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Beschriebene Schrecken

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Friedberg 8. Jugendliteraturpreis der Ovag / 21 Preisträger werden geehrt

Von Mirja Hirvonen und Jana Tempelmeyer

Man liest die 21 Gewinner-Beiträge in einem Rutsch, weil sie gut geschrieben sind, und bekommt einen literarischen Schrecken.“ So beginnt Literaturwissenschaftler Heiner Boehncke seine Laudatio anlässlich der Verleihung des 8. Jugendliteraturpreis der Oberhessischen Versorgungsbetriebe (Ovag). Mit dem „literarischen Schrecken“ meint Boehncke weniger die Art und Weise, in der geschrieben wurde. Vielmehr spricht er von den Themen, die in den Texten der jungen Autorinnen und Autoren behandelt wurden.

Denn ein Großteil der rund 300 Einsendungen sei eine „Klage über die Schlechtigkeit der Welt im Allgemeinen und der persönlichen Verhältnisse im Besonderen“, bemerkt Rainer Schwarz, Vorstandsvorsitzender der Ovag. Boehncke glaubt, dass die Teilnehmer damit auf dem richtigen Weg sind. Mit ähnlichen Themen hätten schließlich auch Goethe, Schiller, Shakespeare oder Homer Berühmtheit erlangt. Trotzdem seien es nicht nur große Gefühle und Gedanken, die Literatur machten, sondern die Kunst, all dies in verständliche und gute, schöne Sprache zu verwandeln. Und genau die hätten die 21 Preisträger auch in diesem Jahr wieder gezeigt.

Eine zehnköpfige Jury wählte die Siegertexte aus. Den mit 1000 Euro dotierten ersten Platz belegte Ann-Kathrin Roth mit ihrem Text „Papiertiger“. Die 22-jährige Studentin aus Lauterbach war bereits 2009 Gewinnerin, außerdem belegte sie in der Vergangenheit zweimal den zweiten Platz. Auch Manon Cavagna ist erfahrene Schreiberin und war in den letzten drei Jahren immer unter den Preisträgerinnen. Mit „Die Nacht der Hähne“ schaffte es die Rosbacherin in diesem Jahr auf den zweiten Platz und bekam dafür 700 Euro. Die Drittplatzierte Julie Sophia Schöttner aus Waldsolms ist zum ersten Mal unter den Gewinnern. 600 Euro bekam sie für die Geschichte „Faustkampf“.

18 weitere Jugendliche wurden für ihre Werke geehrt. Außerdem erhielten fünf Schulen Sonderpreise. Der Deutsch-Leistungskurs der Kurt-Schumacher-Schule Karben wurde für ein selbst geschriebenes Theaterstück über den Untergang der Titanic ausgezeichnet.

Nach der Preisverleihung geht es für die Nachwuchsautoren weiter: Die 21 Einzelpreisträger erwartet im November ein viertägiger Workshop, bei dem ihre Texte noch einmal überarbeitet werden. Im Januar wird dann eine Sammlung aller Texte als Buch veröffentlicht. Bis in den Sommer hinein werden die Jugendlichen ihre Texte bei rund 35 Lesungen vortragen.

Rainer Schwarz ist stolz, dass die Ovag den Wettbewerb nun schon seit acht Jahren veranstaltet und die Einsendungen seit 2004 von Jahr zu Jahr mehr geworden sind. Er sieht den Jugendliteraturpreis als Möglichkeit „um junge Talente zu entdecken und zu fördern, um junge Menschen überhaupt zum Schreiben und Lesen zu motivieren, ihnen womöglich eine neue Welt zu eröffnen, neue Formen sich auszudrücken, zu kommunizieren“. Bisher nutzen die Chance eher junge Frauen – unter den Preisträgern sind nur zwei Jungen.

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