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Der „Bewegstein“ von Regina Planz und Martin Steinmetz ist drehbar.

Bad Vilbel

Neue Saison der Auenkunst in Bad Vilbel

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Der Park am Erlenbach in Bad Vilbel ist mit weiteren Werken bestückt, andere Arbeiten sind nicht mehr da.

So blutig ging es in den zwölf Jahren Massenheimer Auenkunst nicht zu, wie in dieser Saison, die am Samstag eröffnet wurde. Die mittlerweile auf drei Dutzend Objekte gewachsene ganzjährige Schau zeigt sieben neue Plastiken und Skulpturen. Darunter der „Spötter - ausgelacht“. Benedetta von Collenberg schuf ihn mit der Kettensäge aus einem ordentlichen Stammabschnitt einer Lärche. Der massige Schädel wird von einem rotgefärbten Spalt vertikal durchzogen. Als Quelle des augenscheinlich blutigen Stroms ist ein Loch oberhalb der Stirn zu sehen, wo sich eine Pfütze gebildet hat. Die Zunge hängt dem Spötter noch aus dem Mund, die Augen hat er bereits zu. Ein Fingerzeig an alle Lästermäuler, was ihnen droht. Die brachiale künstlerische Geste der gebürtigen Französin lässt diese Deutung zu.

Collenberg zeigt in dieser Saison ebenfalls die mit grobem Werkzeug aus Holz gearbeitete Skulptur „Das letzte Eis“, eine Mahnung an die drohende Klimakatastrophe. Die männliche Figur hält in ihren übergroßen Händen einen blaugrün schimmernden Glasklumpen, das Eis, über seinen Kopf - nicht triumphierend, sondern es vor Berührungen schützend. Der Träger des Brockens Vergänglichkeit steckt bis zur Gürtellinie im Boden, um hin herum ein breiter Ring aus weißen Kieselsteinen. Sein künftiges Grab.

Mit der Wirkung von Kunstobjekten im öffentlichen Raum setzt sich der Bad Camberger Bildhauer Friedhelm Welge auseinander. „Kopf im Bauch“ heißt sein Werk, das nun an der Erlenbach Aue, ein Park entlang des Flusses, zu sehen ist. Vom Wegesrand aus lässt es sich kaum erschließen. Die Neugierde schickt einem zum Objekt. Also über den Rasen gehen, was von den Ausstellungsmachern ausdrücklich erwünscht ist. Ein liegender Menschentorso zeichnet sich ab. Große, maskuline Hände liegen auf ihn. Und auf den zweiten Blick fällt das maskenhafte Gesicht im Torso auf. Mit aufgesperrtem Mund, als habe ein Schrecken zu dieser Konstellation geführt. Möglicherweise war es der Krieg, gegen den Welge einmal mit einem Gedicht bekämpfen wollte.

Das „Fohlen, weiß gefasst“ ist davongetrabt, Anne-Marie Kuprat ist jedoch noch mit der „Großen Kupferziege“ und nun mit dem „Damhirsch“ - ebenfalls aus Kupferrohr und mit weißer Acrylfarbe beschichtet - präsent. Das Material spiegelt den grazilen Charakter der Tiere wider und die Leichtigkeit der Plastiken. Sie stehen jedoch nicht deshalb auf einem gut zwei Meter hohen Betonsockel. Kunst in einem Park läuft immer Gefahr, beschädigt zu werden. Bei der Auenkunst ist dies jedoch das Werk blinder Zerstörungswut zweibeiniger Hornochsen.

Eberhard Linkes Bronzestatur „Legionär“ dürfte vermutlich nicht so leicht ein Opfer werden. Übergroß und massig reckt sich der behelmte, unerkennbare Krieger gen Himmel. Martialisch wirkt er, wie die legendenhafte Figur des Golems oder des „Terminators“ der Moderne. Es ist ein früheres Werk des renommierten in Saulheim, Rheinhessen, lebenden Bildhauers. Linke, mittlerweile 82 Jahre alt, schuf die Plastik 1980. Zuvor stand in der Erlenbachaue aus dem gleichen Jahr die reliefartige Plastik „Römisches Mauerfossil“, das einen in Gestein eingeschlossenen und zum Teil freigelegten Menschen zeigt.

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