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Sabine von Trotha ist Vorsitzende des Imkervereins.
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Sabine von Trotha ist Vorsitzende des Imkervereins.

Bad Vilbel Imker

„Gärtner tragen Verantwortung“

Bad Vilbel bietet Bienen viele blühenden Pflanzen. Trotzdem geht es den Insekten in der ausgesprochen grünen Stadt nicht gut. Sabine von Trotha, Vorsitzende des Imkervereins, erläutert, warum.

Von Rebecca Röhrich

Frau von Trotha, was ist für Bienen das Besondere an der Lage von Bad Vilbel?

Bad Vilbel liegt zwar zwischen Feldern und Wäldern, aber die Metropole Frankfurt ist sehr schnell zu erreichen. Wir liegen hier sozusagen „dazwischen“ und das ist gut für Insekten. Denn die ländliche Umgebung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es den Bienen häufig besser in stark besiedelten Gebieten geht als auf dem Land. Bad Vilbel ist eine ausgesprochen grüne Stadt mit vielen Gärten und grünen Erholungsflächen. Diese bieten einen gesunden und vielfältigen Lebensraum für unsere Bienen und andere Insekten, den wir auf dem Land durch die Verwendung von Pestiziden und die Monokulturen so nicht finden können.

Woran liegt das?

In den Städten pflanzen die Menschen auf ihren Balkonen und Vorgärten häufig bunte Blumen, die möglichst lange blühen sollen. Agrarlandschaften, wie wir sie um Bad Vilbel herum haben, sind hingegen vor allem durch Monokulturen geprägt. Wenn man früher problemlos einen bunten Wiesenstrauß pflücken konnte, finden wir heute sogar an den Wegesrändern häufig keine blühenden Blumen. Nach der Blütezeit Mitte Juli finden die Bienen und auch die anderen Insekten keinen Nektar mehr. Auch die Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft ist sehr schädlich für die Biene.

Man hört ja immer wieder vom Bienensterben...

Ja, und das beunruhigt. Die Ursachen sind vielfältig. Sehr schädlich für die Bienen sind zum Beispiel die Varroamilbe, der Nahrungsmangel und Pestizide. Entweder die Tiere werden durch die Gifte orientierungslos und finden ihren Stock nicht mehr, oder die Pestizide vernichten die Blumen, die den Wildbienen wie zum Beispiel Hummeln und unseren domestizierten Honigbienen Nahrung liefern.

Was geschieht, wenn sich nichts ändert?

Es gibt schon jetzt Ernteeinbußen, weil es zu wenig bestäubende Insekten gibt. Wenn Honigbienen und Wildbienen aussterben, bedroht das die Ernährung der Menschen. Dann ernten wir nicht mehr drei Körbe Äpfel von einem Baum, sondern nur noch drei Äpfel.

Auf diese Gefahr möchte der Imkerverein aktiv aufmerksam machen. Wie tun Sie das?

Ich wünsche mir, dass die Menschen ein Bewusstsein dafür bekommen, dass eine vielfältige Natur etwas Schönes ist. Jeder sollte sich über Gänseblümchen und Löwenzahn freuen und es nicht als Unkraut ansehen. Deshalb verschenken wir auf Märkten und Veranstaltungen immer wieder Papierblüten mit Blühsamen. Außerdem habe ich mit einer Schulklasse zusammen im Kurpark eine Blühwiese angesät. Ich finde, gerade wenn man Kinder erreicht, erreicht man viel. Auch die Stadt Bad Vilbel unterstützt mich sehr und hat mir ein Grundstück in der Nähe der Brunnenschule für zwei Bienenstöcke zur Verfügung gestellt.

Wie können wir Menschen den Bienen denn helfen

Ich finde, gerade die Eigentümer von Haus- und Schrebergärten tragen Verantwortung für die Bienen. Statt modischer Sträucher wie dem für Insekten giftigen Kirschlorbeer, kann man blühende Pflanzen oder Sträucher anpflanzen – gut geeignet sind Gewürzkräuter, Vergissmeinnicht oder Sonnenblumen. Ganz besonders möchte ich an die Menschen appellieren, in Privatgärten keine Unkrautvernichter zu verwenden. Ich wünsche mir einfach, dass wir wieder mehr Kontakt zur Natur finden, und die Biene ist ein guter Vermittler zwischen Mensch und Natur. Man kann in der Stadt viel für Bienen tun. Das geht selbst dann, wenn man nur einen Balkon hat.

Dafür tritt auch das Netzwerk „Blühende Landschaften“ ein.

Das Netzwerk „Blühende Landschaften“ ist eine Initiative, die sich deutschlandweit für insektenfreundliche Landschaften einsetzt. Auch organisiert das Netzwerk regelmäßig Vorträge zum Thema Bienen und deren Lebensräume. Angeschlossen ist es an den Verein Mellifera, der sich für eine nachhaltige, ökologische Bienenhaltung engagiert.

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