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Gespräche bei einem Teller Suppe

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Es ist angerichtet: Renate Donat (vorne rechts) und Team sowie Gerhard Hoerschelmann bieten verschiedene Suppen an. © Jürgen W. Niehoff

Gemeinsam durch den Winter kommen“, mit diesem Motto lädt die evangelische Kirche zum Suppensamstag an den kommenden Wochenenden ein. Am vergangenen Samstag öffnete das Gemeindehaus der evangelischen Kirche Dortelweil zum ersten Mal seine Tore für ihre Aktion „Suppensamstag“.

„Es ist wirklich jeder zu unserem kostenfreien Suppen-Buffet an den kommenden fünf Samstagen eingeladen“, berichtet Gerhard Hoerschelmann stolz. Er hatte den Gedanken mit den zwanglosen Treffen im Gemeindehaus eingebracht und sofort ungeteilte Unterstützung vom Kirchenvorstand zugesagt bekommen. „Zwei Gründe haben mich auf die Idee mit Suppensamstag gebracht: Da sind zum einen die Kostenexplosionen bei den Lebensmittel- und Energiepreisen, die immer mehr Menschen in die Armut treiben. Und zum anderen die Einsamkeit, unter der viele, vor allem ältere Menschen, aufgrund der Corona-Pandemie und der jetzt langen Abende leiden.“

Mit all dem liegen die Organisatoren dieses Angebots offenkundig richtig: „Es ist wirklich höchste Zeit, dass man mal wieder unter Leute kommt und über Gott und die Welt reden kann“, sagt jedenfalls ein älteres Ehepaar, das zum ersten Treffen dieser Art gekommen ist. Hoerschelmann nickt sogleich zu dem Ehepaar hinüber und fährt dann fort: „Es gibt eine alte Tradition mit dem Slogan ,Samstag geht Suppe‘. Daran wollen wir anknüpfen“. Die alte Tradition mit dem Suppen-Samstag hat wohl eher praktische Hintergründe. Zum einen kann man Suppen prima vorkochen und am nächsten Tag aufwärmen. Zum anderen können Reste verwertet werden, die von der Woche noch übrig geblieben sind,. Und es wird nicht viel Geschirr gebraucht, sodass die Küche schnell wieder für den Sonntag sauber ist.

In Dortelweil haben das Kochen vier Damen aus der Kirchengemeinde übernommen. „Uns musste man nicht lange fragen. Erstens sind wir überzeugt von der Idee, mit einem niederschwelligen Angebot den Menschen klarzumachen, dass die Kirche für alle offen ist. Und zweitens macht uns Kochen Spaß“, berichtet Renate Donat, seit letztem Jahr Mitglied des Dortelweiler Kirchenvorstandes.

Zurück zu Ideengeber Hoerschelmann: Der begrüßt zunächst erst einmal die Gäste an diesem ersten Tag der Aktion. Dann aber kehrt er zurück zu dem Suppen-Buffet. Sechs mit unterschiedlichen Suppen gut gefüllte Töpfe stehen auf dem Ausgabetisch. „Vier haben unsere Damen selbst gekocht. Zwei stammen aus der Kantine der Stadt. Das sind Reste, die uns der Koch spendiert hat“, freut sich Hoerschelmann über die Unterstützung seitens der Stadt. Ob auch alle sechs Töpfe mit zusammen etwa 60 Portionen Suppen an diesem ersten Tag Abnehmer finden - das hofft Hoerschelmann jedenfalls. Es hängt sicherlich besonders davon ab, wie schnell sich das Angebot herumspricht. Jedenfalls seien alle Kirchengemeinden in Bad Vilbel vorab informiert worden.

Aber wie gesagt, geht es Hoerschelmann weniger um das Essen, viel wichtiger sind ihm die Gespräche untereinander und das Gefühl der älteren Generation, angenommen und geschätzt zu sein, einmal bedient zu werden und den oft grauen Alltag für kurze Zeit vergessen zu können. Und auch das scheint an diesem Tag aufzugehen, denn schnell werden die Gespräche teilweise sogar quer über alle Tische geführt. Die Aktion Suppen-Buffet ist vorerst für die folgenden Samstage bis zum 18. März geplant, jeweils ab 12 Uhr im Gemeindehaus Obergasse. Danach wird der Kirchenvorstand entscheiden müssen, ob die Aktion weitergeführt werden soll. Denn auch wenn die Beteiligten sich alle ehrenamtlich beteiligen, so entstehen trotzdem Kosten.

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