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Biogas noch dieses Jahr

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Karben Schneller Baubeginn für Anlage/20 Landwirte beteiligt

Von Monica Bielesch

Manchmal kann sogar die Bürokratie schnell sein: Erst Anfang August sprach sich das Karbener Stadtparlament einstimmig für den Bau einer Biogasanlage an der Kreisstraße 246 aus. Jetzt, knapp sechs Wochen später, ist am Standort östlich von Groß-Karben schon der Asphalt für das Silo fertig. Nur noch der Form halber stellten sich also die Beteiligten anlässlich des offiziellen Spatenstichs zum Pressefoto vor einen Bagger, denn die Bauarbeiten auf dem drei Hektar großen Gelände sind in vollem Gange.

„Wir waren zeitlich sehr unter Druck, weil in wenigen Tagen die Ernte beginnt“, sagte Abicon-Geschäftsführer Andreas Möller beim Ortstermin mit Blick auf hohe Erdwälle und große Erdlöcher. Abicon ist der Projektentwickler für die zehn Millionen teure Anlage, an der sich neben Abicon rund 20 örtliche Landwirte beteiligen. Die Stadt Karben sowie die Stadtwerke Kassel sind mit jeweils 30 Prozent beteiligt. „Wir haben die Genehmigung in Rekordzeit auf den Weg gebracht“, freute sich Stadtrat und Stadtwerke-Chef Michael Ottens (Freie Wähler).

Am Ende dieses Jahres soll das erste Biomethan eingespeist werden, versprach Ottens den Zuhörern. Bauherr ist die Karbener Biogas GmbH & Co. KG. Viele der beteiligten Landwirte, wie etwa die direkten Nachbarn vom Marienhof, liefern das Substrat für den Betrieb der Anlage und nehmen auch den ökologisch wertvollen Gärrest zum Ausbringen auf die Felder wieder zurück. Wenn Ende September die Maisernte beginnt, dann kommt der geschredderte Mais auf das neue Silo und wird mit einer Folie luftdicht abgeschlossen. Weil die Sickerstoffgrube noch nicht fertig sei, werden die Sickerstoffe in diesem Jahr noch in eine andere Anlage gefahren, erläuterte Möller. Voraussichtlich nach Altenstadt; genaues sei noch nicht klar.

Kein zusätzlicher Verkehr

„Wenn die Ernte vorbei ist, ist auch die Verkehrsdiskussion erledigt“, kommentierte Ottens. Im Vorfeld waren Bedenken geäußert worden, dass die Biogasanlage zu vermehrtem Verkehrsaufkommen in Karben führen würde. Ganz im Gegenteil, meinte Ottens, denn unter anderem würden die direkt benachbarten Landwirte die Anlage beliefern. „Das führt zu kurzen Wegen.“ Und: „Der Ernteverkehr hätte sowieso stattgefunden.“

Im Dezember sollen bereits die bis dahin fertigen Teile der Anlage, wie ein Blockheizkraftwerk und die ersten Prozessbehälter, in Betrieb genommen werden, so Möller. Vieles hänge auch vom Wetter ab.

Endgültig fertig werden die fünf runden Fermentierungsgebäude samt Infrastruktur im Herbst 2012 sein, schätzt Möller. Die vollständige Anlage kann dann rund 15000 Tonnen Mais von 300 Hektar Fläche verarbeiten. Technisch sei die Anlage jedoch für fast jedes Material ausgelegt. „Auch Gras oder Straßenschnitt wären möglich.“ Oder Zuckerrüben. Möller: „Gerade hier in der Region ist die Zuckerrübe ein großes Thema.“ Allerdings müssen bei der Zuckerrübe noch Probleme bezüglich der Lagerung und Verarbeitung gelöst werden. Denn, so Möller: „Wir brauchen ein Substrat, dass an 365 Tagen im Jahr eine gleichmäßige Qualität vorweist.“

Wenn die Anlage fertig ist, soll das Biomethan ins Erdgasnetz eingespeist werden. Die Leitungen dafür baut Netzdienste Rhein-Main, ein Tochterunternehmen der Mainova sowie der Stadtwerke Hanau.

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