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Entwurf des Kombibads in Bad Vilbel. (Archiv)

Bad Vilbel

Streit um geändertes Kombibad

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SPD und Grüne lehnen wegen eklatanter Nachteile diesmal den Bebauungsplan für das Kombibad ab. Damit bleibt der Baubeginn unklar.

Die Fraktionen von CDU, FDP und Freien Wählern haben am Dienstagabend im Stadtparlament der umstrittenen Änderung im Bebauungsplan für das Kombibad im Stadtteil Massenheim zugestimmt. Der Investor, die Wund-Gruppe in Friedrichshafen, hatte diese Änderungen gefordert. Demzufolge wird etwa das Hauptgebäude auf eine Etage reduziert, der Rutschenturm auf mehr als 40 Meter erhöht und das geplante Hotel mit mehr als 200 Betten gestrichen, ebenso – vorerst – das kommunale Freibad. Das kommunale Hallenbad ist jedoch noch im Plan enthalten.

Die Wund-Gruppe baut und betreibt bundesweit Spaßbäder. Das Projekt in Bad Vilbel war nach dem plötzlichen Tod von Investor Josef Wund Ende 2017 ins Stocken geraten. Nicht zuletzt, weil am Amtsgericht Tettnang noch die Erbfolge geklärt werden muss. Damit ist der Baubeginn auch nach dem jetzigen Parlamentsbeschluss offen. Den Schwimmern bleibt derzeit nur das veraltete Freibad. Das Hallenbad wurde im vergangenen Sommer trotz der Ungewissheit beim Kombibad abgerissen, da der Platz für eine neue Stadthalle benötigt wurde, die zum Hessentag 2020 fertig werden sollte. Das stellte sich bald als Utopie heraus.

SPD und Grüne stimmten vor rund drei Jahren dem ersten Bebauungsplan zu. „Die Vorteile waren größer als die Nachteile“, sagt Grünen-Fraktionschef Jens Matthias heute. Mit der aktuellen Änderung hätten sich „wesentliche Eckpfeiler verändert“. Was der überarbeitete Plan nun zeige, lasse einen schaudern – wie der erhöhte Rutschenturm, der benachbarte Hochhäuser überrage. Ebenso die um 200 000 Gäste auf 1,3 Millionen Besucher im Jahr angehobene Prognose oder das Verkehrsgutachten, das nicht auf den aktuellen Verhältnissen basiere. Die Ablehnung erfolge auch, weil ein- statt zweigeschossig gebaut und das Gelände von sechs auf zehn Hektar vergrößert werde. „Jeder Quadratmeter ist für das Klima zu schützen“, so Matthias. Er fordert zudem eine Neuberechnung der erwarteten Einnahmen für die Stadt in Höhe von 5,5 Millionen Euro.

Die SPD-Liste der „signifikanten, negativen Änderungen“ in der Bebauungsplanänderung liest sich gleich. Dazu zählt ebenso der Verlust eines Schulwegs, der auch als kurze Radlerverbindung in die Kernstadt fungiert. Mit der 700 Meter langen Ersatzstrecke werde sich der Schulweg verdoppeln, sagt SPD-Fraktionschef Christian Kühl. Bedenken hat er zudem wegen der Homburger Straße, an der die Badzufahrt liegt. Die Straße erreiche zu den Spitzenzeiten schon jetzt ihre Belastungsgrenze. Das von der Stadt vorgelegte Gutachten basiere nicht auf der aktuellen Verkehrssituation.

Die Befürworter des Kombibads weisen die Bedenken zurück, etwa beim Verkehrsaufkommen. Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) weist die Kritik am Verkehrsgutachten zurück, weil die Stadt mit bisherigen Prognosen stets richtig gelegen habe. Die Gegner würden nur Ungereimtheiten in das Gutachten hineininterpretieren. Der zuständige ehrenamtliche Stadtrat Klaus Minkel (CDU) sagt, der Verkehr zum Bad werde antizyklisch zu den Pendlerströmen verlaufen. Man suche nach Lösungen, die Verkehrsbelastung auf der „Homburger“ so gering wie möglich zu halten.

Der Magistrat macht deutlich, dass das Bad eine hohe Relevanz für die Stadt besitzt. „Es ist ein Projekt, bei dem sich andere Städte die zehn Zehen nach lecken würden“, sagt Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU). Außerdem erhalte Bad Vilbel ein kommunales Hallenbad, bei dem sich die Stadt um Defizite bei den Betriebsausgaben keine Sorgen mehr machen müsse, weil die von der Wund-Gruppe getragen würden. Oliver Junker (CDU) fordert auch von SPD und Grünen Zustimmung, um ein „klares Signal für den Bau der Therme zu senden“. Der Wund-Stiftung als mögliche Erbfolgerin solle damit das Vertrauen ausgesprochen werden.

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