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Kindheitserinnerungen aus Blech

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Von: Detlef Sundermann

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Einen BMW gab es auch einmal in wirklich klein,
Einen BMW gab es auch einmal in wirklich klein, © Rolf Oeser

25. Oldtimertreffen in Massenheim: Hunderte Fahrzeuge aus vielen Epochen der Automobilgeschichte kamen am Sonntag.

"Der müsste mal eine neue Lackierung verpasst bekommen“, kommentiert ein Besucher die Vorbeifahrt eines VW Käfers, der mit seiner matten und mit Rostinseln überzogen Karosserie ziemlich aus der Reihe fällt. Zum 25. Mal hat die Freiwillige Feuerwehr am Sonntag auf der Massenheimer Aue entlang des Erlenbachs zum Oldtimertreffen eingeladen. Mehrere Hundert Old- und Youngtimer-Besitzer folgten dem Ruf. Das Festival mit alten Autos, Lastwagen, Trekker und Motorrädern gilt als eines der größten und älteren im Rhein-Main-Gebiet. Was dort aufgefahren wird, sieht sich zumeist piccobello aus.

Karlheinz Pfeffer hat sich seinen Traum-Oldie selbst gebaut, dafür bekommt er von einem Besucher anerkennend einen Klaps auf die Schulter. „Von der Daimler Motorkutsche von 1888 existiert weltweit kein einziges Exemplar mehr“, sagt der 74-Jährige aus Homberg/Ohm. Zwei Jahre dauerte die Teilesuche. Für authentische, hölzerne Speichenräder fuhr er bis Polen. Doch entgegen der Verkäuferzusage taugten sie nichts. „2000 Kilometer vergebens gefahren.“ 2008 begann der gelernte Dreher mit dem Aufbau, gut zwei Jahre später konnte er mit dem Kutschen ähnlichen Gefährt und mit Tüv-Plakette über die Straßen tuckern - mit 10 PS aus einem Aufsitzrasenmähermotor sogar ziemlich übermotorisiert, das Original war nur 2 PS stark. Natürlich ist Pfeffer mit seiner Motorkutsche nicht von Homberg nach Massenheim gefahren, bei 6 Km/h Höchstgeschwindigkeit. Das Vehikel wurde auf einem Hanomag-Henschel F 25 von 1974 transportiert.

Das Gros der ausgestellten Fahrzeuge stammt aus den 60er, 70er Jahren. Die automobile Nachkriegsbescheidenheit, das Goggo-Mobil, gab es jedoch ebenso in mehrfacher Ausführung zu betrachten, wie die aus heutiger Sicht rollenden Umweltsünden, „dicke“ Ami-Schlitten, mit Motorhauben im Format von Tischtennisplatten und blubbernden V8-Maschinen mit gewaltigem Benzindurst. Aber auch die 1980er Jahren haben schon das Oldtimertreffen erobert, wie der Renault R4, letzte Baureihe oder so mancher Audi und Porsche.

Szene im Wandel

„Fahrzeuge bis in der 1970er Jahren gehören zu den Oldtimern, ab der 80er Jahren fangen die Youngtimer an. Aber mindestens 30 Jahren müssen sie schon alt sein“, sagt Andreas Bauditz. Der freiwillige Feuerwehrmann hatte vor 25 Jahren die Idee zu dem Treffen. Heute lebt und arbeitet er in Neckarsulm als Entwicklungsingenieur einer großen Automarke. Bauditz ist der Feuerwehr und dem Oldtimertreffen verbunden geblieben, letzterem als Aktiver.

Die Szene sei im Wandeln. Jüngere Leuten zeigten immer weniger Interesse, sagt er. Und wenn doch, dann bestehe dies oft für Autos aus Kindheitstagen, die die Eltern oder Verwandtschaft besaß, so der Mann in der 40er Jahren, der eine sehr frühe, äußerst seltene Version des Audi Quattros besitzt. Für Technikinteressierte sei dabei ein älteres Fahrzeug mit seiner puren Mechanik ein interessanter Kontrast zur computerisierten automobilen Gegenwart.

Laut Bauditz wird sich in den nächsten Jahrzehnten der Markt mit schönen, interessanten und legendenbehafteten Autos zum Sammeln und in der Freizeit fahren wandeln. Mit Fahrzeuge ab Baujahr 2000 werde es schwierig werden, sie zum Hobby zu machen. Grund ist der Einzug des Computers in die Fahrzeugtechnik. Ältere Motormanagementsysteme werden als Ersatzteil ein Vermögen kosten. Ausgaben, die sich nur bei wertvollen Autos lohnen. Die Digitaltechnik im rollenden Massenprodukt dieser Tage, werde sich in 30 und mehr Jahre in keinem Lagerregal mehr finden. Zumal die Bauteile über eine solange Zeit aus Schutz vor Alterung unter Strom aufgehoben werden müssten.

Und Elektroautos als Sammlerobjekt? Bauditz winkt ab. „Diese Fahrzeuge sind wegen der begrenzten Haltbarkeit ihrer Akkus zu einer Gebrauchszeit von nicht mehr als acht bis elf Jahre verdammt.“ Gibt es danach keinen bezahlbaren Ersatzenergiespender zu kaufen, sei das Fahrzeug nur noch als Schauobjekt zu gebrauchen.

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