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Gerhard Stengel organisiert einen Hilfstransport - wieder einmal.
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Gerhard Stengel organisiert einen Hilfstransport - wieder einmal.

Auszeichnung

Ein Leben für die anderen

  • Tina Full-Euler
    VonTina Full-Euler
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Der Heilsberger Gerhard Stengel wird Ehrenstadtbrandinspektor von Bad Vilbel. Seit 19 Jahren engagiert sich der pensionierte Feuerwehrmann für Osteuropa. Weil er selbst erfahren hat, wie sich Not anfühlt.

Gerhard Stengel sitzt in seinem Home Office im Wohnzimmer und telefoniert nach Budapest. „Ich brauche bitte einen Lastzug am Donnerstag. Wir haben wunderschöne Büromöbel. Wir können allerdings erst abends laden, weil die Feuerwehr dann erst Zeit hat“, spricht Stengel in den Hörer. „Ich bin noch in Deutschland, aber am Wochenende fahre ich runter.“ Dann legt er auf. „19 Jahre gab es immer einen Weg, dann jetzt auch“, sagt der 69-jährige Heilsberger.

Seit 19 Jahren organisiert der ehemalige Vilbeler Stadtbrandinspektor Transporte nach Osteuropa. Eine deutsch-ungarische Spedition mit Sitz in Budapest nimmt die Hilfsgüter auf dem Rückweg von West nach Ost mit. Ob Lebensmittel, Kleidung oder Einrichtungsgegenstände: „Die Vilbeler Bevölkerung ist hilfsbereit“, sagt Stengel. In Vilbel belädt die örtliche Feuerwehr die Lastwagen, in Ungarn oder Rumänien lädt die dortige Feuerwehr die Ware ab und hilft, sie zu verteilen. Stengel vergewissert sich selbst vor Ort, wer was benötigt: „Ich gucke, wo die Not groß ist.“ Wie sich Not anfühlt, weiß Gerhard Stengel. „Ich habe die Not in Erinnerung vom Erzgebirge.“ Als junger Bursche floh er aus der damaligen DDR nach Bad Vilbel.

Wegen seines Engagements für andere und seiner Verdienste als Stadtbrandinspektor hat das Stadtparlament vor Kurzem einstimmig beschlossen, Gerhard Stengel den Titel „Ehrenstadtbrandinspektor“ zu verleihen. „Das ist eine große Anerkennung der Stadt“, findet der und denkt gleich wieder an andere: Der Titel werde ihm eine Hilfe bei den osteuropäischen Behörden sein, „sodass ich mit weniger Aufwand kompetente Ansprechpartner erreiche. Dafür ist der Titel gut“.

Gerhard Stengel trat 1957 in die Einsatzabteilung der Vilbeler Wehr ein. Er weiß noch von Zeiten zu berichten, in denen die Luft aus den Reifen des Löschfahrzeugs gelassen werden musste, damit es in die Garage passte. 20 Jahre lang, von 1979 bis 1999, stand Stengel an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Bad Vilbel. Hauptberuflich war er Feuerwehrmann in Frankfurt. Nebenbei hat noch den Feuerwehrverein Heilsberg gegründet. „Es war mir nie zu viel“, sagt der Rentner. Für die Arbeit in Vilbel habe er sich als Mann vom Fach kaum vorbereiten müssen. „Außerdem habe ich delegiert. Verantwortung kann man nicht teilen.“ Als er damals Stadtbrandinspektor wurde, habe es Tendenzen gegeben, die Freiwilligen Wehren der Stadtteile aufzulösen, berichtet Stengel. Dagegen hat er erfolgreich angekämpft. Denn so könne die Feuerwehr auch bei schweren Unfällen in den Stadtteilen unverzüglich helfen. „Noch heute sind wir stolz auf unseren dezentralen Brandschutz.“ Doch sei es auch sinnvoll, über mehr hauptamtliche Feuerwehrleute in Bad Vilbel nachzudenken, meint er.

Manche Einsätze haben sich in sein Gedächtnis eingebrannt. Zum Beispiel, als bei einem Hausbrand am Marktplatz ein Kind ums Leben kam.

Heute kann er ganz gelassen bleiben, wenn die Sirene heult. „Das ist das Wunder!“, sagt er. „Ich bleibe gelassen, weil die so tüchtig sind.“ Es sei ihm wichtig, Danke zu sagen: „Ich danke den Politikern und den Bad Vilbelern, dass sie die Feuerwehr dahin gebracht haben, wo sie heute steht.“

Spenden für Rumänien über den Vilbeler Christopherusverein: Konto 104007830, Bankleitzahl: 51850079, Sparkasse Wetterau.

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