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Imkerin Susanne Weirich zeigt in der Honigwerkstatt keine Angst vor Bienen.

Veranstaltung

Zukunft des Bio-Bauern

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Rund 500 Teilnehmer werden in Bad Vilbel beim Festival „Beats + Bohne“ gezählt.

Die Stimmung auf der weiten Wiese auf dem Dottenfelderhof wirkt noch etwas schläfrig. Ein paar Hühner glucksen, Pferde wiehern verhalten und im „Kitchen“-Zelt herrscht mäßige Betriebsamkeit. Die Aktivitäten des ungewöhnlichen Festivals „Beats + Bohne“ finden am Samstagvormittag an anderer Stelle statt und das hochkonzentriert, in den acht Workshopzelten. Laut Festivalsprecher Christian Rollmann haben an den drei Tagen von Freitag bis Sonntag rund 500 Leute teilgenommen, zwei Drittel kam nicht aus Hessen, heißt es. Ein pralles Programm tagsüber allein aus drei Dutzend Workshops, bot Umwelt-und Naturaktivisten, Argrarstudenten oder Jungbauern reichlich Gelegenheit, sich über ökologische Landwirtschaft zu informieren und sich mit anderen auszutauschen.

Das Themenspektrum war weit aufgefächert von Slow-Food, Landwirtschaft und Naturschutz bis zu „Feminismus auf dem Land“ oder rechte Ideologie getarnt unter dem Öko-Siegel. „Nicht alles, was Öko ist, entspricht auch den Vorstellungen einer demokratischen Gesellschaft“, sagt Katrina McKee, Referentin zum Workshop „Landwirtschaft ohne braune Soße“. Für die Rechten seien die Vereinnahmungsversuche interessant, um etwa auch Wähler aus der Gruppe der bürgerlichen Grünen zu fischen oder gegen ausländische Einflüsse in der Landwirtschaft zu wettern. Nachhaltigkeit würden zu einer urdeutschen Angelegenheit gemacht, als Lebensform werde nicht selten die Landkommune bevorzugt, vor allem in Ostdeutschland etwa in Mecklenburg-Vorpommern.

Organisator ist das seit 2010 bestehend Bündnis „Meine Landwirtschaft“, Berlin, dem 50 Organisationen aus Landwirtschaft und , Lebensmittelhandwerk angehören.

Zum ersten „Beats + Bohne“-Ort wurde der Dottenfelderhof ausgewählt, weil dort vorbildlich Landwirtschaft und Vermarktung betrieben werde, heißt es.  

Bodenerhalt sowie das Leben und Überleben als ökologisch erzeugender Bauer sind nicht minder politisch. „Verrückte Einzelgänger oder Bio-Leistungsträger“ heißt es dazu in einem Workshopzelt. Auch die Bio-Landwirtschaft darf nicht zur Kräfte verzerrenden und alleinigen Sache im Leben werden, sind sich die Teilnehmer einig. Ein junger Mann berichtet, er habe mit seinem Chef vereinbart, weniger zu arbeiten, um Zeit zu haben, selbst zu produzieren und reparieren. Damit könne er das geringere Einkommen kompensieren, soziale Kontakte aber weiterhin pflegen.

Es ist offenbar nicht nur der Zeitaufwand, der Öko-Bauern zuschaffen macht, sondern oft die Frage nach der Anbaufläche. Besonderns in der Rhein-Main-Region zeigt sich der Flächenfraß von der Politik legitimiert durch Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung existenzbedrohlich für Landwirte. Der Workshoptitel „Gebt jungen Bäuerinnen und Bauern Boden unter den Füßen“, hört sich für Wolfgang Kring nach einem frommen Wunsch an. Kring ist Sprecher einer Bürgergruppe, die gegen das Rewe-Lager in Wölfersheim kämpft. „Auf 30 Hektar verschwindet dort allerbester Ackerboden“, sagt Kring, der auf dem Festival über die Pläne und Folgen des Projektes berichtet.

„Das Festival hat mir viele Möglichkeiten zum Austausch und neue Impuls gegeben“, sagt Marlene, deren Nachname nicht gedruckt werden soll. Sie studiert im dritten Semester Öko-Landwirtschaft an der Universität in Kassel. Manche Themen hätten sich mit denen an der Uni überschnitte, andere nicht wie der Vogelschutz oder Proteststrategien, sagt die Landwirtstochter.

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