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Unter dem Titel „Der rote Berg“ wird Schultheiß Bermann alias Eckhardt Riescher  über Stock und Stein in Vilbels „Bergwelt“ führen. 

Bad Vilbel

Neues Stadtführungskonzept in Bad Vilbel

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Ein neues Stadtführungskonzept in Bad Vilbel zeigt neue Facetten - ein Thema ist die Geschichte der Steinbrüche.

Umgeben von bis zu knapp zehn Meter hohen Felswänden steht Eckhardt Riescher in der historischen Rolle des Schultheiß Matthias Bermann in entsprechender historischer Kostümierung mit schwarzem Gehrock und Dreispitz auf dem Haupt sowie, seinerzeit für einen Mann von Stand gemäß, mit hochhackigen Schuhen auf dem Wiesengrund. Er ist nicht allein von mächtigen Schichten rotem Sandsteins umgeben, die sich nach oben zum Rand hin als Lagen mit Steinen und Erde auflöst, sondern auch von einer Schar Zuhörern. Riescher führt im Auftrag des Vereins für Geschichte und Heimatpflege durch die Stadt. Doch mit einem neuem Konzept will der Verein Heimatkunde nicht allein innerhalb der Kernstadtbebauung bieten. Daher leitet Riescher alias Bermann am Samstag erstmals auf und gewisserer Weise auch in den Roten Berg.

„Hier standen zwei Fußballtore, damals war die Fläche noch nackter Fels“, beschreibt einer der Mitgeher seine Kindheitserinnerungen an das riesige Loch, dass der Sandsteinabbau am Roten Berg hinterlassen hat. Es war einer der drei großen Steinbrücke oberhalb des Grünen Wegs. „Über die Jahrzehnte wurde dort ein ganzer Hang abgetragen“, sagt Riescher. Am Roten Berg wurde mutmaßlich bis 1906 der Rotliegende, ein Sandstein mit mehr als 200 Millionen Jahre Geschichte, gebrochen - nach ungesicherten Aussagen sogar bis in die 1930er Jahre. Gewiss ist hingegen, dass die Römer aus der Hangseite der Stadt Fels holten, um ihn zu Bausteinen zu schlagen und per Boot über die Nidda in die Provinzhauptstadt, dem heutigen Frankfurt-Heddernheim, schifften.

Die neuen TourenStadtführungen bietet der Verein für Geschichte und Heimatpflege zu verschiedenen Themen.

„Von großen und kleine Schurken“ handelt die Führung am 26. Oktober,, 18 Uhr ab dem Bäder- und Brunnenmmuseum. Es ist die vorletzte Führung in diesem Jahr. sun

Laut Riescher wurde Material aus dem Vilbeler Berg etwa auch für den Bau der Wasserburg und vieler Häuser der Kernstadt geholt. Genauer für die Gebäude entlang der Frankfurter Straße, die bis weit im 19. Jahrhundert die Stadt bildeten. Riescher hält an einem Haus vis-a-vis dem einstigen Gasthaus „Goldener Engel“. Das derzeit eingerüstete Haus zeigt auf den putzfreien Flächen der Fassade anschaulich den Rotliegenden vom Stadtrand. Das Mauerwerk besteht aus mächtigen Quadern.

Jenseits der „Frankfurter“ finden sich heute zumeist nur noch versteckte Hinweise aus der Zeit der Steinbrüche, über die Riescher berichtet. Und dabei lässt er das Gesagte gerne von Alt-Vilbelern ergänzen, die etwa aus ihren Kindertagen den Grünen Weg noch ohne Bebauung kannten und die Narben in der Landschaft durch den langjährigen Steinabbau noch deutlich zu sehen waren. Mit der Terrassierung des Südhangs begann die Bebauung. „Manche Grundstücke wurden förmlich in den Fels geschlagen“, sagt Riescher am steilen Abschnitt der Hanauer Straße.

Die drei letzten großen Steinbrüche blieben jedoch weitgehend unberührt. Einer wurde beizeiten von den Pfadfindern Bieber zu ihrem Idyll gemacht. Der zweite liegt unweit in Stück im Wingert ebenso wie der dritte, der Rote Berg - und der hatte auch Bekanntheit bei Weintrinkern im Ort. Mindesten bis 1874 wurde auf dem Wingert an Steinbruch Wein angebaut und unter dem Etikett „Rother Berg“ verkauft. Es war eher ein sauer Tropfen für arme Leut‘ oder es wurde daraus Weinbrand gemacht, sagt Riescher. Dichte bewachsene Streuobstwiesen, Kleingärten und labyrinthartige Pfade bestimmen heute das Gelände. Nur die Aussicht geht von dort wie eh und je weit ins Land.

www.geschichtsverein-bad-vilbel.de

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