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Die Umstellung auf Spielwaren im Jahr 2012 brachte nicht die erhoffte Wende.
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Die Umstellung auf Spielwaren im Jahr 2012 brachte nicht die erhoffte Wende.

Bad Vilbel Schleenbäcker

Aus für Schleenbäcker

  • Claudia Isabel Rittel
    VonClaudia Isabel Rittel
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Das Traditionsgeschäft Schleenbäcker schließt nach 56 Jahren. Gründe sind das Internet und die Neue Mitte.

Die Eröffnung der Neuen Mitte mit den Filialisten ist nicht der Hauptgrund für die Entscheidung der Familie Schleenbäcker, ihr Geschäft Ende Juni zu schließen. Wohl aber der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

In den vergangenen Jahren lief das Geschäft des einst größten Kaufhauses in der Innenstadt immer schlechter. Grund dafür ist vor allem, dass die Kunden immer mehr im Internet bestellt haben, statt vor Ort. Das hat die Einzelhändler-Familie stark zu spüren bekommen. „Vor allem seit das Internet um das Jahr 2000 herum richtig Gas gegeben hat“, sagt Juniorchef Thorsten Schleenbäcker (36). Die Familie hat das Sortiment mehrfach umstrukturiert und versucht, sich an die Kunden anzupassen. Doch ohne Erfolg.

Als klar wurde, welche Geschäfte in die Ladenzeilen der Neuen Mitte ziehen würden, habe die Familie vor der Wahl von „Pest oder Cholera“ gestanden, sagt der 36-Jährige. Mit dem Filialisten Depot erwuchs eine Konkurrenz fürs Sortiment an Dekorations-Artikeln, mit der Filiale von Müller die Konkurrenz für die Spielwaren. Weil Spielwaren grundsätzlich besser liefen als Deko-Artikel und die Familie zudem Konkurrenz durch den Möbelmarkt Segmüller erwartete, entschied sie sich fürs Spielzeug.

2012 setzte die Familie komplett auf Spielwaren, dachte sich Unterhaltsames für Kinder aus – in der Hoffnung, dass die Kunden den Service zu schätzen wüssten und in Kauf nehmen würden, dass der Preis im Einzelhandel über dem im Onlinehandel liegt. Im Bälle-Bad zum Beispiel konnten Kinder in einem Meer aus Plastikbällen toben. Im ersten halben Jahr sei das auch gut gelaufen, sagt der Juniorchef. „Doch dann kam der Knick“, als Müller vor einem Jahr eröffnete.

Das hat die Familie getroffen. Auch emotional. „Wenn sich Leute mit Müller-Tüten in der Hand vor das Bälle-Bad setzen, stößt einem das schon bitter auf“, sagt Thorsten Schleenbäcker. „Viele Leute denken nicht darüber nach, was ihr Verhalten bewirkt“, sagt der Juniorchef. Zu bedauern sei vor allem die Entwicklung, dass viele Kunden das Fachgeschäft „nur mehr als Showroom für die spätere Onlinebestellung“ sähen. „So richtig kann dafür keiner etwas“, sagt Thorsten Schleenbäcker etwas resigniert. „Das ist der Zahn der Zeit.“

Der für Stadtentwicklung zuständige Stadtrat Rüdiger Wiechers (CDU) pflichtet ihm bei. „Die Menschen müssen mitspielen und hier einkaufen“, sagt er. Sonst werde es mit der Belebung der Innenstadt nichts. Eine Negativentwicklung durch die Neue Mitte sieht er jedoch nicht. „Dass damit Veränderungen einhergehen, ist klar“, sagt er. Dennoch sieht er die Stadt in der Pflicht, nun auch über den Niddaplatz hinaus die Innenstadt aufzuwerten.

Mehr als 45 Jahre war das Geschäft in der Frankfurter Straße in den dafür gebauten Räumlichkeiten. Gegründet hatte es Großvater Kurt Schleenbäcker 1958 – zunächst als Eisenwarenladen in der Friedrich-Ebert-Straße. Der Juniorchef, seine Eltern Christa (59) und Klaus Jürgen (61) stehen jetzt vor einem Neuanfang. Das gleiche gilt für den Mitarbeiter Wolfgang Knöll (57), der 43 Jahre lang in dem Familienbetrieb gearbeitet hat, in dem er auch schon seine Ausbildung zum Eisenwarenhändler gemacht hat.

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