Silke Zuschlag wünscht sich, dass Päckchen für Bedürftige eine persönliche Widmung enthalten.
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Silke Zuschlag wünscht sich, dass Päckchen für Bedürftige eine persönliche Widmung enthalten.

Bad Vilbel

Spenden für Leib und Seele

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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DRK sammelt Kleidung und Weihnachtsgeschenke für Obdachlose in Frankfurt.

Silke Zuschlag, Bereitsschaftsleiterin des Deutschen Roten Kreuz Bad Vilbel, ist eine umtriebige Person. Sie hat viele Sozialprojekte in der Stadt aus der Taufe gehoben, wie den DRK-Kleiderladen. Nun hat Zuschlag ein neues Projekt mit dem DRK gestartet, das über die Stadtgrenze hinaus geht, es hat die Obdachlosen in Frankfurt im Blick. Um diesen Menschen über den Winter zu helfen, sammelt sie mit dem DRK warme Sachen. Zudem fordert sie die Bad Vilbeler Bürger:innen auf, Weihnachtspäckchen zu stiften.

„Ich habe aus meinem Bekannten- und Freundeskreis schon 60 Schlafsäcke und einige Isomatten nach Frankfurt liefern können“, berichtet Zuschlag. Es würden jedoch noch viel mehr genötigt, sagt sie. Ersatz sei wichtig, weil die Schlafsäcke draußen schnell verschleißen und stark verschmutzen. Überdies sei der Bedarf an dicken Jacken, warmer Unterwäsche, Handschuhe, Mützen und Schuhen groß, sagt Zuschlag. Um die Sachspenden anzunehmen, wurde eigens am DRK-Haus eine Sammelstelle eingerichtet, die zwei Mal in der Woche geöffnet ist.

Die Idee kam Zuschlag im vergangenen Jahr. „Wir hatten Frankfurter Obdachlose bereits im kleineren Maß unterstützt, auch mit Wintersachen aus der saisonalen Räumung des Kleiderladens“, sagt sie. Mit der Corona-bedingten Schließung des Secondhand-Ladens, den Zuschlag vor elf Jahren gründete und noch heute leitet, war die Zeit vorhanden, um dem Projekt Fahrt zu geben. Die DRK-Frau nahm Kontakt zu Frankfurter Hilfsorganisationen „Teestube Jona“, „Weser 5“ und „Street Angels“ auf, die sich um Obdachlose kümmern, „Mittlerweile besteht zu allen dreien ein enger Kontakt. Vor dort erfahren wir auch, was benötigt wird“, sagt Zuschlag. Auch die Bahnhofsmission habe sich gemeldet.

Wie hoch der Bedarf an Hilfe ist, ist zurzeit noch offen. Die Stadt Frankfurt hat von diesem Monat an bis April wieder die B-Ebene der U-Bahnstation „Eschenheimer Turm“ als witterungsgeschützte Übernachtung von 22 bis 6 Uhr geöffnet - unter den aktuellen Hygienemaßnahmen. In den vergangenen Tagen nutzten rund 90 Personen diese Schlafstelle, in der es auch ein Frühstück gibt, sagt Uta Rasche, Referentin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Ungefähr die gleiche Zahl von Personen ziehe es vor, in Geschäftseingängen, Hausnischen oder im Park zu übernachten. Der Kältebus der Stadt sehe nach diesen Menschen und versorgte sie bei Bedarf mit Schlafsäcken, Decken und heißem Tee. Ob die Gesamtzahl der Obdachlosen, die aus 71 Nationen stammen, noch steigen werde, sei fraglich. „In den vergangenen Jahren hat die Zahl zum Weihnachtsmarkt deutlich zugenommen“, sagt Rasche. Wegen Corona fällt die Budenstadt um den Römer jedoch aus, damit auch die Hoffnung auf Spendierlaune beim Betteln oder auf eine Gelegenheitsarbeit bei einem Marktbeschicker.

Silke Zuschlag fordert Bad Vilbeler:innen auf, nicht wärmende Kleidung zu spenden, sondern auch ein Weihnachtsgeschenk für Obdachlose zu geben. Das Paket soll die Größe eines Schuhkartons haben und mit Hygieneartikel für Frauen und Männer bepackt sein, letzter bildeten die größere Zahl der Obdachlosen. Beigelegt werden könne etwa eine Mütze oder ein Schal. Ganz wichtig seien ein paar persönliche Zeilen an den Empfänger, um zu zeigen, dass man an sie denke. „Am Heiligabend habe ich zu meiner Familie gesagt, ich muss jetzt mal eine Moment inne halten, um an meine beiden Beschenkten zu denken“, erzählt Zuschlag.

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