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Hilfe für Italiens Streuner

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Von: Patrick Eickhoff

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Anja Breimaier hat den Verein „Leben für Streuner“ mitgegründet.
Anja Breimaier hat den Verein „Leben für Streuner“ mitgegründet. eickhoff © Patrick Eickhoff

Bad Vilbel - Der sechste Spenden-Marathon für Tiere von Veto (Vereinigung europäischer Tierschutzorganisationen) ist in vollem Gange. Mit dabei ist der Bad Vilbeler Verein „Leben für Streuner“, der für Futterspenden wirbt. Die Mitglieder haben sich dem Schutz und Wohl von Italiens Streunern verschrieben.

Italien. Ein Land, das jedes Jahr zahlreiche Deutsche anzieht. Ein Urlaub voll Sommer, Sonne, Strand und Meer. Bella Italia eben. Doch das beliebte Urlaubsland hat auch Schattenseiten. Der Verein „Leben für Streuner - Hilfe für Italiens Streuner“ macht genau darauf aufmerksam. „Wer an den Tierschutz und Hunde denkt, der nennt meistens Rumänien, Bulgarien, Ungarn oder Griechenland. Die sind bekannt. Das können die Leute sich vorstellen“, sagt Anja Breimaier, Vorstands- und Gründungsmitglied des Vereins. „Bei Italien haben die meisten nur die schönen Seiten im Kopf. Doch vielen Hunden vor Ort geht es schlecht.“

Die 175 Mitglieder des 2016 gegründeten gemeinnützigen Vereins wollen das ändern. Sie sind in ganz Deutschland verteilt. „Wir haben auch welche in Österreich, der Schweiz oder sogar den Niederlanden.“ Breimaier zeichnet anschließend ein Bild von der Situation vor Ort, das betroffen macht. „Vielen Hunden gerade im ländlichen Raum geht es nicht gut. Sie werden in Innenhöfen, auf Balkons oder in Wohnungen gehalten.“ Viele würde dabei gar nicht interessieren, ob es dem Hund wirklich gut gehe oder nicht.

Streuner würde es noch übler treffen. Der italienische Staat subventioniere die Unterbringung der Hunde in sogenannten Canilen. Deren Betreiber erhalten Geld pro Hund und sollen sich um die Tiere kümmern. „Das wird natürlich nicht richtig gemacht. Hunde sind krank und gehen dort teilweise zugrunde.“ Die Rechnung sei einfach: Je mehr Hunde, und je geringer die Ausgaben - desto größer der Gewinn. Wer aus einem Canil nicht adoptiert wird, was häufig der Fall sei, komme irgendwann in eine größere Stelle. Dort treffen bis zu 1000 Hunde auf engstem Raum aufeinander. „Wer einmal dort ankommt, der kommt nicht mehr raus“, sagt Breimaier.

Richtig kontrolliert würden die Einrichtungen nämlich nicht. „Für die Hunde gibt’s Essen und Trinken. Aber ob es ihnen wirklich gut geht, dass interessiert niemanden.“ Die Mitglieder des Bad Vilbeler Vereins halten deshalb täglich den Kontakt zu den Tierschützern vor Ort. Das Problem: Diese würden selbst kaum Unterstützung in Italien erfahren. „Sie werden von der Hundemafia bedroht“, sagt Breimaier. „Die Arbeit für sie ist eine enormy psychische Belastung.“

SPENDENMARATHON

Infos zum Verein aus Bad Vilbel gibt es unter www.leben-fuer-streuner. com/. Wer den Spendenmarathon für Tiere und den Verein aus Bad Vilbel unterstützen möchte, findet weitere Informationen unter www.spendenmarathon-tiere.de.

Eine Wunschliste von Leben für Streuner ist ebenfalls über diese Internetseite zu erreichen. wpa

Deshalb sei es wichtig, zu helfen. Der Verein „Leben für Streuner“ macht das auch vielfältige Art und Weise. Futter- und Sachspenden, Hundevermittlung, Unterstützung der Arbeit vor Ort. „Bis zu zehn Hunde vermitteln wir pro Monat nach Deutschland“, sagt Breimaier. „Wir unterstützen auch gerade am Anfang sehr viel. Denn die Hunde sind oft überfordert mit all den Eindrücken, wie zum Beispiel dem Straßenverkehr. Oft kennen sie das alles nicht.“

Am besten wäre es jedoch, wenn das System vor Ort sich ändere. „Wir sind drei- bis viermal im Jahr vor Ort. Ansonsten versuchen wir mit den Spenden zu helfen. Die Strukturen vor Ort müssen sich dringend ändern. Nur dann kann sich auf Dauer etwas verbessern.“ Vor Ort unterstützt der Verein deshalb Kastrationen, um ungewollten Nachwuchs zu vermeiden, die Verbesserung der Haltungsbedingungen und Adoptionen. „Leben für Streuner“ bietet außerdem die Möglichkeit, eine Patenschaft zu übernehmen, Geldspenden abzugeben oder Mitglied zu werden. „Mit jeder Option wird geholfen“, so Breimaier.

Der Verein nimmt dieses Jahr außerdem an einem Spendenmarathon der VETO teil. Die Vereinigung europäischer Tierschutzorganisationen will mit Europas größter Futterspendenaktion insgesamt 30 Organisationen unterstützen, die sich für heimatlose Hunde und Katzen in Europa einsetzen. „Der Marathon läuft noch bis zum 5. Januar“, sagt Breimaier.

Das Hauptaugenmerk liege bei der Unterstützung auf Sizilien, für die Tiere vor Ort ist auch das Futter, das bei dem Spendenmarathon zusammenkommt. Den Hunden im städtischen Canile könne das nicht zugutekommen, da diese von der Gemeinde versorgt werden. „Bei unserer letzten Teilnahme bei dem Futter-Spenden-Marathon im Jahr 2020 konnten rund 24 Tonnen Futter für unseren Verein für die italienischen Hunde gesammelt werden, die per Lkw nach Italien ausgeliefert wurden.“

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Italiens Streunern geht es nicht gut. Das soll sich ändern. red © Patrick Eickhoff

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