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Rechenzentrum geplant

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Von: Patrick Eickhoff

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So sieht das geplante Rechenzentrum auf dem Computer aus. WV AG © WV AG

Bad Vilbel - Kleiner Antrag, große Wirkung. Gestern stand im Bad Vilbeler Planungs-, Bau- und Umweltausschuss die „14. Änderung Bebauungsplan ‚Krebsschere‘ in Bad Vilbel, Gemarkung Massenheim, nach dem Baugesetzbuch (BauGB)“ auf der Tagesordnung. Was sperrig klingt, ist einfach zu erklären: Bad Vilbel soll ein Rechenzentrum bekommen.

Die Digitalisierung wird wichtiger und wichtiger - und das nicht erst seit die Corona-Pandemie viele Menschen ins Homeoffice nahezu versetzt hat. TV, Streaming, Smartphones und ihre Apps. „Das alles ist ohne schnelles Internet kaum möglich“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Klaus Minkel. „Rechenzentren werden gebraucht und die Nachfrage ist groß.“

Deshalb soll Bad Vilbel ein eigenes bekommen. In der Massenheimer Zeppelinstraße soll das rund 160 Millionen Euro teure Projekt auf 10 000 Quadratmetern realisiert werden. Umgesetzt wird das Projekt von der WV Energie AG, den Stadtwerken, deren Immobilienbetrieb sowie der OVAG. „Der Bauantrag ist bereits gestellt“, sagt Klaus Minkel. Weil ein Rechenzentrum allerdings rund um die Uhr laufen und man sich auch für den Notfall absichern müsse, braucht es Dieselaggregate. „Normalerweise braucht man dafür zwölf Schornsteine, in Bad Vilbel sind es nur drei. Allerdings sind diese 30 Meter hoch.“ Diese Art von Bebauung sei im Bebauungsplan nicht festgeschrieben. Heißt: Das Vorhaben entspricht im Hinblick auf die Höhe der erforderlichen technischen Aufbauten des Rechenzentrums nicht den Festsetzungen des rechtskräftigen Bebauungsplans. „Deshalb wurde die Änderung beantragt.“

Und so versteckt sich hinter der „14. Änderung eines Bebauungsplans“ ein Megaprojekt für die Quellenstadt. Der Stadtwerke-Geschäftsführer Minkel sagt, dass es seit einigen Jahren diese Überlegungen gebe. „Eine geplante Gewerbeansiedlung vor einigen Jahren hat sich zerschlagen. Seitdem ist das Thema. Jetzt haben wir die eine gute Fläche in Massenheim.“

In einem Rechenzentrum ist die sogenannte Rechentechnik - Computer, Speicher, Netzwerkkomponenten - verarbeitet. Außerdem wird die dazugehörende Infrastruktur dort aufbewahrt. Die Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, Kristina Sinemus, hatte Mitte Mai erklärt, dass die Region Frankfurt/Rhein-Main die am schnellsten wachsende Rechenzentrumsregion in Europa sei. Diese Spitzenposition müsse man weiter ausbauen.

Minkel berichtet von einer „gewaltigen Nachfrage“. Der große Internet-Knotenpunkt ist nur acht Kilometer entfernt in Frankfurt. „Und alle wollen so nah wie möglich an diesen Knotenpunkt. Deshalb ist die Lage ideal.“ Er betont: „Auch unser Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir befürwortet diese Entwicklung.“ In Bad Vilbel gebe es viele weitere Vorteile - beispielsweise den Standort. Keine direkten Anwohner, auf einer freien Fläche in einem Gewerbegebiet. „Das war uns ganz wichtig“, so Minkel.

Außerdem spiele auch die Nachhaltigkeit bei dem Projekt eine große Rolle. Stadtwerke und auch die Therme - wenn sie denn mal gebaut ist - wollen die Abwärme des Rechenzentrums nutzen. Minkel blickt voraus: „Fotovoltaikanlagen auf dem Dach und eine Begrünung von Fassaden und Dach sind ebenfalls geplant.“

Die Arbeiten sollen im Frühjahr beginnen.

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