Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bad Vilbel

Politische Arbeit ohne Babysitter

Digitalkonferenzen erleichterten Frauen das Engagement, sagen Kommunalpolitikerinnen

Vor der Corona-Pandemie waren Videokonferenzen in der politischen Arbeit eher selten. „Auf Mütter, die an Präsenzsitzungen nicht teilnehmen können, wurde kaum Rücksicht genommen“, sagt die Dortelweiler Sozialdemokratin Beate Bender. Im Zuge der Corona-Pandemie musste sich auch die Politik anpassen. Das bedeutet: Onlinesitzungen statt Präsenztreffen. Die Spitzenkandidatin der SPD Bad Vilbel bei der Kommunalwahl sagt: „Durch diesen Wechsel ist mehr Kompetenz zurückgekommen. Wir haben Mütter im Team, die vorher einfach keine Zeit hatten, an Sitzungen teilzunehmen. Sie können sich jetzt von zu Hause einwählen.“

Die Onlinesitzungen hätten für politisch engagierte Mütter ganz neue Perspektiven eröffnet, stellt Bender fest. „Diese können von zu Hause teilnehmen, ohne einen Babysitter oder den Vater für die Vertretung für eine Sitzung bitten zu müssen. Es ist längst nicht selbstverständlich, dass Väter automatisch einspringen, wenn die Frau ihre Zeit politischer Arbeit widmet.“ Corona habe auch die klassische Rollenverteilung wiederaufleben lassen. Der meist vollzeitberufstätige und daher meist besserverdienende Mann arbeite im Arbeitszimmer, während die Frau sich um Homeschooling, Zubereiten der Mahlzeiten kümmere und am späten Abend die Aufgabe des Jobs erledige. „Bleibt zu hoffen, dass politisch engagierte Mütter die Hand heben und auf Onlinesitzungen bestehen“, sagt Bender. Diese Sitzungen hätten außerdem noch einen Vorteil, betont sie. „Sie sind zeitlich begrenzt und meist bleiben wir sogar unter dem Limit. Man lässt sich gegenseitig ausreden. Jeder sagt seine Meinung, jeder spricht aus.“ Das sei längst nicht immer so. „Nebengespräche, die nicht zum Thema passen, finden nicht statt, da nur eine Person spricht.“

Die SPD Dortelweil habe stark davon profitiert. „Deshalb wollen wir das in einem gewissen Maß auf jeden Fall beibehalten“, sagt SPD-Frau Bender. „Der Kreis der Frauen, die politisch mitbestimmen, wächst.“

Kathrin Anders von den Bad Vilbeler Grünen sagt. „Ich glaube nicht, dass das ein reines Frauenthema ist, sondern eins von Müttern und Frauen, die daheim Angehörige pflegen.“ Die Landtagsabgeordnete ist alleinerziehend und kümmert sich um ihre drei Kinder. Sie ist sich sicher: „Mütter haben eine Doppelbelastung wie eh und je.“

Videokonferenzen seien natürlich leichter erreichbar. Das heiße aber nicht, dass sich die Frauen dann voll auf die politische Arbeit konzentrieren könnten. „Während der Fraktionssitzung im hessischen Landtag habe ich parallel Französischvokabel und Matheaufgaben gemacht sowie Brote geschmiert. Es ist eine enorme Belastung und hart an der Grenze.“

Für die Parteiarbeit auf Kreisebene sei die digitale Arbeit sehr gut. „Die Fahrtwege fallen weg. Das erleichtert einiges.“ Allerdings registriert Kathrin Anders, dass „die Grenzen immer mehr miteinander verschwimmen“ . So heißt es, man könne an Sitzungen teilnehmen, weil man ohnehin zu Hause sei. „Die Arbeit an der Basis fehlt mir. Außerdem fallen in Debatten auch mal emotionale Reaktionen auf Redebeiträge weg. Das gemeinsame Konfliktelösen gestaltet sich auch anders.“ Man dürfe bei der Freude über die größere Teilhabe nicht vergessen, dass es eine andere Art von Doppelbelastung gebe. „Das ist wohl auch eine Lehre von Corona.“

Martina Schwellnus-Fastenau kandidiert für die CDU Karben auf Listenplatz 18 und für den Ortsbeirat Kloppenheim auf Platz 2. Sie sagt: „Die Mischung macht’s.“ Generell habe die Umstellung auf Videokonferenzen mehr Möglichkeiten mit sich gebracht. „2019 musste ich mir bei einem Seminar noch überlegen, wie passt das von den Zeiten? Das ist jetzt einfacher, an solches Konferenzen teilzunehmen.“

Ihre Tochter geht seit vergangenem Jahr in die Schule. „Sie beschäftigt sich zum Glück auch mal ganz gut alleine“, sagt sie. Für Mütter sei die Teilhabe so definitiv einfacher. „Wir haben bei der CDU Karben mit dem digitalen Dialog auch eine feine Sache ins Leben gerufen. Ich finde das wichtig.“ Allerdings komme es auch darauf an, „wie viele Kinder man hat und wie lebendig sie sind“. Außerdem gebe es noch einen Vorteil. „Wir erreichen über die digitalen Formate auch mal jüngere Leute, die sich sonst mit gewissen Themen nicht auseinandersetzen würden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare