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Ein endgültiger Schritt

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Von: Tina Full-Euler

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Der Vilbeler Rudolf Jeckel ist bereits in fünfter Generation Bestatter.
Der Vilbeler Rudolf Jeckel ist bereits in fünfter Generation Bestatter. © Joachim Storch

80 Prozent der Bestattungsunternehmen sind oft sehr traditionsreiche Familienbetriebe. Tina Full-Euler hat mit dem Vilbeler Rudolf Jeckel über die Arbeit mit dem Tod gesprochen. Er ist bereits in der fünften Generation Bestatter.

Der Tod gibt keine Ruhe. Deswegen ist Rudolf Jeckel rund um die Uhr erreichbar. „Viele Angehörige möchten gleich einen Ansprechpartner, und ich bin Dienstleister“, sagt der Bestatter. Mit Anrufen mitten in der Nacht ist Jeckel großgeworden. Der 56-Jährige führt das Vilbeler Bestattungshaus gemeinsam mit seinem Bruder in der fünften Generation. Er hat wie der Unternehmensgründer Schreiner gelernt. Seit 2003 ist Bestattungsfachkraft ein Ausbildungsberuf des Handwerks. Laut Jeckel werden etwa 80 Prozent der Bestattungsunternehmen in Deutschland als Familienbetrieb geführt.

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Wer bei Jeckel anruft, dem stehen schwerwiegende Entscheidungen bevor. „Und die können nicht mehr korrigiert werden“, ist sich der Bestatter bewusst. Feuer- oder Erdbestattung, Wahl von Sarg oder Urne, Gestaltung der Trauerfeier? Friedhof, Friedwald oder Ruheforst? Zum überwiegenden Teil wüssten die Angehörigen, wie der Verstorbene bestattet werden wollte, sagt Jeckel. Doch seiner Erfahrung nach ziehen es immer mehr Menschen vor, diese Entscheidungen zu Lebzeiten selbst zu treffen. „Eine Bestattungsvorsorge ist sehr sinnvoll“, findet Jeckel.

In Bad Vilbel werden 95 Prozent der Verstorbenen kirchlich beerdigt, wie Jeckel berichtet. Immer mehr Menschen wählen die Feuerbestattung. In diesem Jahr wollten das etwa 70 Prozent von Jeckels Kunden, in den 1970er Jahren waren es noch unter zehn Prozent. Dieser Wandel habe jedoch nicht nur damit zu tun, dass „Feuerbestattungen etwas günstiger sind als Erdbestattungen“. Oftmals fehlten Menschen, die die bindende Grabpflege übernehmen. Sei es, dass die Angehörigen weit entfernt wohnen oder der Verstorbene keine Kinder hatte.

Trend zum hellen Holz

Der Weg zum Beratungsgespräch führt bei Pietät Jeckel durch eine kleine Halle mit Gegenständen, die der Tod mit sich bringt. Alle Urnen, Särge, Sarginterieur und Kreuze sind mit Preisen ausgestattet. Der Designersarg aus Erlenholz, auf dessen Deckel Steine den Lebensfluss symbolisieren, ist mit 2546 Euro der Teuerste seiner Gattung im Hause Jeckel. „Der Trend bei Särgen geht zu hellen Farbtönen“, weiß der Bestatter. Am Sarg kommt niemand vorbei, denn in Deutschland herrscht Sargpflicht.

Was eine Beerdigung kostet, sei so individuell wie die Bestattung selbst, sagt Jeckel. Die billigste Feuerbestattung in einer Urnenwand oder anonym liege bei etwa 2000 Euro.

Rudolf Jeckel bestattet rund 350 Menschen im Jahr. Wann der Tod kommt, weiß niemand. Jeckel aber weiß vom Wetterwechsel, bevor er stattfindet. Denn dann häufen sich die Todesfälle.

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