Rosbach

Blütenfest mit Königin

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In Rosbach steigt von Freitag bis Sonntag eine große Feier. Das Fest steht im Zeichen der Kirschblüte. Die Stadt erinnert so an ihre Zeit als Hochphase des Kirschenanbaus.

Der Kirschenanbau hat seine glorreiche Zeit in Rosbach längst hinter sich – im Gegensatz zur Nachbarstadt Friedberg, deren „Ockstädter Kirschen“ noch immer weit über die Wetterau hinaus bekannt sind. Laut dem früheren Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins Ober-Rosbach, Ernst Friedrich, hörte der letzte Landwirt, für den Kirschen eine Haupterwerbsquelle waren, vor mehr als 20 Jahren auf. Zur Hochzeit des Kirschenanbaus in den 1950er Jahren seien es fünf oder sechs gewesen. Auf etwa 15 Hektar hätten seinerzeit Bäume mit dem kleinen dunkelroten Obst gestanden, schätzt Friedrich.

Heute verkauften nur einige Rosbacher noch als kleinen Nebenerwerb Kirschen, geblieben seien zwei Hektar. Die übrigen Bäume zeigen sich von dem wirtschaftlichen Niedergang des Kirschenanbaus freilich unbeeindruckt und präsentieren nach wie vor Jahr für Jahr ihr prachtvolles Blütenkleid – so wie dieser Tage.

Oldtimer und Bücher

Die rund 13 000 Einwohner zählende Stadt im Westen der Wetterau begeht dieses Ereignis traditionell mit dem Rosbacher Blütenfest. Am kommenden Wochenende werden auf dem Festplatz an der Adolf-Reichwein-Halle und dem Gelände der Kapersburgschule unter anderem ein Bauernmarkt, eine DJ-Clubnacht unter freiem Himmel, Infostände und Vorführungen der Rosbacher Vereine, Konzerte, ein Bücherflohmarkt und eine Oldtimer-Ausstellung geboten. Höhepunkt ist der große Blütenfestumzug am Sonntag – mit der am Vorabend inthronisierten Blütenkönigin.

Das Programm sei das bislang umfangreichste, sagt Bürgermeister Thomas Alber (parteilos). Es gebe mehr Musik, erstmals einen Neubürger-Empfang zum Fest, und es beteiligten sich so viele Vereine und ehrenamtliche Helfer wie noch nie. Dabei drohte dem Blütenfest schon mal das gleiche Schicksal wie dem Kirschenanbau in Rosbach: „2013 lag das es am Boden“, sagt Alber. Nur wenige Menschen hätten noch Interesse gehabt, es zu besuchen. Dank einer stärkeren Einbindung der örtlichen Vereine und Verbesserungen im Programm sei es jedoch gelungen, das Fest wieder attraktiv zu machen. Die Stadt nimmt dafür seit vorigem Jahr nochmal einige Tausend Euro mehr in die Hand.

Das war in der Geschichte des Blütenfestes nicht immer so. Erst 1935 begann die Stadt, damals noch Ober-Rosbach, sich zu engagieren und gab der Veranstaltung einen feierlichen Rahmen. Zuvor hatten die Wirte des einstigen Hotel-Restaurants Waldschlösschen auf dem Kirschenberg, das 1904 gebaut worden war, regelmäßig zum Blütenfest eingeladen. Die Ober-Rosbacher Gasthäuser wurden gar schon um 1850 in der Presse als Ausrichter erwähnt.

Heute erinnert das Blütenfest auch an diese Zeit, als die Früchte der um 1780 angelegten Kirschplantagen noch ein Rosbacher Erfolgsprodukt waren. Der Niedergang begann laut Ernst Friedrich vor rund 60 Jahren, als mehrere Kirschenbauern ihr Land verkauften. „Die Hälfte des Kirschenbergs wurde bebaut“, erzählt der Mann vom Obstbauverein. „Und die Kirschenbauern haben auf einen Schlag viel verdient.“

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