1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wetterau
  4. Bad Vilbel

Vorsicht, erfundene Rechnungen!

Erstellt:

Von: Patrick Eickhoff

Kommentare

wpa_image220ZM80J_161222_4c_2
Wer eine Überweisung tätigt, sollte genau darauf achten, von wem die Rechnung ist. dpa © DPA Deutsche Presseagentur

Fake-SMS, WhatsApp-Nachrichten und falsche Rechnungen. Gerade in der Vorweihnachtszeit versuchen Betrügende alles, um an Kontodaten und Geld ihrer Opfer zu kommen. Kriminalhauptkommissarin Sylvia Jacob vom Polizeipräsidium Mittelhessen gibt Tipps und erklärt, wie man Betrügereien nicht auf den Leim geht.

Der Gang an den Briefkasten in der Vorweihnachtszeit hat einen Leser aus Bad Vilbel schockiert. Deshalb wendet er sich an diese Zeitung. „Ich sollte eine Rechnung über 487,60 Euro bezahlen, dabei habe ich doch gar nichts gekauft.“ Das Schreiben ist clever formuliert, „sodass es Menschen, die von Jura keine Ahnung haben, erschrecken und zur Zahlung veranlassen könnte“, schreibt er. Es stellte sich heraus: Firma und Rechnung sind erfunden - also Betrug.

Mit solchen Maschen kennt sich Kriminalhauptkommissarin Sylvia Jacob aus. „Sollte eine Rechnung im Briefkasten sein, die einem gänzlich unbekannt ist, sollte man zunächst überlegen, hat man dort wirklich etwas gekauft“, sagt sie. Die nächsten Schritte müssten die Überprüfung der Firma sowie des Kontos sein. „Wenn das im Ausland liegt und es kein Impressum oder Ähnliches gibt, weiß man, dass es sich um Betrüger handelt.“

Die kriminalpolizeiliche Beraterin, die auch regelmäßig Vorträge bei Vereinen, in Seniorenheimen und bei anderen Institutionen hält, warnt aber davor, den Brief einfach wegzuwerfen. „Sollte sich ein Inkassobüro melden, kann es auch sein, dass jemand auf meinen Namen etwas gekauft hat. Das muss abgeklärt werden.“ Man müsse selbst recherchieren: Gibt es das Inkassobüro tatsächlich, stimmen die Kontaktdaten und die Bankverbindung mit dem tatsächlichen Inkassobüro überein?

Die Betrugsmaschen würden derweil immer kreativer. „In der Weihnachtszeit kommen dann auch SMS mit dem Inhalt, dass ihr Paket gleich ankommt, man könne durch das Anklicken eines Links den Weg des Paketes verfolgen“, sagt Jacob. Das werde dann komplex, wenn der Empfänger wirklich auf ein Paket warte. „Gerade in der Zeit des Online-Handels wird viel bestellt, und die Menschen warten auf viele Pakete. Dann kommt auf einmal eine SMS. Das ist sehr gefährlich.“ Jacob weiß, dass man in der Datenflut auf dem Smartphone dann auch mal einen Link anklickt, ohne genau zu überprüfen, woher dieser komme. „Wenn es passiert ist, dann am besten erst mal in den Flugmodus schalten und eine Virenscanner-App laufen lassen.“ Das könne auch mal bis zu einem Tag dauern. „Aber es hilft.“

BERATUNGSSTELLE

Tipps, Informationen und Angebote gibt es auf der Homepage der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Sie ist erreichbar unter der Adresse: www.polizei-beratung.de/startseite- und-aktionen/

Die Kriminalität verlagere sich immer öfter ins Internet. So haben die Betrugsversuche beim Messenger-Dienst WhatsApp zugenommen. Dort erhalten Nutzer eine Nachricht mit „Hey Mama/Papa, ich habe eine neue Nummer, da mein altes Handy kaputtgegangen ist.“ Das habe es sehr häufig gegeben. „Die Täter passen ihre Methoden an“, sagt Jacob. So könnten sie auf Nachfrage meist keinen Namen nennen. „Sie antworten dann ‚deine jüngste Tochter‘ oder ‚dein ältester Sohn‘, aber sie haben eigentlich keine Infos.“ Das Prinzip hätten sie vom sogenannten Schockanruf am Telefon übernommen. Dieser ähnelt dem allseits bekannten Enkeltrick oder dem „falschen Polizeibeamten“. „Am Telefon wird so getan, als kenne man die Person.“

Der angebliche Sohn oder die angebliche Tochter behaupte nun, dass er oder sie kein Online-Banking machen könne, da ja das alte Handy kaputt sei, man aber eine wichtige Rechnung überweisen müsse. Daher würden Vater oder Mutter gebeten, die Rechnung vorab zu überweisen. „Dabei wird so ein Druck ausgeübt, dass nicht hinterfragt wird, mit wem man es gerade eigentlich zu tun hat.“

Wichtig sei deshalb, dass immer erst persönliche Rücksprache mit dem angeblichen Verwandten gehalten werde. „Niemals aufgrund einer solchen WhatsApp Geld überweisen“, sagt Jacob. „Wenn sich jemand ohne Angabe des Namens bei Ihnen meldet, sofort misstrauisch werden. Beenden Sie den Kontakt oder reden Sie den Täter mit einem Ihnen unbekannten Namen an und warten Sie mal, wie der Täter reagiert. Dann merkt man sehr schnell, ob man es mit einem Betrüger zu tun hat.“

Jedenfalls gelte eines: „Wer am Ende doch Geld überwiesen hat, soll sich bei der Polizei melden.“ Diese kann nur reagieren, wenn sie Kenntnis von der Straftat hat. Jacob sagt, dass man für jeden Hinweis dankbar sei. Auch wenn es schwer sei, die Täter zu ermitteln, „da sie meist im Ausland sitzen“.

Auch interessant

Kommentare