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Können bleiben: die Bäume in der oberen Frankfurter Straße, die zunächst wegen der Sichtachse fallen sollten.

Grün

Keine Bäume in der „Frankfurter“ in Bad Vilbel

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Die Stadt hält diese Straße und andere für ungeeignet. Die Grünen fordern eine Baumsatzung.

Möglicherweise wird der städtische Baumbestand etwa in der unteren Frankfurter Straße, im Erzweg und in der Rechthienstraße ersatzlos verschwinden. Der zuständige Stadtrat Klaus Minkel (CDU) und Gartenamtsleiter Roland Agel stellten im Bauausschuss öffentliche Überlegungen zur Zukunft der Straßenbäume an. Clemens Breest von der Grünen-Fraktion spricht von einem „Horrorszenario“, und das nicht wegen der kruden Argumentation von Minkel und Agel.

Der Stadtrat soll die Situation der Bäume mit der von Batteriehühner verglichen und sein Amtsleiter das Beschneiden von Bäumen mit der groben Amputation von Gliedmaßen gleichgesetzt haben. Das hochwachsende Grün finde in der Kernstadt unterhalb des Trottoirs für sein Wurzelwerk keinen Platz mehr und oberhalb mit seinem zum Teil üppigen Kronen auch nicht. Ein Bescheiden habe letzteres nicht verhindern können oder sogar das Gegenteil bewirkt. Einige der schlanken Säuleneichen in der Frankfurter Straße gingen danach offenbar in die Breite. Als weiteres Manko erweise sich der Autoverkehr, weil parkende Fahrzeuge auf den Wurzeln stehen und diese verdichten oder beim Rangieren die Rinde verletzten.

„Zurzeit soll dort kein einziger Baum gefällt werden. Es sind nur die extrem schlechten Lebensbedingungen diskutiert worden“, teilt Minkel auf Anfrage mit. Fest steht jedoch, dass es unter dieser Perspektive wenig Sinn mache, weiterhin in nicht nachhaltig stehende Bäume zu investieren. Es geht um nicht wenig Geld. Der Unterhalt von städtischen Bäumen schlägt mit knapp 500 000 Euro im Jahr zu Buche. Das Gartenamt verfügt zur Instandhaltung aller eigener Grünflächen über ein Budget von rund zwei Millionen Euro. „Hier muss ein Umdenken stattfinden. Bäume sind nicht nur grüne Punkte oder Dekoration in Plänen, sondern Lebewesen, die man, wie auch alles andere, artgerecht halten sollte“, heißt es.

Die Grünen sehen die Gefahr, dass die Frankfurter Straße zum Hessentag 2020 „massiv aufgeräumt“ werden soll. Breest, der in seiner Fraktion für die Themen Umwelt und Klima zuständig ist, stellt fest, dass in früheren Jahren Bäume ohne Konzept und damit zum Teil falsch gesetzt worden sind wie die ausladende und flachwurzelnde Robinie. „Wir sagen, dort wo es nötig ist, soll gefällt werden. Aber die Stadt muss für einen klimagerechten Ersatz sorgen“, so Breest. Es gebe durchaus Bäume, die von ihren Wurzelverhalten und der Kronenweite in den Straßenraum passen, so die Grünen. Vermutlich gehe es der Stadt jedoch darum, mit weniger Bäumen die Unterhaltskosten zu drücken.

Pflanzkübel etwa mit säulenförmigen Wacholder oder Thujen, wie es das Gartenamt als Ersatz vorschlägt, sind für die Grüne kein „klimagerechtes“ Substitut. Die Folgen eines baumlosen öffentlichen Raums zeigten sich schon heute etwa auf dem grünfreien Niddaplatz, sagt Breest. An Hochsommertagen entstehe dort eine unerträgliche Hitze.

Die Grünen werden nicht nur deshalb in der kommenden Stadtverordnetensitzung am 26. März eine Baumsatzung fordern. Auch auf privatem Grund fallen den Grünen nach zu schnell alte Bäume, um lukratives Bauland zu schaffen.

Stehenbleiben werden jedoch die drei Linden am Markplatz. Sie sollten gefällt werden, um eine Sichtachse zum Alten Rathaus freizulegen, heißt es von der Stadt auf FR-Anfrage. War es der Druck der Öffentlichkeit, der Bürgerinitiative „Gelbwespen“ oder eine späte Einsicht? „Es war eine verwaltungsinterne Entscheidung“, heißt es.

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