+
Die Jugendfeuerwehr im Einsatz.

Bad Vilbel

Die Retter werden immer weniger

  • schließen

Mehr als 60 Kinder und Jugendliche waren bei der Jahresübung der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt im Einsatz. Der Nachwuchs bleibt im Erwachsenenalter oft nicht bei der Wehr.

Zumeist zu zweit, gelegentlich aber auch zu dritt stemmt man sich gegen den armdicken Wasserstrahl, der aus der von Handschuhen gehaltenen Metallspitze an einem quietschgelben Schlauch geräuschvoll schießt - und gegen eine Betonrampe prasselt. Wenige Meter weiter holen andere Jugendliche verletzte Gleichaltrige auf Tragen über das Treppenhaus aus dem Gebäude einer Landschaftsgärtnerei. „Im Pellettlager des Betriebs ist ein Brand ausgebrochen“, sagt Feuerwehr-Stadtjugendwart Klaus Splittdorf. Mit einem Lageplan vom Einsatzort in der einen und dem Mikrophon des Funksprechgeräts in der anderen Hand beobachtet er die Jahresübung der fünf Bad Vilbeler Kinder- und Jugendfeuerwehren sowie der Jugendwehr Okarben. Nach einer guten halben Stunde ist der vermeintliche Brand unter Kontrolle gebracht und die zwölf auf Brandopfer geschminkten Personen sind von Sanitätern des Jugendrotkreuz versorgt worden. Splittdorf ist zufrieden mit dem Ablauf der Übung an der rund 60 zehn bis 17 Jahre alte Schüler teilnehmen.

Die Übung ist kein Spiel für die Mädchen und Jungen. Konzentriert verfolgen sie die Anweisungen, die etwa ein Einsatzleiter im ähnlichen Alter gibt, kuppeln flink und routiniert Schläuche zusammen oder gehen mit der Atemluftflasche auf dem Rücken geschnallt, die allerdings leer ist, in das Haus, um Personen zu retten. Mario Migdalski, Wehrführer der Kernstadtwache, wünscht sich, dass der Nachwuchs bis ins Erwachsenenalter den Stadtteilwehren erhalten bleibt.

In der Übergangsphase von Schule in die Ausbildung oder in das Studium werde das Engagement oft aus Zeitmangel oder wegen Wegzug aufgegeben. Die Einsatzstärke an freiwilligen Feuerwehrleuten werde immer dünner, so Migdalski. Hinzu komme, dass Bad Vilbel in den nächsten Jahren hinsichtlich der Einwohner- und Gewerbezahl weiter stark wachsen werde. „Das Problem ist nicht so sehr die Größe der Stadt, sondern die damit einhergehende Zunahme der Einsätze“, sagt er.

Schon jetzt werden im Jahr gut 450 Einsätze gefahren, Unfälle wie Brände. Das sei viel. In dem 2016 von den Stadtverordneten beschlossen Feuerwehr-Entwicklungsplan, der bis 2026 gilt, werde der Perspektive Rechnung getragen, indem die Zahl der hauptamtlichen Kräfte, von derzeit sieben auf zwölf erhöht werde. „Zurzeit gibt es laut einer Liste rund 200 aktive freiwillige Feuerwehrleute, die jedoch zum Teil wegen ihres Arbeitsplatzes außerhalb der Stadt an Werktagen nicht einsatzbereit sind“, so Migdalski.

„Wir versuchen Kinder-, Jugendliche oder erwachsene Quereinsteiger etwa beim Tag der offenen Tür, auf Gewerbemessen oder beim Neubürgerempfang der Stadt anzuwerben“, sagt Vize-Stadtbrandinspektor Josef Achmann. Der starke Zuzug in der Stadt spiegele sich nicht in den Anmeldezahlen der Freiwilligen Feuerwehr wieder. Es liege zu einen an der Änderung der Gesellschaft, zum anderen aber auch daran, dass mancher Interessent wegen Familie und Beruf ausgelastet ist. Wer sich verpflichtet, absolviert mindestens 40 Übungsstunden im Jahr, hinzu kommen Lehrgänge und die Einsätze. „Freiwillige Feuerwehr ist wie ein zweiter Beruf“, sagt Achmann. Dabei ist die Bandbreite der Aktiven groß, vom angelernten Arbeiter über Büroangestellte bis hin zu zwei Piloten.

Laut Achmann steht die Kinder- und Jugendwehr zudem in Konkurrenz zu vielen Freizeitangeboten. Für den 13 Jahre alten Max aus Gronau ist es nur eine Frage der Planung, um auf Hobbys nicht zu verzichten. An Tagen, an denen er nicht im Feuerwehrgerätehaus ist, spielt er im Verein Fußball. Seit sechs Jahren ist er bei den Blauröcken. „Ich finde es cool, wenn die Feuerwehr im Einsatz fährt“, sagt er über seine Motivation, der Gronauer Wehr beizutreten. Mit bei den Ersten am Unglücksort zu sein, beim Angrifftrupp, das sagt ihm zu.

Auch beim zehnjährigen Leon war der Auslöser beizutreten die Begegnung mit der Feuerwehr im Einsatz. Tim kam hingegen über Freunde dazu. Der 14-Jährige vereinbart das Hobby neben Schule, Tennis und Trompete. Für ihn steht schon fest, wie es nach der Schule bei der Feuerwehr aussieht. „Ich werde weitermachen“, sagt er mit Bestimmtheit.

www.ff-badvilbel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare