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Mangel an Wohnraum größtes Problem

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Rund 700 Geflohene leben momentan in Bad Vilbel. Dazu zählen 330 „Weltflüchtlinge“, die aus Afghanistan, Äthiopien, Somalia und vielen anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind. Aus der Ukraine gelangen seit März immer mehr Menschen nach Bad Vilbel. Susanne Förster zählt 370 Menschen mit ukrainischen Pässen in der Brunnenstadt - es sind vor allem Frauen und Kinder.

Förster leitet den Fachdienst Soziale Sicherheit im Rathaus. Damit ist sie auch für Geflohene zuständig. Vor dem Sozialausschuss berichtete sie am Mittwoch von der aktuellen Situation. Nachdem Russland im Februar die Ukraine angriff, richtete sich die Stadt auf sehr viele Flüchtlinge ein. Vorsorglich wurden zwei Hallen am Sportfeld als Notunterkunft eingerichtet - doch sie mussten nicht öffnen, sagte Förster vor dem Ausschuss in der Breitwiesenhalle. Denn viele Privatleute aus Bad Vilbel nahmen die Geflohenen spontan bei sich auf. Aktuell müssten nur 90 der 330 Menschen aus der Ukraine in städtischen Unterkünften wohnen. Sie leben wie die „Weltflüchtlinge“ in elf angemieteten Wohnungen und einem halben Dutzend Gemeinschaftsunterkünften im Stadtgebiet. Die größte beherbergt laut Fachdienstleisterin 95 Menschen aus vielen Nationen auf sehr wenig Wohnraum.

Es gibt viele Probleme, sagte Susanne Förster. Das wohl größte ist für sie der Mangel an Wohnraum. Sobald es Konflikte oder Eigenbedarf bei den Gastgebern der privat untergebrachten Ukrainer gibt, muss die Stadt mit einem Obdach für die Betroffenen einspringen. Doch das ist schwer zu beschaffen. Weil es kaum bezahlbare Wohnungen gibt, leben in den Gemeinschaftsunterkünften aktuell 140 „Weltflüchtlinge“ und 90 Menschen aus der Ukraine, die eigene Wohnungen beziehen dürften - aber keine finden. Susanne Förster sagte: „Ich habe erhebliche Zweifel, dass das überhaupt zu schaffen ist.“

Die Menschen aus der Ukraine genießen nach Einschätzung von Susanne Förster Vorteile gegenüber den „Weltflüchtlingen“ denn sie können sofort die etwas höheren Geldleistungen des Jobcenters bekommen und dürfen von Anfang an arbeiten. Das sei in der Praxis aber schwierig. Denn viele Menschen aus der Ukraine hätten zu wenige Sprachkenntnisse. Die vielen nötigen Anträge und die Wartezeiten auf Geldleistungen, Bescheinigungen und Arbeitserlaubnisse gehen nicht nur den Betroffenen auf die Nerven. Auch für das hauptamtliche Personal sei das sehr anstrengend, bekannte die Fachdienstleiterin. „Die Bürokratie ist ganz furchtbar“, entfleuchte es ihr.

In den höchsten Tönen lobte sie das Engagement des Flüchtlingshilfevereins „Willkommen in Bad Vilbel“. Ende Oktober stellte der Verein die Ukrainerin Nina Urytska ein, die für ihre Landsleute dolmetscht und sie bei Behördengängen begleitet. kni

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