Stadtentwicklung

Stadt plant neues Gewerbegebiet

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Die Grünen in Bad Vilbel kritisieren die Überbauung von Ackerland in Dortelweil und fordern mehr Transparenz sowie Bürgerbeteiligung bei der Planung.

Die Grünen hatten im vergangenen September offenbar den richtigen Riecher, als es im Stadtparlament darum ging, Flächen am städtischen Betriebshof im Stadtteil Dortelweil zu kaufen und für eine Theaterwerkstatt umzuwidmen. Sie stimmten als Einzige dagegen, obwohl sie gegen den Neubau nichts einzuwenden hatten. Aber: „Die Stadt nutzt die Theaterwerkstätten als trojanisches Pferd, um neues Bauland zu gewinnen“, argwöhnte Peter Paul von den Grünen damals und sollte Recht behalten.

Nun soll dort ein Gewerbegebiet entstehen. Welche Größe es genau haben soll, ist nicht zu erfahren. In einer Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses soll Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) von sechs, sieben Hektar gesprochen haben. Der für das Bauen zuständige Stadtrat Klaus Minkel (CDU) teilt auf FR-Anfrage mit: „Zur genauen Größe sind erst nach Abschluss der Kaufbemühungen Aussagen möglich. Es sind wenige Hektar.“ Zurzeit kauft die Stadt Flächen auf.

Die Stadt begründet ihre Entscheidung, ein weiteres Gewerbeareal in nicht unproblematischer Verkehrslage zu entwickeln, damit, das ansässige Betriebe mit Kernstadtlage expandieren wollten. Die bestehenden Gewerbegebiete wie auch das jüngste „Am Stock“ im Stadtteil Massenheim verfügten über keine entsprechenden Freiflächen mehr. Laut Bürgermeister Stöhr soll sich mit dem neuen Gelände ein doppelter Effekt einstellen: Die Firmen könnten bei Schaffung von mehr Arbeitsplätzen in der Stadt gehalten werden, und die aufgegebenen innerstädtischen Lagen würden frei für Wohnraum. Als Beispiel führte Stöhr das Gebiet „Am Stock“ an.

Schwierige Verkehrslage

Welche Firmen an den künftigen Gewerbestandort ziehen sollen, will Minkel zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen - zumindest so lange nicht, bis Baurecht besteht. Es werde „vorzugsweise nicht störendes Gewerbe“ und kein innenstadtrelevanter Handel einziehen.

Die Verlagerung von Betrieben ist für die Grünen ein „konstruiertes Argument“. Die Koalition aus CDU und FDP zeige wieder einmal eine verengte Wirtschafts- und Stadtpolitik, bei der es um mehr Gewerbesteuer statt um den Erhalt von Ackerland gehe, sagt Grünen-Chef Clemens Breest. „Die Stadt soll vorrangig noch freie innere Flächen berücksichtigen, bevor sie den Außenbereich bebauen lässt“, sagt er. In Dortelweil etwa gebe es eine solche Fläche an der Durchgangsstraße.

Überdies halten die Grünen den geplanten Standort wegen des zusätzlichen Verkehrs für problematisch. In der Nähe liegt die Europäische Schule mit weit mehr als 1000 Schülern, wo es zu Unterrichtsbeginn und -ende wegen der vielen „Elterntaxis“ stets zu einem Verkehrskollaps kommt und Pendler auf die Straßen der Wohnquartiere ausweichen. Anwohnerbeschwerden haben die politischen Gremien schon erreicht. Laut Minkel soll die Verkehrsfrage bei der Bauleitplanung erörtert werden, „sobald der Grunderwerb abgeschlossen ist“.

Die Grünen sehen nicht nur in diesem Punkt Intransparenz bei dem Vorhaben. „Die Pläne müssen jetzt vollständig öffentlich gemacht werden, erst recht für den Ortsbeirat“, sagt Breest. Auch fordere seine Fraktion eine „frühzeitige Bürgerbeteiligung“.

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