversität verlor. Bevor Naturfreunde und Mitarbeiter des städtischen Gartenamtes in händischer Mühe, um den Boden mit Maschinen nicht zu verdichten, das Areal in den aktuellen Zustand bringen konnten, waren zunächst die Eigentümer ausfindig zu machen, sagt Nakoinz. Die Erbengemeinschaft aus dem Ort habe sich schnell für das Projekt begeistert. Die Naturfreunde können nun zunächst für zehn Jahre die Fläche ohne Pacht nutzen. Für die Planung wurde der Rat von Hessen-Forst, Nabu und dem Landschaftspflegeverband Main-Kinzig eingeholt, sagt Mahr. Unterstützung erhält das Projekt auch von der Stadt etwa mit Manpower. „Die Wiese liegt am künftigen Premiumwanderweg, der mit dem Hessentag 2020 entsteht“, bemerkt Nakoinz.

Finanziert wird das Vorhaben aus Spenden und Förderung etwa von der Umweltstiftung. Ein Antrag bereits gestellt. Aber auch Bürger können sich als Wiesen- oder Bienenpaten finanziell einbringen. Überdies gibt es nicht nur monetäre Patenschaften. Helfende Hände werden ebenso benötigt.

Laut Mahr wird es bis zu fünf Jahre dauern, bis sich das Gelände zu einer naturnahen Waldrandwiese voll entwickelt hat. Dann werde es dort jedoch eine große Artenvielfalt bei den Pflanzen und Tieren geben. In diesem Jahr ist der Anstoß gemacht worden. „In nächsten Frühjahr wird es spannend werden, zu sehen, was kommt“, sagt Mahr.

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