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Das Ufer am Ritterweiher soll auf 330 Metern Länge von einem Zaun eingefasst werden.

Bad Vilbel

Zaun soll vor Ertrinken schützen

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Der Ritterweiher in Bad Vilbel (Wetterau) ist eine kleine Naturoase. Aus Gründen der Sicherheit umgibt jetzt ein Zaun das Regenauffangbecken.

Zu jeder Jahreszeit zeigt sich der Ritterweiher zwischen Stadtwald, Freizeitpark und Kernstadt als kleine Naturoase, die von Frühling an bis Herbst von üppigen Grün umgeben ist. Die Stadt lässt die rund 330 Meter lange Uferlinie nun einzäunen. Wegen des wenig ästhetischen Bauwerks sollen schon Beschwerdeanrufe im Rathaus aufgelaufen sein.

„Aus Verkehrssicherungspflicht muss der Zaun gebaut werden“, sagt Stadtpressesprecher Yannick Schwander. Eine Tragödie, wie sich im Sommer 2016 im nordhessischen Neukirchen zugetragen hat, bei der drei Kinder einer Familie in einem im Ort gelegenen Teich ertrunken sind, soll sich in Bad Vilbel nicht wiederholen, heißt es. Allerdings ergibt sich eine besondere Verkehrssicherungspflicht vermutlich mit der Funktion des Gewässers. Der Ritterweiler ist ein technisches Gewässer, weil er 1962 als Regenüberlaufbecken angelegt wurde und heute noch von der Stadt als solches unterhalten wird. Der Status bleibt unverändert, auch wenn mittlerweile der örtliche Angelverein den Teich als sein Revier nutzt und dort Erholungsuchende verweilen.

„Bürger haben gedroht, die Stadt zu verklagen, sollte kein Zaun aufstellt werden“, sagt Schwander. Gleichwohl nicht bekannt sei, dass es in den vergangenen Jahrzehnten am Ritterweiher, in dessen Nähe auch der Verkehrsspielplatz liegt, zu einem Zwischenfall gekommen sei. Die besorgten Eltern und Großeltern hätten die Einfriedung mit Hinweis auf das Unglück in Neukirchen gefordert.

Um die Situation abzuklären, hat die Stadt mit einem Vertreter der kommunalen Versicherungsgeber eine Begehung vorgenommen. Herausgekommen ist, was auch in Verordnungen zu Verkehrssicherheit von technischen Gewässern zu lesen ist. Darin wird zu einem mindestens 1,25 Meter hohen und überkletterungssicheren Zaun geraten. Laut Schwander habe Bad Vilbel zudem beim Städte- und Gemeindebund eine „rechtliche Begutachtung“ eingeholt. Auch dort kam man zum gleichen Ergebnis.

„Es geht im wesentlichen um den Schutz für Kleinkinder“, sagt Armin Braun, Rechtsexperte bei der GVV-Kommunalversicherung VVaG, der Bad Vilbel angehört. Ansonsten gelte der Aufenthalt an einem Ufer zunächst als allgemeines Lebensrisiko. Bereits vor 20 Jahren sei den Kommunen empfohlen worden, die Sicherheit offener Gewässer zu prüfen und je nach örtlicher Lage sowie Nähe von Kindereinrichtungen entsprechend zu sichern. Schilder aufstellen, reiche nicht aus, um die Stadt und in Person den Bürgermeister aus der Haftung zu befreien, so Braun. Grundsätzlich gelte, gleich ob es sich um einen Teich mit oder ohne Zaun handelt, auch die Eltern seien nicht aus ihrer Aufsichtspflicht entlassen.

Allerdings trifft die Zaunpflicht nicht für alle Gewässer zu, wo sich Kinder aufhalten. Wäre der rund 3000 Quadratmeter große und bis zu 1,5 Meter tiefe Ritterweiher nur ein Angel- und Freizeitteich, sehe laut Stadt Bad Vilbel die rechtliche Lage anders aus. Gleiches gelte für alle natürlichen Gewässer. Ein technischer Schutz beidseitig der Nidda etwa auf dem bisweilen stark frequentieren innerstädtische Uferabschnitt ist daher nicht nötig.

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