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Karl Wilhelm Kliem, der den Margarethenhof in Karben in der zehnten Generation führt, hat bei dem Brand 5000 Hühner verloren.

Karben

Der Bauernhof nach dem Feuersturm

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Der Margarethenhof in Karben will seine Hühnerställe zügig wieder aufbauen. Ein Brand hatte ein Gebäude komplett zerstört, 5000 Hühner starben.

Karl Wilhelm Kliem steht in einer Ruine. Um ihn herum türmen sich Berge von Metall und Holzbalken. Der Boden ist bedeckt mit Schutt und zerbröseltem Faserzement, aus dem die Dachplatten bestanden haben. Das Dach fehlt, nur an einigen Stellen hängen noch Reste über das Mauerwerk. Große Teile der Wände sind verkohlt. Es riecht nach verbranntem Holz, auf das es geregnet hat. Bis vor elf Tagen hatte der Margarethenhof hier, zwischen Karben-Kloppenheim und Bad Vilbel-Dortelweil, noch zwei Stallgebäude für Legehennen, jetzt ist es nur noch eins. 

Ein Großbrand, vermutlich verursacht durch einen technischen Defekt, zerstörte das andere Gebäude, in dem sich zwei Ställe für die Hennen befanden. Rund 5000 Hühner kamen ums Leben, nur etwa 500 konnten sich ins Freie retten. „Am 2. November um kurz nach elf Uhr hat das Schicksal uns eine schwere Prüfung auferlegt“, heißt es auf der Homepage des Margarethenhofs, den Karl Wilhelm Kliem in zehnter Generation führt. „Das ging so schnell, innerhalb von zwölf Minuten stand alles in Flammen“, sagt Kliem. Angekokelt sind auch die beiden Futtersilos. Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach zersplitterte. Die Rauchschwaden waren kilometerweit zu sehen.

Dabei hatte der landwirtschaftliche Betrieb noch Glück im Unglück. Häufig gackerten mehr Hennen in den Stallungen. Sie waren nicht voll belegt, sagt Kliem, weil sie neu besetzt werden sollten. Sie hätten eine Kapazität für insgesamt 20 000 Tiere. Trotzdem ist der Schaden enorm. Nach ersten Schätzungen würden Abriss und Neubau etwa 1,2 Millionen Euro kosten, sagt der Betriebschef. Er hoffe aber, dass die Versicherung die Summe übernehme. Noch hat sie nicht entschieden, mehrere Gutachter seien in den zurückliegenden Tagen vor Ort gewesen. „Wir müssen in Vorlage treten“, sagt der Landwirt. Die Legehennen selbst sowie die Betriebsunterbrechung seien indes nicht versichert gewesen. 

Zu Lieferengpässen bei Eiern wird es wohl im Rhein-Main-Gebiet wegen des Brandes nicht kommen. 58 Rewe-Märkte in der Peripherie Frankfurts haben Kliem zufolge Eier vom Margarethenhof im Sortiment. Die würden auch weiterhin beliefert. „Und wir werden auch ausreichend Eier im Hofladen haben.“ Den betreibt die Familie seit 1994 im ehemaligen Kuhstall des Hofes inmitten des Kärber Stadtteils Kloppenheim. Dort gibt es neben Eiern auch Gemüse, Fleisch, Backwaren, Getränke und vieles mehr. 

Mit einem großen Kunden, der regionale Waren vermarkte, habe er allerdings vereinbart, bis auf weiteres nur noch einen Bruchteil der üblichen Eier-Menge zu liefern, „das, was übrig bleibt“, sagt Kliem. Auf mehrere 10 000 Euro, schätzt er, würden sich am Ende die Einbußen belaufen. Jetzt vor Weihnachten sei die denkbar ungünstigste Zeit für den Brand gewesen, weil da mehr gebacken werde.

Das bis auf die Grundmauern niedergebrannte Gebäude, das erst 2010 gebaut wurde, lässt Kliem in den nächsten Tagen abreißen, das Kreisbauamt in Friedberg hat am Wochenende seine Zustimmung gegeben. Ein Abriss-Unternehmen aus Wetzlar ist schon angerückt. Am gestrigen Montag stehen am Morgen zwei schwere Bagger und ein Container für den Schutt neben der Ruine. Arbeiter sind auf dem an der B3 gelegenen Gelände dabei, die Baustelle einzurichten. Vom alten Stall soll in wenigen Wochen nichts mehr zu sehen sein. Lediglich das Fundament hofft der 51 Jahre alte Betriebschef erhalten zu können. 

Wie es im Innern einmal ausgesehen hat, kann man in dem anderen Stallgebäude sehen, das ein Jahr vorher errichtet wurde. Nur ein paar Meter sind es bis dahin. Man geht an einer offenen Halle vorbei, in der Hühnerkot lagert, mit dem die Felder gedüngt werden. In den Stallungen ist das Gegacker groß. Kliem hält die Legehennen – bis zu 60 000 sind es zu Hochzeiten – in Volieren. Es ist eine Form der Bodenhaltung. „Die Tiere können flatternd und fliegend Sitzstangen und die verschiedenen Ebenen der Volierenblöcke erreichen“, schreibt der Betrieb auf seiner Homepage. 

In dem 60 Meter langen und zwölf Meter breiten Raum kann man sehen, was das bedeutet: Ganz unten tapsen die Hennen umher. Auf der darüber liegenden Ebene wird gefuttert und getrunken. Weiter oben ist der Lege- und Nestbereich, gefolgt von der Ruhezone. Es brennt ein schwaches rötliches Licht. Dies wirke beruhigend auf die Hühner. „Was wir hier machen, da stehe ich voll dahinter“, sagt Kliem. „Wir setzen alles daran, dass es den Tieren gutgeht.“ Jeder, der das sehen wolle, könne vorbeikommen. 

Der Landwirt entschied sich vor zehn Jahren bewusst gegen die Freilandhaltung, weil sich die Tiere draußen schneller Parasiten einfingen und von anderen Tieren wie Mardern zerbissen würden.

Als das Kreis-Veterinäramt die Hühnerställe des Margarethenhofs 2017 zuletzt kontrollierte, hatte es nichts zu beanstanden. Auch die Brandschutzauflagen sah der Wetteraukreis als erfüllt an. 

Daran möchte der Wetterauer anknüpfen. Der neue Stall soll genauso aufgebaut werden wie der alte. „Es ist Eile geboten, damit wir weitermachen können.“ Vier Wochen, schätzt er, werde der Abbruch der Ruine dauern. Aber mit dem Neubau könne er dann noch nicht beginnen. Es dauere zurzeit Monate, bis neue Betonfertigteile geliefert werden könnten. Wenn alles gut läuft, könnte der Stall im nächsten Sommer stehen. Neue Legehennen müsse er dann aber schon längst bei den Aufzuchtbetrieben bestellt haben.

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