Regine Walkenhorst und Silke Zuschlag (r.) beladen den Transporter des Ortsvereins mit Säcken aus den DRK-Altkleidercontainern. 
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Regine Walkenhorst und Silke Zuschlag (r.) beladen den Transporter des Ortsvereins mit Säcken aus den DRK-Altkleidercontainern. 

Bad Vilbel

Bad Vilbel: Blutspende trotz Corona-Zeiten

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Das Deutsches Rotes Kreuz verschärft die Auflagen. Der DRK-Ortsverein Bad Vilbel leidet unter Geldnot.

So manche Erledigung kann in der Corona-Zeit aufgeschoben werden, nur Blutspenden nicht. Der DRK-Ortsverein Bad Vilbel hält daher an seinen monatlichen Turnus zum Blut spenden fest. Im April waren die Auflagen schon hoch, nun sind die Sicherheitsvorkehrungen gegen das hoch ansteckende Virus verschärft worden. Silke Zuschlag, Leiterin des DRK-Bereitschaftsdienstes, rechnet wieder mit einer guten Beteiligung. Weniger optimistisch äußert sie sich über die Situation des Ortsvereins, der an seine finanzielle Reserven gehen muss, um laufende Ausgaben zu zahlen. Wegen Corona sind nahezu alle Einnahmen weggebrochen. Zurzeit wird der Anspruch auf staatliche Nothilfe geprüft.

Zuschlag ist seit Tagen im Organisationsstress. „Wir können am Donnerstag den Blutspendetermin nur unter den höchsten Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen im Kultur- und Sportforum laufen lassen“, sagt sie. Der Eingang wird zur Schleuse für den Weg in die Halle umfunktioniert. Potenziellen Spendern wird dort die Körpertemperatur gemessen. Lassen die Temperatur und die Antworten auf die Frage zum gesundheitlichen Zustand keinen Coronaverdacht aufkommen sind die Hände zu desinfizieren und ein Mundschutz wird ausgehändigt. Erst dann ist der Weg zur Anmeldung frei.

Der Termin

Die Blutspende des DRK ist am Donnerstag, 7. Mai, von 15.45 bis 20 Uhr in Kultur- und Sportforum Dortelweil.
Wegen Corona ist eine Anmeldung nötig (terminreservierung.blutspende.de/m/badvilbelkulturforum), ansonsten ist Wartezeit oder Rückweisung möglich.

Gesucht werden zum späteren Termin geheilte Covid-19 Patienten als Spender für Antikörper-Therapien, Anmeldung unter Telefon 0800 / 100 406 6. sun

„Dort sitzen zwei Helfer des DRKs mit Vollgesichtsschutz, das ist neu“, sagt Zuschlag. Neu ist auch, dass es keine Ruhebetten für die Erholung nach der Spende gibt. „Die Personen bleiben solange wie nötig auf den Spenderliegen. Auf kurzem Weg durch eine Seitentür verlassen sie dann den Raum.“ Laut Vorgaben wird nunmehr auch die Stärke des DRK-Teams reduziert, auf fünf. „Um das Risiko für die ehrenamtlichen Helfer gering zu halten, sind wieder DRK-Aktive in den Zwanzigern und ohne Vorerkrankung dabei.“

Ob das Coronavirus über das Blut weitergegeben werden kann, davon wird derzeit nicht ausgegangen. Das Paul Ehrlich-Institut sieht keinen begründeten Verdacht und stützt sich hierbei auf Untersuchungen an Infizierten mit und ohne Symptomen. Zuschlag bewertet die Übertragungsgefahr auch aus anderer Sicht als gering. „Blutspender sind gesundheitsbewusst und setzten sich jetzt nicht einem erhöhten Infektionsrisiko aus.“ Sie lassen sich auch nicht vom Spenden eines halben Liter Lebenssaft in der Pandemiezeit zurückhalten. Im April waren es rund 140 Spender, gewöhnlich sind es um die 150.

Für den DRK-Ortsverein mit seinen knapp 40 Aktiven ist seit März jedoch eine bittere Zeit angebrochen, die vermutlich bis Jahresende anhalten wird – nicht nur weil Schulungen, Jugendarbeit und Seniorennachmittage wegfallen. „Wir werden 2020 keine Sanitätsdienste mehr leisten können, nicht bei Burgfestspielen, beim Vilbeler Markt oder beim Hessentag“, sagt Zuschlag. „Alles abgesagt. Das tut weh!“ Der Verein finanziert sich selbst, heißt es. In vierstelliger Höhe seien jeden Monat Ausgaben für Fahrzeuge und Miete etwa für den Kleiderladen fällig. Letztere Institution ist seit März geschlossen und trägt somit ebenfalls nicht zum Unterhalt bei. Der Laden könnte mittlerweile wieder geöffnet werden. „Ich habe mich jedoch dagegen entschieden, weil die dort ehrenamtlich tätigen Frauen fast alle über 60 sind“, sagt Zuschlag.

Die Hände in den Schoß legt das Ladenteam nicht. Hunderte Mundschutzmasken werden genäht, die an Rettungskräfte kostenlos verteilt und über eine Apotheke und einen Bäcker für fünf Euro verkauft werden. Nach Abzug der Mehrwertsteuer reichten Einnahmen, um die Materialkosten zu decken. Im Kleiderladen wird „still gearbeitet“ etwa vorsorglich das Sommersortiment in die Regale geräumt. Überdies werden die Säcke aus den DRK-Altkleidercontainer sortiert. Die 13 Container in der Stadt müssten nun fast täglich geleert werden, weil derzeit viele Sammelstellen von anderen Institutionen geschlossen seien.

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