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Kronia-Quelle versiegt

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Von: Tina Full-Euler

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Mit der Kronia-Quelle schluckt Hassia einen weiteren Konkurrenten.
Mit der Kronia-Quelle schluckt Hassia einen weiteren Konkurrenten. © Joachim Storch

Der Getränkekonzern Hassia schließt den erst im September gekauften Konkurrenten. 44 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. Kronia habe sich als „eindeutig nicht mehr sanierungsfähig“ erwiesen, sagt Hassia-Geschäftsführer Schweitzer.

Der Betriebsrat hat es tags zuvor, die Belegschaft am gestrigen Mittwochmorgen erfahren: Der Vilbeler Betrieb Kronia-Quelle soll stillgelegt werden. Das teilte der Geschäftsführer Marketing, Ullrich Schweitzer, von Hassia-Mineralquellen mit. Damit werden 44 Mitarbeiter des Mineralbrunnens Kronia ihren Arbeitsplatz verlieren.

Hassia-Mineralquellen ist seit September Inhaber von Kronia-Quelle. Die bisherige Besitzerfamilie Saur verkaufte sämtliche Geschäftsanteile und schied aus dem wirtschaftlich angeschlagenen Unternehmen aus. „Mit der Entscheidung der Familie Saur, sich von ihrem Unternehmen zu trennen, bestand für Hassia-Mineralquellen die Notwendigkeit, den Betrieb zu erwerben, um negative Einflüsse auf das Markenimage von Bad Vilbeler Mineralwasser in Zukunft auszuschließen“, begründet Schweitzer heute diesen Schritt. Kronia-Mitarbeiter kritisierten damals, dass sie lediglich über einen Zettel am schwarzen Brett von der Übernahme erfahren hatten. Selbst der Betriebsrat habe nicht Bescheid gewusst.

Kronia Quelle sollte zunächst als eigenständiges Unternehmen weitergeführt werden. Hassia kündigte eine Analyse an, „ob und unter welchen Bedingungen das Unternehmen auch langfristig fortgeführt werden kann“. Diese Prüfung habe nun ergeben, dass der Betrieb „eindeutig nicht mehr sanierungsfähig“ sei, so Schweitzer.

Als Gründe nannte der Hassia-Geschäftsführer unter anderem, dass „Kronia nur über Marken mit schwacher Erlösqualität verfügt, auch per Oktober 2010 eine zweistellig negative Absatzentwicklung aufweist, und dass zusätzlich zum negativen Betriebsergebnis ein erheblicher Investitionsstau besteht.“ Gespräche mit Handelskunden der Kronia-Marken hätten „zu keinem positiven Ergebnis geführt“, so Schweitzer. Außerdem sei der Preiswettbewerb durch Discount-Billigangebote „besonders aggressiv“. Dies schwäche die mehrwegorientierten Kronia-Marken zusätzlich. Einen Teil der Kronia-Produkte will Hassia weiterführen, „alle Vermögensgegenstände wie Anlagen oder Lastwagen werden wir verkaufen“, sagte Schweitzer. Die Kronia-Mitarbeiter erhielten „eine angemessene Entschädigung im Rahmen eines Sozialplans“.

„Hier werden Marken gekauft“, Interesse am Menschen habe diese Firmenpolitik nicht, kritisiert Jürgen Hinzer, Gewerkschaftssekretär von Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Die von der Vilbeler Wasser-Bourgeoisie wollen keine Konkurrenz-Unternehmen haben“, sagt Hinzer. Nun sei der letzte Vilbeler Konkurrenz-Betrieb übernommen worden.

Die Kronia-Beschäftigten seien „sehr wütend“, so Hinzer. Sie und weitere Hassia-Mitarbeiter wollen sich am 13. November, 6 Uhr, am Vilbeler Marktplatz treffen, um gemeinsam zur DGB-Kundgebung nach Stuttgart zu fahren.

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