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Am Alten Rathaus sollten Bäume gefällt werden.

Bad Vilbel

„Die Bäume würden schreien, wenn sie könnten“

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Bad Vilbel Stadtrat Klaus Minkel (CDU) über seine umstrittene Einstellung zu Straßenbäumen und wie das Stadtklima verbessert werden kann

Nach dem zweiten Extremsommer in Folge verlangt der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) von den Städten ein radikales Umdenken bei den Kommunen. Gefordert wird eine stärkere Begrünung in den Orten, um ein übermäßiges Aufheizen der Straßen und Häuser zu mildern. Die Stadt Bad Vilbel gilt wegen ihrer Begrünungspolitik als umstritten. So sollten etwa drei gesunde Bäume gefällt werden, weil sie die Sicht auf das historische Rathaus versperrten.

Herr Minkel, wie reagiert Bad Vilbel auf die Forderungen des Bunds für Umwelt- und Naturschutz? Gibt es in Vilbel - etwa in der Kernstadt - genug Grün?
Niemand hat in Bad Vilbel mehr für die Begrünung getan als ich. Das ist mir seit jeher ein Anliegen, wobei mich CDU und FDP sehr unterstützen. Die zahlreichen Straßenbäume in der Frankfurter Straße und am Schöllberg hätte es mit den Grünen und der SPD nie gegeben. Die waren gegen die B 3, ohne die wir keinen Platz bekommen hätten.

Setzt die Stadt nicht zu sehr auf Privatleute etwa mit dem Verschenken von 3500 Bäumchen für einen CO2-neutralen Hessentag? Muss eine Stadt im öffentlichen Raum nicht stärker in Eigenleistung gehen?
Die von mir entwickelten Baugebiete sind unvergleichlich mehr mit Grün versehen als ältere Baugebiete. Dortelweil-West und der Quellenpark haben sehr ausgedehnte Grünflächen. Mit 16 000 Bäumen im öffentlichen Raum nimmt Bad Vilbel eine Spitzenposition ein, das Vielfache von anderen. Darüber hinaus arbeite ich seit zwei Jahren an einem neuen großen Wurf, der das öffentliche Grün noch mehr voranbringen würde. Ich hoffe, das nächstes Jahr vorstellen zu können.

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie hat wieder mehrfach vor extremen Hitzebelastungen gewarnt. Was tut die Stadt, um ihre Bürger zu schützen?
Das Landesamt hat gut reden. Es sollte sich dafür einsetzen, dass wir das Nidda-Wasser zum Bewässern heranziehen können, das übrigens auch für die Wiesen und Felder der Landwirte nötig wäre. Ohne Wasser keine Pflanzen und keine Verdunstungskälte.

Welche Baumschäden hat der Sommer in den Parks verursacht?
Wir haben einige Trockenschäden, die auch Pilzerkrankungen Vorschub leisten. Das wollen wir durch reichhaltige Nachpflanzungen ausgleichen. Fällungen von gesunden Bäumen in der Innenstadt ohne Grund lehne ich strikt ab, selbst wenn die Nidda dafür herhalten soll.

Im Frühjahr wurden Sie für den Vorschlag kritisiert, Bäume etwa aus der Frankfurter Straße zu entfernen, weil die Arten nicht passten und generell Bäume nichts in der Stadt zu suchen hätten. Sind Sie dieser Ansicht heute noch?
Ein schönes Beispiel für Verleumdung. Diesen Vorschlag habe ich gerade nicht gemacht. Ich hatte lediglich auf das Leid der Straßenbäume an ungünstigen Standorten hingewiesen, die vor Leid pausenlos schreien würden, wenn sie schreien könnten.

Das Fällen von Bäumen wurde auch mit dem pflegerischen und finanziellen Aufwand, das sind rund 500 000 Euro im Jahr, begründet. Müsste eine Stadt nicht mehr Geld in die Hand nehmen, um ein besseres Mikroklima zu schaffen?
Das Fällen der Bäume wurde nicht mit dem Aufwand, sondern mit dem gutachterlich festgestellten Schadensbild begründet. Auf mein Betreiben wurde voriges Jahr übrigens die Baumpflegekolonne von drei auf sechs Mitarbeiter verdoppelt. Wer in der Wetterau kann das noch von sich sagen?

Dennoch, fürchten Sie politische Folgen für die CDU? Die Vilbeler Grünen waren bei der EU-Wahl sehr stark.
Bei gerechter Würdigung der Tatsachen braucht die CDU in Bad Vilbel sich nicht zu sorgen: Führend bei der Nidda-Renaturierung seit über 30 Jahren, Hunderttausende Quadratmeter aufgeforstet oder zu Feldholzinseln gemacht, Schießplatz renaturiert, und ab September - nach Investitionen von über 80 Millionen Euro - erzeugen die Stadtwerke ihren gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien und sparen jährlich rund 100 000 Tonnen CO2 ein, um nur einige Beispiele zu nennen. Welche grün-regierte Stadt kann das von sich sagen? Wir schwätzen nicht, wir schaffen unentwegt.

Die Bürgerinitiative Gelbwespen, hat sich im Frühjahr wegen der Fällaktion an einem Nidda-Weg gebildet. Haben die Gelbwespen Ihre Sicht auf das Bürgerempfinden beeinflusst?
Arbeitsbienen sind bekanntlich nützlicher als Wespen. Es geht nicht an, dass nachgepflanzte Bäume trotz Bewässerung durch die Gärtner wieder eingehen, weil von Wohnanliegern der rettende Wassereimer verweigert wird.

Können Sie sich vorstellen, dass der betonierte und gepflasterte Niddaplatz der Neuen Mitte eines Tages doch begrünt wird?
Das ist leider eine Schnapsidee. Unter dem Nidda-Platz befindet sich die Tiefgarage. Bäume würden es nicht überleben, allenfalls Kübelpflanzen. Anders wird es bei der Tiefgarage im Kurpark sein, da wir uns dort eine sehr teure Erdabdeckung von mindestens 80 Zentimeter leisten.

Interview: Detlef Sundermann. Auf Wunsch von Klaus Minkel wurden die Fragen schriftlich eingereicht und ihm schriftlich beantwortet.

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