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Begleiter beim Abschied

Wetterau Ehrenamtliche Helfer in zwei Vereinen betreuen sterbenskranke Menschen bis zum Tod

Von Elfriede Maresch

Die Begleitung todkranker Menschen haben sich im Ostkreis zwei Vereine zur Aufgabe gemacht: Hospizhilfe Büdinger Land und der Verein Lebensbegleitung Hospizhilfe Schotten-Nidda. Dabei ist eine punktuelle Zusammenarbeit sinnvoll, etwa beim Hospiztag am kommenden Samstag. Unheilbare Erkrankungen und besonders der Prozess des Sterbens sind Tabuthemen unserer Gesellschaft. Was bringt Bürgerinnen und Bürger dazu, sich freiwillig mit Schmerzen, Kräfteverfall, endgültigem Abschied zu konfrontieren?

Zum Teil sind es reale Erfahrungen: „In meiner Arbeit im Altenpflegeheim und Krankenhaus habe ich oft erlebt, wie einsam sterbende Menschen sein können, etwa wenn kein Kontakt mehr zu den Angehörigen besteht. Auch wenn das Pflegeteam sie gut versorgt – für ganz persönliche Zuwendung bleibt wenig Zeit“, sagt Angelika Lohscheidt. Andere Hospizhelferinnen und -helfer kommen aus völlig fremden Berufen und suchen eine Aufgabe im zwischenmenschlichen Bereich. Auch sie wollen dazu beitragen, dass der Patient seine letzte Lebenszeit in Würde erleben kann und individuelle Wünsche erfüllt bekommt.

Zugleich setzen sich die Ehrenamtlichen in der Begleitung Sterbender mit der eigenen Endlichkeit auseinander, lernen den Tod zu enttabuisieren und als Teil des Lebens zu sehen.

Mit welcher Vorerfahrung und Motivation auch immer: Hospizhelfer brauchen viel Einfühlungsvermögen, müssen sich auf ganz unterschiedliche Situationen einstellen. Alte Menschen, die nach einem erfüllten Leben den Tod akzeptieren können, wenden sich an sie. Andere, vielleicht Jüngere wehren sich gegen das Sterben „Warum gerade ich?“, sie brauchen sehr viel Nähe und Zuwendung, um nicht zu verzweifeln. Ebenso erleben Hospizhelfer Verschlossene, Abweisende – sei es, dass sie noch von ungelösten Konflikten gequält werden, etwa von Zerwürfnissen mit Angehörigen, sei es, dass sie generell in ihrem Leben wenig Zuwendung erlebt haben. Es sei sehr bewegend, wenn sich solche Menschen plötzlich öffneten und die Begleitung annehmen konnten, erzählen Hospizhelfer.

Eine akzeptierende Haltung ist Grundsatz der Hospizhilfe: „Der Patient bestimmt Takt, Rhythmus, Melodie der Zuwendung!“

Auch Angehörige brauchen oft Hilfe. Sie müssen Beruf, Familie und das Kümmern um den Schwerkranken in Balance bringen. Manchmal quält sie nach dem Tod ihres Verwandten der Gedanke, nicht genug getan zu haben. Auch dann sind die Hospizhelfer, zu denen sich meist ein enges Vertrauensverhältnis aufgebaut hat, gesprächsbereit.

Eine gute Ausbildung gehört dazu, um den Aufgaben gewachsen zu sein. In beiden Vereinen werden Neueinsteiger umfassend auf den Dienst vorbereitet. Während eines Jahres kommen sie alle sechs Wochen jeweils an einem Abend sowie an drei Wochenenden zusammen, insgesamt für 130 Stunden.

Themenschwerpunkte sind Medizin, insbesondere unter palliativen Gesichtspunkten, Pflege, Psychologie, Ethik, Seelsorge, Gesprächsführung. Grundlage ist das sogenannte Zeller Modell, entwickelt vom Malteser Hilfsdienst. Dazu kommen rund 20 Stunden begleiteter Einsatz im Altenheim, in stationären Hospizen oder auf Palliativstationen, um sich im Kontakt mit den kranken und gebrechlichen Menschen zu erproben. Danach können die Teilnehmer selbst entscheiden, ob sie nun aktiv in der Hospizhilfe mitmachen wollen. Dabei werden sie nicht alleingelassen. Angehörige beider Vereine treffen sich regelmäßig, tauschen sich aus, organisieren Weiterbildungen.

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