+
Kleiderbasar

Kleiderbasar

Stöbern nach dem Schnäppchen in Bad Vilbel

  • schließen

Der Heilsberger Damen- und Herrenkleidermarkt wird immer beliebter.

Blusen, Hemden, Jacken, Pullover, Tücher, Schals, Jeans, Abend- und Cocktailkleider, Accessoires wandern durch viele Hände, werden mit Kennerinnen-Blick befühlt, begutachtet, verglichen, in die Höh' gehalten. Derweil klingelt am Eingang die Kasse und viele der mehr als 30 Helferinnen und Helfer machen zufrieden-freundliche Gesichter. Am Samstag ist wieder der Heilsberger Damen- und Herren-Kleiderbasar für einen guten Zweck in der Sporthalle angesagt. Denn 15 Prozent des Verkaufserlöses eines Stücks sind zu spenden. Das ist Gesetz.

Punkt 13 Uhr öffnet die Halle und der Ansturm bricht los. Mehr als 190 Personen dürfen nicht rein – Sicherheitsauflage. 15 Uhr ist Schluss. Provisorische mit Tüchern verhängte Anprobekabinen sind aufgestellt und werden fleißig genutzt. Es gibt eine Extra-Kabine für „hochwertige Schätze”, wie eben Abendgarderobe. Frauen sind bei der Schnäppchenjagd deutlich in der Überzahl. „Ich will nur stöbern, man braucht ja eigentlich nix", bekennt Petra Blechschmidt aus dem nahen Frankfurt-Bonames fröhlich und stürzt sich ins Gewusel. Zig-Tausende Kleidungsstücke werden feilgeboten, für alle Größen alle Geschmäcker, teils hochwertig und günstig.

Frauen in der Überzahl

Einzelne, verloren wirkende Männer stehen herum. Wie etwa Thomas Bogdoll mit dem blau-karierten Hemd in der Hand und der dick mit Beutegut befüllten Ikea-Tüte zwischen den Füßen. „Ich wurde halt so mitgeschleift", lacht er während seine Begleiterin noch in den Tiefen der Kleiderstapel, Ständerreihen und Wühltische auf der Pirsch ist. Beide seien geübte Flohmarktgänger, erzählt der Reichelheimer. Die Scheu, gebrauchte Kleidung zu kaufen, sei zurückgegangen, analysiert er. „Es ist ein Markt geworden. Und wir sind Schnäppchenjäger. Das ist Hobby und der Samstagnachmittag bietet sich dazu bestens an.” Und dieser Basar sei angenehm, gediegen, überschaubar und familiär. Zum ersten Mal ist er da.

Das geänderte Bewusstsein bestätigt Steffi Meffert, Oberorganisatorin des Basars, hinter dem eine ebenso aufwendige, wie ausgeklügelte Logistik steckt. Gefeilscht werden kann nicht, es gibt Festpreise. Die Verkäufer müssen auch nicht dabei sein, denn sie geben freitags ihre Sachen ab, zahlen 8 Euro Gebühr und bekommen eine Verkaufsnummer. Unverkauftes wird Samstagabend wieder abgeholt. „Es ist eine Win-Win-Situation. Die Verkäufer bekommen ihren Kleiderschrank leer, die Käufer machen Schnäppchen und tun damit auch noch Gutes." Und es sei ein Zeichen gegen Wegwerfmentalität und für Nachhaltigkeit. „Wir achten auch auf Qualität und Zustand. Beschädigtes oder Müffelndes wird aussortiert." Pflicht seien auch selbstgebackene Kuchen für die üppig ausgestattete Cafeteria sowie ein Infostand des jeweiligen Spendenempfängers.

Angefangen hatte alles vor 20 Jahren mit einer Gruppe junger Mütter, die beschloss, einen Kindersachenbasar aufzuziehen. Dann kam die Idee zum Second-Hand-Markt für Erwachsenen-Bekleidung hinzu. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe”, erinnert sich Steffie Meffert.

Inzwischen gibt es alljährlich einen Frühjahrs- und einen Herbstbasar. Der Herbstmarkt ist am Samstag, 26. Oktober, der Kindersachenmarkt eine Woche vorher. Tendenz wachsend. Alle Helferinnen stimmen stets neu ab, welche soziale Institution den Spendenerlös bekommen soll.

Knapp 400 Besucher, einen Umsatz von 7000 Euro und einen Spendenerlös von 1600 Euro bilanziert Steffie Meffert am Sonntagnachmittag. In diesem Jahr geht die Spende an den Verein zur Förderung mehrfach schwerstbehinderter Menschen und ihrer Familien Philip Julius.

www.philip-julius.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare