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Ökologische Aufwertung

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Für den Schreitbagger ist die Arbeit an schlammigen Hängen kein Problem. © Niklas Mag

Bad Vilbel - Die Renaturierung der Nidder hat begonnen. Ein Schreitbagger begann am Mittwochmittag mit den ersten Arbeiten. Naturnah und ökologisch verbessert wird das Gewässer auf insgesamt etwa einem Kilometer Länge. Das kommt Menschen und Tieren zugute und ist ein weiterer Stein im Renaturierungs-Mosaik.

Der Schreitbagger steht auf seinen vier stelzigen Beinen mit dem Rücken zum Fluss. Der Baggerarm dreht sich nach links und schaufelt ein paar große Steine aus dem Boden. Die schlammige Nidda nimmt das nicht so einfach hin, der Bagger sinkt hinten links einen halben Meter tiefer ein. Doch das macht gar nichts, das Spezialgefährt ist für diese Arbeiten schließlich ausgelegt.

Ein solches Gefährt sieht man nicht alle Tage, auch Bürgermeister Sebastian Wysocki (CDU), der Erste Stadtrat Bastian Zander (CDU) und der Gronauer Ortsvorsteher Karl Peter Schäfer (CDU) zücken die Handykameras. Gewässerökologe Gottfried Lehr weiß, wie sich die Nidder verändern wird: „Auf etwa einem Kilometer Länge wird die Nidder auf Gronauer Gemarkung ökologisch aufgewertet, also renaturiert“, erklärt er. Das Flussbett wird aufgeweitet, damit sich die Nidder in Zukunft ihren Weg selbst suchen kann. Natürlich aufseiten des Naturschutzgebiets, nicht auf der besiedelten. Westlich der Brücke, die die Landstraße nach Rendel trägt, entsteht eine abgeflachte Stelle mit einer Mittelinsel. Der Damm wird nach hinten verlegt und die Stromschnelle verlängert.

„Das wird ähnlich wie in der Kernstadt an der Römerbrunnenwiese“, so Gottfried Lehr. Die Steinschüttungen auf der nicht bewohnten Seite der Nidder werden komplett entfernt, die Hecken aber erhalten. So kann dem Fluss seine Freiheit gelassen werden. „Im Prinzip ist die Nidder noch kanalisiert wie es in den 1960er Jahren gemacht wurde. Das muss geändert werden, wie wir es auch bei der Nidda seit Langem tun“, fährt Lehr fort.

Die Erfolge der Nidda-Renaturierung seien bekannt: Die Sumpfschildkröte, der Biber und der Eisvogel sind nur drei Tiere, die nach langer Abwesenheit nun wieder an der Nidda leben. Für die erfolgreiche Ansiedlung von Forellen und Nasen ist die Nidda-Renaturierung sogar deutschlandweit bekannt, wie der Gewässerökologe erzählt. Ganz aktuell gebe es sogar erste Sichtungen von Fischottern. In der Nidder soll es künftig Kiesbänke geben, die für das Laichen und die Jungfische unerlässlich sind. „Wir entfesseln die Eigendynamik der Natur. Im ersten Schritt ist das aber immer ein Eingriff.“ Wenige Bäume müssen zurückgeschnitten werden, das Totholz kommt an anderen Stellen dann aber wieder zum Einsatz. Durch die Renaturierung werden außerdem neue Retentionsräume geschaffen. Wie wichtig diese sind, sei im Frühjahr 2021 zu sehen gewesen, als wegen Dauerregens die Fläche zwischen Gronau und Altenstadt mit Wasser bedeckt war, Gronau selbst aber größtenteils trocken blieb. „Wir können uns so auf das Hochwasser vorbereiten. Verhindern können wir es aber nicht.“

Auch die heißen Sommer werden für die Nidder in Zukunft erträglicher: „Studien zeigen momentan, dass ein durchgehender Gehölzsaum die Wassertemperatur um bis zu sieben Grad senken kann.“ Die Arbeiten werden von der Gerty-Strohm-Stiftung finanziert. „Wir sind als Stadt sehr dankbar für dieses Engagement“, sagt Bürgermeister Wysocki. Karl Peter Schäfer pflichtet ihm bei: „Die renaturierte Nidder wird das Bild von Gronau noch runder machen.“

Die Renaturierung der Nidder beginnt mit Bastian Zander, Sebastian Wysocki, Karl Peter Schäfer, Gottfried Lehr sowie Samuel Waas und Daniel Kästner von den ausführenden Firmen (v.l.).
Die Renaturierung der Nidder beginnt mit Bastian Zander, Sebastian Wysocki, Karl Peter Schäfer, Gottfried Lehr sowie Samuel Waas und Daniel Kästner von den ausführenden Firmen (v.l.). mag (2) © Niklas Mag

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