Bad Vilbel

Bad Vilbel versteigert Kirschbäume

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„Zu Ersten, zum Zweiten und zum ...“: Die Stadt Bad Vilbel versteigert Kirschbäume. 50 Cent gelten als Mindesteinsatz.

Zehn Frauen und einige jüngere Kinder stehen im kniehohen Gras, den Blick mit der Hand an die Stirn als Behelfssonnenschutz gen Himmel gerichtet, aber nicht, um diesen zu betrachten, sondern die mittel- bis dunkelrote Fracht, zum Teil verdeckt von sattgrünen Blättern, an knorrigen Ästen. „Wir steigern in 50-Cent-Schritten, da haben wir mehr Spaß“, sagt Marc Dudda. „Aber bitte keine Streitigkeiten“, ermahnt er noch. Dudda weiß aus vergangenen Jahren, dass es schon mal dazu kommen kann. Ebenso, dass Hitzköpfe den Preis in eine Sphäre getrieben haben, dass er den Schlusspunkt setzen musste.

Am Samstagvormittag war wieder Kirschbaumauktion der Stadt auf dem städtischen Streuobstgrund am Lindenweg.

Die Angelegenheit hat Tradition. Dudda versteigert seit 17 Jahren, seine beiden Amtsvorgänger taten im Juni stets das Gleiche. Dudda ist Feldschütz und beim Liegenschaftsamt der Stadt Bad Vilbel angestellt. „Die Versteigerung machen wir einfach für die Leute und nicht, um reich zu werden“, sagt Dudda. Die Summen, die beim „...und zum Dritten“ final aufgerufen werden, lassen diesen Verdacht auch gar nicht aufkommen. Es sind zwischen 50 Cent und ein paar Euro - diesmal. Bei einem vollen Baum gehen die Gebote zügig bis vier Euro hoch, dann folgen mit Zögern noch zwei, drei Gebote, bevor es „...und zum Dritten“ heißt. Die bescheidenen Einnahmen gehen in die Pflege des knapp drei großen Geländes, die der Dottenfelder Hof seit Jahren erledigt.

Es sind von Jahr zu Jahr nicht die gleichen Kunden, auch Neulinge kommen. So der Mann im roten T-Shirt, der von seiner Nachbarin beauftragt wurde, weil sie urlaubsbedingt verhindert ist. Der bevorzugte Baum Nummer „12“ hat sich jedoch in dieser Saison eine Auszeit genommen.

Rund 50 Kirschbäume stehen auf dem Wiesengrund zur Versteigerung. Drei werden wegen ihrer Höhe davon ausgeschlossen. Es soll sich keiner das Genick brechen. Aufs Steißbein fallen ist schon schmerzhaft genug, berichtet Dudda.

Natürlich ist alles „bio“

Einige der sehr spärlich bestückten Bäume gibt er zum kostenlosen Abpflücken frei. Ansonsten hängt an den meisten Ästen eine schwere rotfleischige Last. Natürlich alles „bio“ und deshalb nicht immer vegan.

Dudda erzählt so gar nicht nebenbei von der Kirschblüte im Frühling am Lindenweg und wie sie riecht oder davon, dass die Bäume stehen bleiben, bis sie zusammenbrechen, um dann als Vogel- und Insektenunterkunft zu fungieren. Nach einer Weile ermahnt er sich selbst: „Ich komme wieder ins Schwätzen.“ Für die Abgängigen könne man Sauerkirschen nachpflanzen, überlegt Dudda laut. Sauerkirschen mache sich gut auf Kuchenteig unter Streusel, macht Dudda die Münder wässrig.

Der Mann erzählt zwischen den Gängen zu den Auktionsobjekten viel und leidenschaftlich über die Natur, die er als Bub beim Spielen auf der Flur und im Vilbeler Wald verinnerlicht hat. Mit „Ich bin schon wieder ins Schwätzen geraten“ bremst er sich dann doch, um zum eigentlichen Anlass zurückzukommen, zur Kirschbaumversteigerung.

Nicht immer sei die Saison so gut wie in diesem Jahr, bemerkt er. Es habe auch schon Jahre gegeben, in denen pro Baum lediglich ein paar Handvoll Kirschen hingen. „Dann fällt die Versteigerung aus, die Leute können sich die Kirschen so nehmen.“ Das deutet sich für die Äpfel auf dem Gelände nicht an. Im Spätsommer steht dort die Versteigerung an.

Und wem die Sorten beim Begutachten nicht zusagen, kann immerhin Dudda bei Schwätzen über den städtischen Wiesengrund und die Natur allgemein zu hören.

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