Burgfestspiele5_030820
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In der Bad Vilbeler Wasserburg gelten für das Publikum strenge Abstandsregeln.

Bad Vilbel

Keine Küsse bei den Burgfestspielen

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Das Sommertheater in der Bad Vilbeler Wasserburg steht ganz im Zeichen der Corona-Pandemie.

Für Margit Stadtmüller war mit der Meldung, dass es doch noch ein bisschen Burgfestspiele geben wird, klar, was zu tun war. „Wir haben sofort Karten besorgt“, sagt sie, die am Freitagabend zur öffentlichen Generalprobe zu „Mondschein und Magnolien“ zu Viert gekommen ist. Eine Woche zuvor besuchte das Quartett „Ladies Night“. Nicht nur die Aufführung findet großen Anklang, auch die geringere Zahl an Sitzplätzen und die kleinere Tribüne ohne Dach. „Das ist wie früher, es fehlte im Burghof nur noch der große Nussbaum“, sagt Bärbel Vogel, die zweite Dame im Quartett.

„Gleich zugegriffen bei den Karten“, hatte auch ein Paar aus Karben. Hinsichtlich der Hygienevorsorge gegen eine Sars-CoV-2-Ansteckung fühlt es sich bei den Festspiele gut aufgehoben. Das bestätigen auch der Frankfurter Detlef Seemann und sein Mann Karl-Heinz Pape, die „jede Form von Kunst und Kultur lieben“ und in der Zeit von Corona besonders Oper-Air-Veranstaltungen auf ihren Besuchsplan stehen haben. Die beiden nehmen es mit dem Mund-Nasen-Schutz sehr genau. Seemann geht zwei Schritte zurück und parodiert, wie er nicht getragen werden soll.

Das Programm

Aufgeführt werden in Zeitblöcken „Ladies Night - Ganz oder gar nicht“ (wieder am 3. August) und „Mondlicht und Magnolien“ wieder ab 11. August).

Die Saison dauert bis 13. September.

Karten kosten einheitlich 26 Euro im Vorverkauf, an der Abendkasse 30 Euro, Kartenbüro der Burgfestspiele, Klaus-Havenstein-Weg 1, Telefon 06101 / 55 94 55. sun Weitere Information: www.kultur-bad-vilbel.de/burgfestspiele

Dass etwa die Nase nicht unbedeckt herausragt und der Mindestabstand zu anderen Personen eingehalten wird etwa beim Anstehen am Gastronomiestand, darauf achten auch die Festspielhostessen, die üblicherweise am Einlass auf die Karten schauen oder Gäste beim Platzfinden helfen. Entgegen allen den Jahren sind es diesmal keine Ehrenamtliche. Es ist professionelles Personal, das trainiert ist, bei Regelverstößen eine entsprechende Ansprache vorzunehmen, sagt Ruth Schröfel, Dramaturgin und Pressefrau der Festspiele.

Mit der vor knapp sechs Wochen von der Landesregierung ausgesprochen größeren Freiheit für die Kulturbetriebe geht Intendant Claus-Günther Kunzmann behutsam um. „Wir haben sofort ein Hygienekonzept aufgestellt, das 38 Seiten umfasst und für jede Abteilung der Burgfestspiele eine eigene Aufstellung von Regeln“, so Schröfel. Für die Akteure hinter der Bühne etwa beim Kulissenbau oder in der Kostümbildnerei sei die Umsetzung mit zum Teil hohem Aufwand verbunden. „Die Kostüme dürfen nicht an einem Ständer hängen, sondern jedes Kostüm für sich, dass sie sich nicht berühren.“ Täglich sei die Kleidung zu waschen, was bei einigen Kostümen nicht einfach sei.

Distanz auch auf der Bühne. „Liebes- und Kussszenen gibt es nicht.“ Die Stückauswahl erfolgte unter den Kriterien: Komödie, die mit reduzierter Besetzung funktioniert und eben auch ohne körperlicher Nähe auskommt. Wo letzteres nicht ganz gestrichen werden konnte, etwa in der Ohrfeigenszene in „Mondlicht und Magnolien“, werden Ersatzhandlungen eingebaut, Ohrfeigen per Tuch. Anderes wird zum „Running Gag“ genutzt wie der Automat zu Handdesinfektion am Bühnenrand. Die Besetzung der insgesamt acht Rollen sei unproblematisch verlaufen. Die 40 vor Corona unter Vertrag genommenen Darsteller sind nun in Kurzarbeit, damit auf Abruf. Die beiden Stücke sind keine Auskoppelungen aus dem eigentlichen Spielplan 2020. Schröfel betont, dass es sei wichtig gewesen, Eigenproduktionen auf die Beine zu stellen, um den Charakter der Burgfestspiele zu wahren.

Noch unbekanntes Defizit

Der Aufwand binnen kurzer Zeit zwei Stücke aus dem Boden zu stampfen samt aller Coronavorkehrungen hat sich laut Intendanz gelohnt. „Mit dem Kartenverkauf sind wir sehr zufrieden“, heißt es. Dennoch, über das diesjährige Defizit will keiner reden. Die Chance kleiner Burgfestspiel steht offenbar über den Gedanken an Geld. Denn auch die Tribüne für 730 Besucher kann es nicht geben, sondern nur eine Aufstellung von 2er, 3er, und 4er Stuhlgruppen mit Mindestabstand zu einander sowie ein ebenfalls locker bestuhltes Zuschauerpodest. 200 Personen haben so Platz. Mehr darf es nicht geben. Es besteht die Option, zu verdoppeln, so Schröfel. Doch das hängt vom Fortgang der Coronapandemie ab.

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