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Klimaopfer: Der Bad Vilbeler Stadtwald leidet schwer an der Hitze und Dürre.

Bad Vilbel

Der Bad Vilbeler Stadtwald leidet schwer unter dem Klimawandel

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Revierförster Helmut Link berichtet im Bad Vilbeler Umweltausschuss über den derzeitigen Zustand des Waldes. Dem steht eine tiefgreifende Veränderung bevor. Es bedarf Baumarten, die der zunehmenden Hitze und deren Folgen trotzen können.

Der Bad Vilbeler Stadtwald muss in den kommenden Jahrzehnten einen erheblichen Wandel erleiden, um die von Menschen gemachte Klimakatastrophe zu überstehen. Das ist das Fazit von Revierförster Helmut Link, der am Dienstagabend vor dem Planungs-, Bau- und Umweltausschuss über den Zustand des Forstes berichtete. Lange Hitze- und Dürreperioden verlangen einen Umbau des Waldes mit anderen Baumarten. Das kostet viel Geld. Stadtrat Klaus Minkel (CDU) versicherte: „So lange ich die Verantwortung für den Vilbeler Stadtwald habe, wird es an finanziellen Mitteln nicht fehlen, um den Wald zu erhalten“.

„Die Buche hat noch eine tolle Krone, aber sie ist zum Sterben verurteilt“, sagte Link. Die Anzeichen erkennt der Fachmann im Befall mit dem Buchenborkenkäfer oder den Austritt von „Buchenschleim“ am Stamm. Der Fichtenbestand, der im 171 Hektar großen Stadtforst in eher klein ist, ist bereits komplett abgängig. Einige Bäume seien so trocken, dass selbst der Borkenkäfer von ihnen lasse, so Link. Bei der Esche ist der Indikator die laubarme bis -freie Krone. Ob des Klimas haben etwa Ahorn und Buche auch nicht mehr die Kraft, sich gegen zerstörerischen Pilzbefall zu wehren. „Buchen splittern dann bei Belastung wie Glas“, sagte Link.

In diesem Jahr seien allein 400 Festmeter für die Wegsicherung gefällt worden. Der Stadtwald wird seit den 1980er Jahren nicht mehr bewirtschaftet, sondern als Erholungsort gehalten. Link: „Abseits der Wege sieht es schlimm aus.“ Mangels Personal werde dieser Zustand anhalten.

Stadtwald hat ein Verjüngungsproblem

Der eichen- und buchenlastige Stadtwald hat zudem ein Verjüngungsproblem. Rund zwei Drittel der Bäume sind mehr als 120 Jahre alt. „Es besteht eine völlige Schieflage“, urteilte der Förster – eine Folge früherer Bewirtschaftung. Das hohe Baumalter sei auch mit Blick auf die CO2-Aufnahme ungünstig. Flächenstilllegung und warten bis Bäume absterben, sei zudem für das Klima nicht gut, weil sie dann CO2 wieder freisetzten. Das Verbauen in Häusern oder zu Möbeln wäre die beste Art, der dauerhaften CO2-Bindung.

Die Eiche wird auch weiterhin im Stadtwald eine Zukunft haben, aber eher als Flaumeiche. Die Art gibt es in Deutschland derzeit jedoch nur auf 200 Hektar bei Freiburg, so Link. Die Fichte könnte ihre Nachfolgerin in der Küstentanne finden, die zwar im Winter dem Wald Grün gibt, aber wegen schwammigen Jahresringen der Holzindustrie kaum nutzen bringt. Die Douglasie scheint die bessere Alternative zu sein, aber auch sie hat ihre Schattenseite.

So oder so, der Waldumbau braucht Zeit. Zwei Förstergenerationen kann das dauern. Unbekannt ist für Link, in wieweit das Ökosystem Wald, in dem Fauna und Flora in Symbiose existieren, einen radikalen Umbau mitmachen wird.

Clemens Breest, Stadtverordneter der Grünen, fragte, ob mit dem Report nicht eine andere Intention verfolgt werde, denn gestern sei mit dem Wald noch alles in Ordnung gewesen, heute soll es genau anders sein? Die Entwicklung sei schneller gekommen als erwartet und habe alle überrollt, so Link. „Wir gehen einfach in den Wald. Dort wird es ihnen Angst und Bange“.

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